„Die Euregionale war zu politiklastig”

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Da muss man wohl sagen: Klassenziel verfehlt”, stellte Stephan Baldin von der Aachener Stiftung Kathy Beys, einer der regionalen Akteure bei der Euregionale 2008, fest. Aber was war passiert?

Nicht nur er war überrascht davon, dass 40 Prozent von rund 60 Euregionale-Machern aus der gesamten Region am Freitag bei einer Abstimmung der Auffassung zustimmten „Wir sind noch zu wenig Region mit gemeinsamer Identität und Zielen.”

Weitere 35 Prozent entschieden sich für die Antwortmöglichkeit: „Der Prozess war mehr ein regionales Proporzdenken als inhaltlicher Konsens über regionale Prioritäten”.

Gisela Nacken, Bau- und Umweltdezernentin der Stadt Aachen, bezeichnete das als „enttäuschend, da müssen wir dran arbeiten”.

Und auch Herbert Kemming vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) Dortmund war erstaunt über dieses deutliche Votum. Aber, sagte er, das spiegele die Ambivalenz wider, die das ILS bei der Analyse des Euregionale-Prozesses bei den Beteiligten erlebt habe.

Das ILS erarbeitet im Auftrag der Euregionale-Agentur eine Analyse des im Jahr 2001 gestarteten Planungs- und Umsetzungsprozesses dieses Strukturförderprogrammes, das die Stadt Aachen sowie die Kreise Aachen, Düren und Heinsberg gemeinsam mit belgischen und niederländischen Partnern wie der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien und der Parkstad Limburg und vielen anderen gestemmt haben.

132 Millionen Euro sind in die Euregionale investiert worden, davon 67 Millionen Städtebauförderungsmittel des Landes NRW.

Rund 40 Projekte - vom „Indeland” über die „Grünmetropole”, die Entwicklung von Vogelsang und die „Route Charlemagne” bis hin zu Bildungsprojekten wie dem „Netzwerk außerschulischer Lernorte” und dem Science College Haus Overbach - sind auf den Weg gebracht worden.

„Die positiven Effekte stehen zweifelsohne im Vordergrund”, befand NRW-Städtebauminister Lutz Lienenkämper. Und auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg stellte vor allem die Beispiele gelungener regionaler Kooperation heraus, verhehlte aber nicht, „dass wir uns manches anders gedacht hatten”.

Aus dem Scheitern des Projektes „Bauhaus Europa” etwa, das durch einen Bürgerentscheid zu Fall gebracht wurde, müsse man lernen, „dass wir in Zukunft früher und engagierter Bürgerbeteiligung gestalten müssen”.

Eine Empfehlung, die auch das ISL gibt, das seine „Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen” den Euregionale-Gesellschaftern im Dezember vorlegen wird. In die werden auch die Ergebnisse der Fachtagung in Aachen einfließen.

Und die rund 60 Euregionale-Akteure, die an der Abschlusstagung teilnahmen, zogen selbstkritisch eine durchwachsene Bilanz. Per E-Voting bewerteten sie die Ergebnisse der Euregionale, insbesondere mit Blick auf die Wirkung der regionalen Zusammenarbeit.

Einig waren sie sich weitgehend darin, dass die Euregionale insgesamt ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war und dass die begonnene Kooperation weiterentwickelt werden muss.

Doch die große Mehrheit ist auch der Auffassung, dass die Region noch längst nicht zu einer gemeinsamen Identität gefunden hat und gemeinsame Ziele verfolgt. Und 16 Prozent der Teilnehmer an der Abstimmung vertraten die Auffassung, dass die Euregionale „noch sehr von Kirchtürmen und regionalem Proporzdenken geprägt war”, weitere 64 Prozent sagten, die Euregionale habe sowohl „sehr Gutes als auch Kleinkram hervorgebracht”.

Gleichwohl war auch „gedämpfter Optimismus” zu erkennen, wie es Henk Vos, Chef der Euregionale-Agentur, ausdrückte.

Etwa bei der Einschätzung, ob die neu geschaffenen Trägerstrukturen für Projekte wie Vogelsang, Route Charlemagne, Indeland und Grünmetropole eine dauerhafte Perspektive aufzeigen können: 26 Prozent meinten Ja, ebenfalls 26 Prozent Nein, weil die Projekte von Fördertöpfen abhängig seien, die übrigen äußerten sich abwartend.

Und als positiv wertete es etwa Markus Terodde von der Städteregion, dass zwei Drittel der Befragten es begrüßten, dass die Städteregion und die Parkstad Limburg ihre Kooperation ausbauen wollen.

Denn es sei wichtig, die regionale Kooperation weiterzuentwickeln. Aus den Erfahrungen der Euregionale rät das ISL jedoch dazu, genau hinzuschauen, was wirklich machbar ist und „nicht alles machen zu wollen”. Denn, so Kemming: „Weniger ist manchmal mehr.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert