Köln/Aachen - Die Gefahr vom Trödelmarkt: Importramsch

Die Gefahr vom Trödelmarkt: Importramsch

Von: Werner Grosch
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Niedlich, aber gefährlich: Pr
Niedlich, aber gefährlich: Prüfer der Bezirksregierung Köln waren auf Trödelmärkten unterwegs und haben auch in Aachen Billig-Spielwaren beschlagnahmt. Diese Gummibälle beispielsweise sind nicht nur leicht entflammbar, sondern brennen sogar komplett herunter. Foto: Nabil Hanano

Köln/Aachen. Ob der „schwebende Wasserhahn” dekorativ ist - Geschmackssache. Dass er hoch gefährlich werden kann, steht dagegen außer Zweifel. Der Hahn ist undicht, und wenn Wasser in den ebenso undichten, wackligen Fuß tropft, kann es einen heftigen Stromschlag geben.

Das Gerät haben Produktprüfer der Kölner Bezirksregierung auf einem Trödelmarkt entdeckt und sofort beschlagnahmt. Auf insgesamt 20 Märkten waren die Prüfer 2011 unterwegs, bei 15 Veranstaltungen entdeckten sie bedenkliche Waren. Eine Gefahr, die vielen kleinen Händlern und Kunden nicht bewusst ist. Daher will Regierungspräsidentin Gisela Walsken die Sinne der Verbraucher schärfen.

Wer genau hinschaut, erkennt viele Mängel auch als Laie sofort. Ein Roller in Pink, der sogar Musik machen kann, dürfte kleine Mädchen zwar begeistern - Eltern sollten die amateurhaften Schweißnähte und schlechten Materialien erkennen und das Ding stehen lassen. Die Unfallgefahr wäre groß. Das gilt auch für zwei Produkte, die die Fahnder auf Märkten im Aachener Raum fanden. Feuerzeuge zum Beispiel, die wie ein Delfin oder ein Turm aus Bauklötzen gestaltet sind und deshalb von Kleinkindern für Spielzeug gehalten werden. Seit einigen Jahren sind solche Waren mit hoher Verwechslungsgefahr verboten. Genauso wenig erlaubt sind Laserpointer mit mehr als einem Milliwatt Leistung. Ebenfalls bei Aachen gefundene Geräte dieser Art, die sich Kinder für ein paar Euro auch selbst kaufen könnten, hatten die bis zu fünffache Leistung. Schwere Augenschäden bis hin zur Erblindung sind dadurch möglich.

18 Prozent der im vergangenen Jahr untersuchten Produkte wiesen solche „erheblichen” technischen Mängel auf. Die Herkunft der Waren ist meist nicht erkennbar, aber für Produktprüfer Peter Imbusch ist die Antwort trotzdem klar: „Die kommen aus China, da muss man gar nicht drüber diskutieren.” Von dort gelangen die Waren entweder über Importeure oder als Direktbestellung übers Internet nach Deutschland. Die Bezirksregierung will vor allem die großen Importeure und die Hersteller erwischen. „Uns geht es nicht um die kleinen Händler”, sagt Imbusch. Die wüssten oft selbst nicht, was sie da verkaufen.

Die Hinterleute des gefährlichen Geschäfts sind aber nicht leicht zu ermitteln. Walsken will daher vor allem die Kunden für die Gefahren sensibilisieren, um den Herstellern im besten Fall das Geschäft ganz zu verderben. Besucher von Trödelmärkten sollten zunächst auf die Prüfzeichen CE und GS achten. Da die aber nicht selten gefälscht sind, muss man noch genauer hinschauen - oder auch die Nase dran halten. Wer einmal an den knallfarbigen Gummibällen geschnuppert hat, die seit Jahren immer wieder auf Märkten auftauchen, der ahnt, dass das nichts Gutes sein kann. Also: Hände weg!
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