Aachen - Die Gärten, die für den neuen Tivoli verschwinden mussten

Die Gärten, die für den neuen Tivoli verschwinden mussten

Von: Werner Czempas
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Der Garten vom Vereinsvorsitzenden Hubert Coonen ist der schönste und hat die beste Aussicht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Vorbei ist die Zeit der Tränen und der Trauer, der Wut und der juristischen Geplänkel. Eitel Sonnenschein herrscht über der neuen Dauergartenanlage „Groß-Tivoli”. Auch wenn dort hoch oben über dem Tal der Soers gelegentlich der Wind so kräftig pustet, dass die Gartenmöbel um die Blumen- und Gemüsebeete fliegen.

„Groß-Tivoli” feierte mit einer vielhundertköpfigen Gästeschar den Neuanfang mit der Einsegnung der neuen Anlage an der Berensberger Straße am nördlichen Rand der Stadt Aachen.

Genau vor einem Jahr, am 10. Mai 2008, zog ein restgebliebenes Häuflein von 39 teils weinenden Gärtnern, in der alten Heimat an der Krefelder Straße durch die Stadionpläne der Alemannia vertrieben, den Soerser Weg hoch zur neuen Kolonie. Im strömenden Regen war es ein zu Herzen gehendes trauriges Bild. „Wir mussten umziehen in ein uns unbekanntes Land”, erinnerte Vorsitzender Hubert Coonen an jene schwere Zeit, „hier war nichts.”

Nur die schmucken hölzernen Gartenlauben hatte die Stadt finanziert und auf die Parzellen setzen lassen. Nach einem Jahr sind die Kleingärtner „stolz darauf, was wir aus „Groß-Tivoli” gemacht haben, wir haben ein Paradies aufgebaut, es will keiner mehr runter ins Tal, wir fühlen uns wohl”, bekannte Hubert Coonen. Mit Bedacht wohl spricht Coonen vom neuen „Groß-Tivoli Aachen-Berensberg”.

Denn zum Wohlgefühl der Groß-Tivolianer trägt auch das inzwischen herzliche Verhältnis zur engeren und weiteren Nachbarschaft in Berensberg, Rumpen, Richterich und Laurensberg bei. Nach dem Vorurteil, Kleingärtner „grillen, saufen und feiern” (Coonen) hatten die Alteingesessenen die Neuankömmlinge zunächst kritisch beäugt. Doch heute „haben wir bis hin zu den Schützenbruderschaften nur noch Freunde um uns herum, wir sind voll akzeptiert in der Gegend”, freut sich der Vorsitzende.

Und so ist „Groß-Tivoli” in kurzer Zeit zu einer beliebten Pilgerstätte und - noch - zu einer Geheimadresse für Naturfreunde geworden. Durch den Wiesenhang des Gasser Feldes hält der euregionale „Weiße Weg” direkt auf das Lauben-Dorf zu. Die vom Soerser Forum gestiftete Dorf-Linde auf dem kleinen Vorplatz neben dem Kinderspielplatz gedeiht prächtig.

Von der großen, mit taubenblauem Stein gepflasterten und mit modernem Gartenmobiliar bestückten Sonnenterrasse des neuen Vereinsheims (montags Ruhetag!) genießt der Besucher einen beeindruckenden Weitblick über die Soers und Teile der Stadt und den baum- wie wiesenreichen Nordhang des Lousbergs bis hin zum Klinikum und RWTH-Instituten in die Niederlande hinein.

Über Gärten und Panorama schwärmte Oberbürgermeister Jürgen Linden, der sich in „25 bis 30 Verhandlungsrunden” in der schmerzlichen Abwägung „Fußballstadion oder Kleingärtner” insbesondere mit Fachbereichsleiter Edmund Feiter vom städtischen Immobilienmanagement eine gedeihliche Lösung für „Groß-Tivoli” zur Herzensangelegenheit gemacht hatte: „Mit Fug und Recht können wir sagen, Groß-Tivoli ist eine der schönsten Anlagen in Aachen, im Rheinland und in der Bundesrepublik überhaupt. Und wahrscheinlich in Europa”, setzte Linden lachend noch eins drauf.

Die ungeahnte Schönheit des Garten-Paradieses machte den alten Pater Joseph Timmermann sogar „ein wenig betroffen”. Er hatte zur Einsegnung einen passenden Text aus der Genesis gelesen, wonach „alle Pflanzen, Blumen und Bäume zur Freude werden” mögen. Beim „segnenden Spaziergang” aber auf den gepflegten Wegen entlang der blühenden Weißdornbäume und der schmucken Gartenhäuschen mit ihren eleganten Glasveranden blieb er begeistert stehen und bat spontan um ein Vaterunser. Pater Timmermann drückte aus, was viele empfinden, wenn sie zum ersten Mal „Groß-Tivoli” betreten: „Kommen Sie oft nach hier - und freuen Sie sich an der Anlage. Ein einmaliges Bild.”

Hejo Plum, Vorsitzender des Stadtverbandes der Familiengärtner, rühmte denn auch das Hobby aller Kleingärtner als „vernünftige Freizeitgestaltung mit einem hohen Stellenwert für den Umwelt- und Naturschutz”. Für den dreijährigen engagierten Kampf um „Groß-Tivoli” hielten er und sein Stellvertreter Karl Schmetz mit „besonderem Lob und Dank als großartiges Beispiel für andere” hohe Ehrungen parat: „Groß-Tivoli”-Chef Hubert Coonen wurde mit der Großen Goldenen Ehrennadel, sein Stellvertreter Johann Bindels mit der Goldenen Ehrennadel des Stadtverbandes ausgezeichnet.

Zum Ende der Einsegnungsfeier standen die Freunde anderer Dauergartenanlagen förmlich Schlange, um mit einem „Baustein” (im Couvert) zu gratulieren. In der Gratulantenschar stand auch der mit viel Beifall bedachte (Noch-) Alemannia-Präsident Horst Heinrichs.

Seine herzlichen Worte zeigten, wie der lange Kampf um „Groß-Tivoli” eine ganze Stadt aufgewühlt hatte: „Es war für die Alemannia nicht einfach, ein Anliegen zu stellen, das von Ihnen verlangte, Ihre Heimat im Tal zu verlassen. Auch ich war hin- und hergerissen. Ich habe aber immer gehofft, dass das Ganze gut ausgeht. Heute bin ich glücklich und ich freue mich.” Als „Baustein” von den Sportfreunden wird fortan ein Rosenstock, die gelbe Alemannia-Rose, auf „Groß-Tivoli” gedeihen.
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