Hürtgenwald - Die Hausgeburt einer Glocke

Die Hausgeburt einer Glocke

Von: Gudrun Klinkhammer
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Schweißtreibende Arbeit mitten in Hürtgenwald-Simonskall: Erst 1100 Grad machen Bronze gießfähig. Foto: Gudrun Klinkhammer

Hürtgenwald. Am Wochenende ist im kleinen Ort Hürtgenwald-Simonskall ein wahrer Kraftakt vollbracht worden. Die Menschen erlebten auf dem Platz zwischen Junkerhaus und Mühle ein Schauspiel, das nur ganz selten in der Öffentlichkeit präsentiert wird: einen Glockenguss.

Die Hitze um die Gießhütte herum war am Samstag immer unerträglicher geworden. Glockengießer Simon Laudy, von drahtiger Statur, musste sich mehrfach den Schweiß von der Stirn wischen. Wie ein kleiner Lavastrom ergoss sich dann am Abend die flüssige Bronze in die bereitgestellte Glockenform. Es war geschafft! Die neue Marienglocke für die Marienkapelle in Simonskall, ist fertig. Die Anspannung, die auf dem Team von Laudy lag, und die die vielen Besucher gespürt hatten, fiel plötzlich ab, Applaus brandete auf.

Anlass für die neue Glocke: In diesem Jahr feiert die Marienkapelle in Simonskall ihren 80. Geburtstag. Der Ursprung des kleinen Gotteshauses liegt allerdings viel weiter zurück. 1643 wurde die Simonskaller Burg gebaut, die heute noch existiert. 1741 erhielt der damalige Burgbesitzer die Erlaubnis, eine Kapelle auf seinem Anwesen einzurichten. Auch die Menschen des Ortes und der Umgebung kamen in die Burg, um zu beten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm allerdings der Fremdenverkehr in Simonskall derart zu, dass die Hauskapelle zu klein wurde. Der damalige Burgherr Franz Scholl stiftete 1930 das Grundstück für eine neue, extern gelegene Kapelle. Als diese Marienkapelle 1935 geweiht wurde besaß sie zwei Glocken aus Bronze. Doch lange klangen diese Glocken nicht zusammen. Die Größere wurde von den Nazis konfisziert. Die kleinere Glocke blieb zwar im Turm hängen, ist allerdings seit langer Zeit kaputt: Ihr Korpus weist dicke Risse auf. Wilfried Fuhs vom Kirchenvorstand beschreibt: „Was da vom Kirchturm kam, das war klanglich gar nichts mehr, das war nur noch jämmerlich.“

Generell befand sich die im Krieg zerstörte Kapelle noch bis vor 20 Jahren in einem kläglichen Zustand. Pfarrer Axel Lautenschläger erinnert sich: Im Winter 1999 kam er nach Vossenack und war damit auch für Simonskall zuständig. Die Kapelle sei als Gebäude in einem blamablen Zustand gewesen. „Eigentlich wollte ich es schließen.“ Zwar ließ Lautenschläger noch die Notfenster gegen Buntglasfenster austauschen, doch als dann das Dach undicht wurde, beantragte er beim Bistum, die Kapelle verfallen lassen zu dürfen. Die Genehmigung wurde erteilt.

Die rund 50 Einwohner von Simonskall und viele Bürger der Umgebung wollten diesem Verfall jedoch nicht zusehen. Lautenschläger: „Es kam eine Dynamik auf, ein großes Miteinander für die Kapelle, die wieder zum Leben erweckt wurde. Das Gießen der Glocke ist der bisherige Höhepunkt dieser Dynamik.“

Zur Dynamik gehörte vor allem auch die Gründung des Vereins der Freunde und Förderer der Marienkapelle Simonskall im Jahr 2010. Dem Verein steht von Beginn an Berthold Rüttgers vor, der unermüdlich im Einsatz ist. Ende 2014 fasste der Verein den Entschluss, zwei neue Glocken im Stil der alten Glocken herstellen zu lassen. Die Josefsglocke war bereits in der Glockengießerei von Simon Laudy gefertigt worden. Die Marienglocke erlebte sozusagen eine Hausgeburt in Simonskall.

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