Die Geisteswissenschaften suchen nach ihrem Profil

Von: tka
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Aachen. In einem bislang beispiellosen Prozess soll sich die Philosophische Fakultät der RWTH Aachen neu aufstellen. Sofort startet dort ein neues Format zur Profilbildung unter dem Titel „offenes Dekanat“.

Dabei wird die verantwortliche Dekanin der Fakultät, Christine Roll, zehn Tage lang jeweils zwei Stunden ihr Büro öffnen, um die Vorstellungen der Mitarbeiter und Studenten in das neue Profil der Fakultät einfließen zu lassen.

Denn so viel ist klar: Die Philosophische Fakultät – also die Geisteswissenschaften – steht am Scheideweg. Im Rektorat der RWTH gibt es den unmissverständlichen Wunsch, dass sich die Fakultät stärker an den großen Forschungsthemen der Hochschule ausrichten möge – etwa im Diskurs von ethischen Fragen zum Thema Gentechnik. Auf der anderen Seite betont Roll, Professorin des Lehr- und Forschungsgebiets Geschichte der Frühen Neuzeit, die Philosophische Fakultät wolle mit „disziplinärem Stolz“ sichtbar sein. „Wir wollen kein Dienstleister für die technischen Disziplinen sein sondern auf Augenhöhe agieren“, erklärte sie am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung.

Diese Position hat Roll auch in einer Runde deutlich gemacht, die am Mittwoch so erstmals zusammensaß, um über die Zukunft der Fakultät zu sprechen. Die Diskussion mit Rektorat, Hochschulrat, Strategierat, Fakultätsrat sowie altem und neuem Dekanat war im Zuge des mehr oder weniger missglückten Vorstoßes einberufen worden, die Lehramtsstudienfächer Französisch und Spanisch und damit die Romanistik an der RWTH abzuschaffen. Dies war vom Fakultätsrat, in dem auch Mitarbeiter und Studenten vertreten sind, abgelehnt worden. Ob und wie es mit der Romanistik weitergeht – auch das wurde am Mittwoch deutlich – ist aber keineswegs sicher. Bis zum Ende des Wintersemesters muss aber die Entscheidung stehen, ob dann zum nächsten Wintersemester noch Einschreibungen möglich sind. „Das ist innerhalb der Fakultät umstritten. Die Romanistik ist Teil unserer Strategieplanung“, erklärte Roll.

Es ist kein Geheimnis, dass das Rektorat eine Neubesetzung der drei Romanistik-Professuren an anderer Stelle als Chance betrachtet. Interdisziplinäre Kooperationen nach Vorbild des Forschungshauses Humtec sollten ausgebaut werden. Geplant ist etwa ein Zen­trum für Ethik und Wissenschaftstheorie. Dekanin Roll könnte sich aber auch sehr gut vorstellen, dem Master of European Studies einen Frankreich-Schwerpunkt zu geben, womit die Romanisten gefragt wären. Diese Diskussion hat mit dem offenen Dekanat begonnen. „Jetzt muss es aber auch angenommen werden“, sagt Roll.

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