Die Grotten von Han-sur-Lesse: Europas größte Tropfsteinhöhlen

Von: Rolf Minderjahn
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Die Höhlen und Höhlenwege in Han-sur-Lesse sind seit 2016 mit LED-Lichtern ausgeleuchtet. Foto: Grottes de Han
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Extra-Tour: Diese Treppe gehört den Kindern. Foto: Grottes de Han
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Los geht’s: Mit der historischen Bahn können Besucher die Höhle erreichen. Foto: Rolf Minderjahn
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Im Park neben dem Höhlengelände lebt auch dieser Bär – und mit ihm zahlreiche andere Tiere. Foto: Parc Animalier Han
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Schauen und Staunen: Die LED-Beleuchtung macht es auch für Kinder weniger gruselig. Foto: Grottes de Han

Han-sur-Lesse . Da ruckelt sie heran, die über 100 Jahre alte Straßenbahn. In offenen Waggons fahren die Besucher rund vier Kilometer zum „Salpeterloch“. Das ist der Eingang zur Tropfsteinhöhle. Es ist ein Berg, dessen riesiger, abenteuerlicher Höhlenuntergrund den Fluss zu verschlingen scheint. Aber unter der Erde taucht der Fluss wieder auf.

Die wunderbare Ardennenluft, die Blicke auf die Lesse und ihre bezaubernde Umgebung sind nur ein Vorgeschmack auf das grandiose Naturerlebnis in Han-sur-Lesse.

Die Grotten von Han zählen zu den beliebtesten Reisezielen in Belgien. Am Eingang der Grotte erfolgt eine Aufteilung der Fahrgäste auf die einzelnen mehrsprachigen Höhlenführer, Für Erklärungen in Französisch und Niederländisch, aber auch in Englisch und Deutsch – je nach Teilnehmerzahl. Die Höhlenführer stellen kostenlos Faltblätter mit Erläuterungen in deutscher Sprache zur Verfügung.

Dann betreten die Gruppen in gewissem Zeitabstand die Höhlen. Lediglich zwei von insgesamt 14 Höhlenkilometern werden bei den Exkursionen bewältigt. Im Inneren dieser gigantischen Grotte taucht man für rund 100 Minuten in eine verwunschene Welt der bizarren, steinernen Kuriositäten ein. Da ist beispielsweise das „Minarett“, ein Stalagmit von fünf Metern Höhe, der 12.000 Jahre auf dem Buckel hat.

Die Höhlen und Höhlenwege sind seit 2016 mit LED-Lichtern ausgeleuchtet. Diese neue Illuminierung bringt die natürliche Farbe der Grotte und die Schönheit der Tropfsteine zur Geltung. Am Eingang des ersten Saales – es ist der Skarabäus-Saal – liegt links die belgisch-römische Galerie, eine Ausgrabungsstätte.

Seit dem Ende der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit dienten die ersten Meter der Grotte den Menschen als Schutz und Zufluchtsort. Schritt für Schritt dringen die Gruppen tiefer in den Berg ein. Die Dimensionen werden immer gewaltiger.

Der sogenannte Dom des Lichts, der Kuppelsaal, ist eine Höhle mit den Ausmaßen einer Kathedrale – 62 Meter hoch und 145 Meter weit in der Diagonalen. Im zweitgrößten Saal der Grotten, dem Waffensaal, 100 Meter unter der Erde, stößt man wieder auf die Lesse. Gewaltige „Draperien“ – steinerne Vorhänge – mit mehr als zwei Metern Höhe hängen unter einem riesigen Gewölbe herab.

Das ist rund 60 Meter lang. Mitten im Raum lauscht man wie in einem Konzertsaal einer Aufführung mit außergewöhnlicher Akustik. Das romantische Licht- und Klangschauspiel bleibt lange haften, auch wenn man der Realität nur für wenige Minuten zu entrücken scheint.

Magisch erscheinen etwas weiter auf dem Weg die Spiegelungen der prächtigen Draperien im Spiegel der Lesse. Am Ende der Besichtigung geht es über lange Brücken einige Meter über dem Fluss zum Ausgang der Grotte. Dort wird nach alter Tradition ein Böllerschuss abgegeben. Er diente früher dazu, sich den Widerhall des Echos in der Höhle anzuhören, aber vor allem dazu, um die bösen Geister zu vertreiben.

Der Wiederaustritt des Flusses unter diesem majestätischen Gewölbe hat die Menschen seit der Jungsteinzeit fasziniert. Es war ein Pilgerort mit Besuchern aus ganz Europa. Die oftmals wertvollen Gegenstände, die ins Wasser geworfen wurden, zeugen von der Verehrung der Fluss- und Grottengottheiten. Hunderte dieser hier gefundenen Objekte finden sich in der Ausstellung „PrehistoHan“.

Wer sich gerne etwas mehr Bewegung gönnt, kann übrigens auch zu Fuß vom Besucherzentrum zur Grotte gehen. Dabei passiert man den Freizeitpark von Han. Es geht vorbei an Spielplätzen, einem Mini-Bauernhof und der „Verrière“ (Cafeteria und Imbiss). Sehr schön gelegen direkt an der Lesse ist die Brasserie „Le Pavillon“ am Ausgang der Grotten. Der Pavillon verfügt über eine große Terrasse am Ufer der Lesse, wo man das einheimische Bier „Blonde de Han“ und Spezialitäten der Region entspannt genießen kann.

Nicht nur Fans unterirdischer Entdeckungstouren kommen in Han auf ihre Kosten. Im 250 Hektar großen Park auf den umliegenden Hügeln der Grotte fühlen sich Natur- und Tierliebhaber wohl. In dieser unberührten Landschaft haben typische Ardennentiere eine neue Heimat gefunden. Hirsche, Damwild, Wildschweine, auch seltene Steinböcke, Luchse, Bisons, Aasgeier, Braunbären und viele Tiere mehr leben hier.

Am Eingang des Parks stehen die sicheren, speziell ausgerüsteten Safari-Busse für die Besucher bereit. Sie fahren in regelmäßigen kurzen Abständen (je nach Saison) durch den Park, legen immer mal einen Stopp ein, damit man die Tiere aus nächster Nähe beobachten kann.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der „Schlund von Belvaux“ am Tierpark. In dieser Schlucht zeigt die Lesse ein Stück ihres unterirdischen Laufs durch die Tiefen des Bergs. Man kann den Tierpark auch zu Fuß durchqueren. Die Strecke ist fünfeinhalb Kilometer lang. Nach zweieinhalb Kilometern kann man an der Tropfsteinhöhle von Belvaux den Weg zu Fuß fortsetzen oder den Pendelbus nehmen. Er bringt die Besucher zu den Bärengehegen. Von dort erreicht man in nur fünf Minuten das Ende des Fußwegs.

Die Anfahrt nach Han-sur-Lesse lässt den Reisenden die ganze Pracht dieser einzigartigen Ardennenregion erleben. Das Lesse-Tal wird wegen seiner wild-romantischen Schönheit, seiner tollen Kajaktouren und Wandermöglichkeiten geschätzt. In seiner Umgebung liegen prächtige Schlösser wie Lavaux-St.-Anne, reizende Kleinode wie Rochefort und entzückende Naturparks.

Nicht nur in Han gibt es Höhlen, auch im benachbarten Rochefort, in Furfooz und Dinant an der nahen Maas, in die die Lesse mündet. Diese Landschaft ist einfach schön – unter der Erde wie oben.

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