Die Gipfelstation auf 550 Metern über Null

Von: Heiner Schepp
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Am Wochenende haben viele Schneefans die Gelegenheit genutzt, die sich in der Nordeifel seit Jahren nicht mehr ergeben hatte: Skifahren am Kluckhang in Monschau-Rohren. Die Konsequenz ist offensichtlich: Schlangen am Skilift. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Josef Förster zieht die letzte Schraube der Bindung am Ski fest an. „So, bitte schön“, sagt er und reicht die Carving-Ski der blonden jungen Frau über die Theke. „Sagt man in Holland eigentlich auch ‚Hals und Beinbruch‘?“, sagt er, überlegt kurz und belässt es bei einem freundlichen: „Viel Spaß im Schnee!“

Förster, 68, erlebt an diesem Tag, den ersten richtigen Skitag am Lift in Monschau-Rohren seit zwei Jahren. Für ihn heißt das fast Akkordarbeit. „Heute läuft es echt bombig!“, sagt seine Kollegin Anne Stein-Kirch, die sich an diesem Tag um die Kasse kümmert, und Josef Förster murmelt: „Das wurde auch noch mal Zeit.“

Seit kurz vor zehn geben die beiden in der Holzhütte fast pausenlos Ski und Stöcke, Helme und Schuhe, Schlitten und Langlaufbretter raus. „Heute ist alles unterwegs“, sagt Förster und deutet auf die leeren Ständer hinter sich. Je 50 Paar Alpin- und Langlaufski stehen hier normalerweise, dazu zwei große Regale voller Skischuhe in allen Größen, dazu zehn schnelle Rodelschlitten.„Die sind der Hit, die reißen sie uns hier aus den Händen“, sagt Manni Stein.

Der 52-Jährige ist seit drei Jahren Betreiber des Sommer- und Wintersportzentrums Monschau-Rohren und hat seither noch nicht viele Tage wie diesen erlebt. „Winter 2013/14 – null Skitage!“, sagt er. „Karneval 2013, da hatten wir mal eine Woche den großen Lift laufen, das war richtig gut!“

So wie am Samstag des vergangenen Wochenendes. Überall herrscht fröhliches Gewimmel am Rohrener Hang, jetzt, um die Mittagszeit, herrscht vor allem rund um die Skihütte ein regelrechter Belagerungszustand. Auf dem etwas verwitterten Holzmobiliar vor der Hütte sitzen die Gäste mit Pommes, Glühwein oder Weizenbier und blinzeln in die warme Wintersonne. Noch aber zeigt das Thermometer null Grad an, und da sind die Pisten und Hänge noch recht gut befahrbar. „Morgen wird’s eng, da ist Usselwetter gemeldet“, sagt Manni Stein.

Usselwetter, das bedeutet: Die große Abfahrt im unteren Bereich wird nur noch schwer zu fahren sein. Schlecht fürs Geschäft. „Ich denke, dann werde ich die Karte für den großen Lift zum Preis des kleinen anbieten, denn dann sollten nur noch geübte Fahrer die Talabfahrt machen “, sagt Stein. Aus diesem Grunde hatte er den großen Lift auch die ganze vergangene Woche trotz guter Schneelage nicht in Betrieb. „Da waren sowieso nur die Kinder aus dem Dorf und eine Handvoll Touristen hier. Die hätten mir sonst den unteren Teil bis Samstag kaputt gefahren“, sagt Stein.

So aber schleppt an diesem Tag auch der große Lift Skifahrer und Snowboarder von der Talstation die rund 130 Höhenmeter hoch auf den Hügel, der auf rund 550 Metern über Null liegt. Fünf junge Frauen stehen oben am kleinen Hang und albern ein wenig herum, weil ihre Freundin Jenni mit Schuhen und Bindung kämpft. „Das passt schon; als Vorbereitung auf den richtigen Skiurlaub reicht das hier“, sagt Nina aus Hürtgenwald-Vossenack, denn nächste Woche geht‘s ins Allgäu, nach Oberstorf.

An diesem Tag aber sind erst mal zwei, drei Stündchen Wedeln in Rohren angesagt, denn das liegt quasi vor der Haustür für die fünf jungen Frauen aus der Eifel, die überwiegend geübte Fahrerinnen sind und auch die Talabfahrt riskiert haben. „Da unten kommen schon Gras und Steine raus, aber da kann man ja an der Seite fahren“, sagt Gina aus Simmerath-Rurberg, und Jenni und Julia, beide ebenfalls aus Vossenack, pflichten ihr bei.

Eine etwas weitere Anreise hat da schon Familie Dekoninck aus dem belgischen Gent hinter sich. „No snow in Gent, no snow in the heart of Belgium!“, antwortet Papa Julien (29) lachend auf die Frage, ob es denn in der Umgebung keine Wintersportmöglichkeiten gebe. Deshalb habe er letzte Woche einfach mal gegoogelt, wo man in möglichst geringer Entfernung Schnee sehen könne und sei auf Rohren gestoßen. „Die Menschen wollen in den Schnee und suchen in der Eifel danach“, sagt Uschi Regh von Eifel-Tourismus. Das belegen die Zugriffe auf die Winterseiten von eifel.info: Die Klickzahlen sind derzeit bis zu viermal so hoch wie in den Vergleichszeiträumen der vorigen beiden Jahre.

Die siebenköpfige Gruppe aus Gent mit den Kindern Julie-Alix (2), Pierre-Raphael (3) und Anna-Louise (10 Monate) und einem befreundeten Pärchen ist in Simmerath untergebracht. Und der erste Kurzurlaub in der Eifel gefällt den belgischen Gästen richtig gut: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Sommer noch mal nach Monschau kommen, um zu sehen, wie es dann hier aussieht.“ Die Landschaft ist ja wunderschön“, sagt Tine (33), die Mutter der drei jüngsten Rodler hier am Rohrener Kluckhang.

Rodeln geht hier auch bei deutlich weniger Schnee als heute, und so überlegt Manni Stein schon länger, einen Rodellift zu bauen. „Verdienen kann man damit nichts, aber es zieht Leute an, die dann vielleicht wiederkommen, um mit der Sommerbobbahn zu fahren“, sagt Stein. Mit der Sommerbobbahn verdient Stein Geld. Der Skilift ist nur ein kleines Zusatzgeschäft, wenn überhaupt.

„Das war‘s dann wohl auch“

An diesem Samstag aber neigt sich der Skitag dem Ende zu, der Chef persönlich löst für die letzte Stunde am kleinen Lift einen Mitarbeiter ab, weil der zu einem Geburtstag muss. „Das funktioniert gut, auch ganz spontan. Da rufe ich einen Tag vorher an und dann sind meine Leute hier“, sagt Stein. Seine Mitarbeiter sind überwiegend Schüler, Studenten und Rentner aus dem Dorf. So wie Josef Förster. „Wenn der mal aufhört, dann schließen wir den Laden hier“, sagt Stein und lacht. Sein Handy klingelt. Unten, nahe der Talstation, hat sich eine Wanderin den Fuß verknackst. Stein schwingt sich auf seinen Motorschlitten und fährt ins Tal, um die Frau aus dem für Rettungsdienste schwer zugänglichen Gelände in den Ort zu transportieren.

Diese Woche ist die Piste in Rohren „aufgrund von Tauwetter bis auf weiteres geschlossen“, vermeldete die gut gepflegte Internetseite www.sommerbobbahn.de am Montag. „Das war’s dann wohl auch für dieses Jahr“, sagt Manni Stein, die Wochenprognose von eifelwetter.de meldet bis zu zehn Grad über Karneval. „Wenn das so kommt, bin ich Freitag weg“, sagt Stein. Wohin? Na klar: Ski fahren. In die Alpen, da, wo richtig Schnee liegt.

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