Monschau - Die Eifel, der Klimawandel, die Zukunft

Die Eifel, der Klimawandel, die Zukunft

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Alles für den Ort: Rudi Hermanns ist seit 1973 Liftbetreiber in Monschau-Rohren. Und solange Rudi Hermanns lebt, wird der Lift weiterlaufen. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. Wenn man Rudi Hermanns fragt, wie denn die Geschäfte so gehen, dann kommt es vor, dass er sagt, „ach ja, könnte besser sein”. Man muss sich nicht gleich Sorgen machen, denn Hermanns gehört zu den Menschen, die ekstatische Begeisterung in Worte wie „ganz gut” fassen.

Rudi Hermanns, 70, steht am Samstag also neben seinem alten Lift in Monschau-Rohren, blickt den schneebedeckten Hang herab, blinzelt etwas, weil die Sonne blendet, sieht ein paar Dutzend Skifahrern dabei zu, wie sie ihm mit geschliffenen Kanten das bisschen Schnee von der Piste kratzen, und sagt: „Ach ja, die Geschäfte könnten besser laufen.”

Mit anderen Worten: Rudi Hermanns kann nicht klagen.

Erst vor kurzem konnte man in den Kölner Zeitungen lesen, dass im Bergischen Land ein Skilift geschlossen wurde, der Besitzer sagte, dass der finanzielle Aufwand sich nicht mehr rechne.

Die Kosten steigen, die Zahl der Schneetage sinkt, viele Lifte laufen nur noch, weil Freiwillige da sind, die den Betrieb aufrechterhalten.

Und der Klimawandel nimmt dem Skitourismus in den Mittelgebirgen jede Perspektive. Die Eifel ist nicht sicher, was das für die Zukunft bedeutet. Drei Eifeler, drei Perspektiven, die erste ist die von Rudi Hermanns.

Hermanns gehört nicht zu den Menschen, die wie der Liftbetreiber im Bergischen Land von „vertretbarem Aufwand” sprechen würden, für Hermanns ist es eher so: Der Lift ist gut fürs Image, fürs Gastgewerbe, für den Tourismus, deshalb braucht Rohren einen Lift.

Also betreibt Hermanns seit 1973 diesen Lift. Erst mit drei Kompagnons, dann nur noch mit zweien, seit 2002 betreibt er ihn allein. Er, seine Frau und ein paar Aushilfskräfte. Hermanns geht es ums Ergebnis, nicht um den Aufwand.

In Rohren, 13 Straßen, 753 Einwohner, gibt es Lift, Loipen und die Rodelbahn, und es gibt auch einen Supermarkt, den Konsum, vielleicht den kleinsten in Deutschland.

Wahrscheinlich nicht der rentabelste, aber es gibt ihn. Weil ein Ort nun mal einen Supermarkt braucht. Findet Rudi Hermanns, der deswegen auch diesen Konsum betreibt.

Rudi Hermanns ist 32 Jahre lang Ortsvorsteher in Rohren gewesen, Mitglied in allen Ortsvereinen, zwischen 1968 und 2004 war er erst im Rat der Gemeinde Rohren, ab 1971 dann im Monschauer Stadtrat.

Hermanns ist mit Ergebnissen gewählt worden, mit denen früher die Regierungschefs bei Staatsratswahlen in der DDR bestätigt wurden. Wenn jemand diesen Ort personifiziert, dann ist es Rudi Hermanns. Er ist in Rohren geboren, er wird in Rohren sterben, und bis dahin läuft der Lift. Das ist der Plan.

Etschenbergs Paradies

„Tja, der Rudi”, sagt Helmut Etschenberg, „es gibt nicht viele Menschen, die sich so mit ihrem Ort identifizieren wie der Rudi.” Helmut Etschenberg, 61, ist Direktor des Kreises Aachen, geboren in Aachen, wohnt in Monschau-Konzen, seit er 1979 Monschaus Stadtdirektor wurde.

Hermanns und Etschenberg sind beide in der CDU, haben beide lange in Monschau Politik gemacht, aber es sind zwei Menschen, wie man sie sich unterschiedlicher kaum denken kann. Hermanns gelernter Schneider, Vereinsmensch, gewohnt, die Dinge selber in die Hand zu nehmen; Etschenberg Kommunalbeamter, Verwaltungsmensch, geübt, für seine Ideen in Ausschüssen und Parlamenten Mehrheiten zu organisieren.

Es ist kaum vorstellbar, dass der Stadtdirektor Etschenberg und der Stadtverordnete Hermanns 14 Jahre lang einvernehmlich zusammengearbeitet haben, aber Etschenberg sagt: Wenn zwei dasselbe Ziel haben, sind unterschiedliche Vorstellungen über den besten Weg dorthin kein Grund, nicht miteinander auszukommen.

Wann immer Zeit ist, geht Helmut Etschenberg in den Ellenbruch, das Gebiet beginnt gleich hinter seinem Haus. Etschenberg geht durch Felder und über Wiesen, entlang alter Hecken und hoher Bäume. Und im Winter, wenn selbst die Mittagssonne tief steht und die Felder weiß sind, kommt es einem vor, als liege Konzen 1000 Kilometer vom Alltag entfernt.

Etschenberg sieht dem Klimawandel gelassener entgegen als viele Touristiker. Wenn es so warm wird, dass es in der Eifel im Winter keinen Schnee mehr gibt, wird es im Sommer so warm werden wie jetzt am Mittelmeer.

Und am Mittelmeer, glaubt er, werden die Menschen sich vor der Sonne schützen müssen. „Von daher leben wir hier in einer Art Paradies”, sagt Etschenberg.

Geht es nach ihm, sind die Eifeler Seen und Maare in Zukunft touristisch das, was heute das Mittelmeer ist. Von Rudi Hermanns´ Lift würde dann niemand mehr sprechen, aber gut, es sind ja auch noch 40, 50, 60 Jahre, bis es soweit ist.

„Tja, der Etschenberg”, sagt Heinz Kerkmann, „das war ein guter Stadtdirektor” Kerkmann, 68, ist wie Etschenberg und Hermanns in der CDU, war im Stadtrat, war 19 Jahre lang Ortsvorsteher von Monschau-Höfen.

Lange bevor Kerkmann Mitte 2008 als Ortsvorsteher zurückgetreten ist, hat mal jemand gesagt: „Wenn der Kerkmann nicht mehr Ortsvorsteher ist, wird Höfen abgeschafft.” Es ist dann doch anders gekommen.

Anfang der 90er sind Kerkmann, Hermanns und Etschenberg sich mal mächtig in die Quere gekommen, und wer glaubt, dass die beiden Ortsvorsteher gegen den damaligen Stadtdirektor den Kürzeren gezogen hätten, der irrt.

Die Stadt Monschau hatte 17 Millionen Mark Schulden. Um die zu tilgen, hatte Stadtdirektor Etschenberg vorgeschlagen, den Stadtwald zu Geld zu machen.

Den Wald, der Kerkmanns und Hermanns´ Vorfahren über Jahrhunderte Arbeit und bescheidenen Wohlstand gesichert hatte.

Kerkmann gründete im Stadtrat die interfraktionelle sogenannte Waldfraktion, Hermanns war auch dabei, zu siebt schafften sie es, den Stadtrat auf ihre Seite zu bringen.

Etschenberg hatte keine Chance, vom Wald wurde nur ein winziges Stück verkauft.

Was für Rohren der Lift ist, ist für Höfen der Wald. Der Nationalpark sorgt für Touristen, wenigstens für Tagestouristen. „Was uns fehlt”, sagt Kerkmann, „das ist ein richtiges Hotel.” Ein großes, in dem Tagungen stattfinden könnten, eines mit modernen Zimmern und zeitgemäßem Komfort.

Kerkmanns Hotel

Es interessiert Kerkmann nicht so sehr, was in 40, 50, 60 Jahren ist. Ihm ist wichtig, dass die Menschen jetzt in Höfen leben können, dazu braucht es Arbeitsplätze, und diese Arbeitsplätze kann eigentlich nur der Tourismus bringen.

Kerkmann hat einen Verein zur Förderung des Ortes gegründet, er baut an Wanderhütten mit, er organisiert Freiwillige, die den Kindergarten renovieren oder das Vereinsheim bauen.

Kerkmann und Hermanns versuchen auf ihre Weise, die Dinge in der Eifel im Gang zu halten. Und wenn am Ende ein Paradies nach Etschenbergs Vorstellungen daraus wird, bitte, dann wird es niemanden geben, der dagegen protestiert.

Selbst wenn von Rudi Hermanns´ Lift dann keine Rede mehr sein wird.

Was passiert, wenn kein Schnee mehr fällt?

Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH, hat sich mit Studien befasst, denen zufolge selbst in der Eifel in 40, 50, 60 Jahren kein Schnee mehr fallen wird.

Da Beschneiungsanlagen teuer sind und für Liftbetreiber in Mittelgebirgen nicht lohnten, sei das Ende des Skitourismus´ in der Eifel absehbar.

Zwar erwirtschaften die Lifte der Eifel nur einenen kleinen Teil des wirtschaftlichen Umsatzes, aber fürs Image, glaubt Schäfer, seien die Lifte immer noch von unschätzbarem Wert. Was passiert also, wenn die Lifte nicht mehr laufen?

Schäfer ist dabei, Konzepte für dieses Szenario zu erarbeiten. In jedem Fall, findet er, müsse man das winterliche Naturerlebnis in der Eifel „in den Vordergrund stellen. Das muss an den Kunden ran”, sagt Schäfer. Er sei dabei, „das Produkt Wandern stärker zu organisieren”.

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