Stolberg-Zweifall - Die besten Schnüffler im Zweifaller Wald

Die besten Schnüffler im Zweifaller Wald

Von: Sarah Sillius
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Auf dem richtigen Weg: Dackeld
Auf dem richtigen Weg: Dackeldame Vicki folgt mit René Roger Kirsch der Schweißspur im Zweifaller Unterholz. Die Richter folgen kurz dahinter. Foto: Sarah Sillius

Stolberg-Zweifall. Wenn René Roger Kirsch seine Tasche packt, dann ahnt Vicki vom Queichtal schon, was sie erwartet. Dann wird sie nervös, läuft unruhig in der Wohnung umher und winselt. Vicki vom Queichtal (4), ist eine Hündin, genauer gesagt eine Rauhaardackeldame - und sie ist eine von 16 Teilnehmern der Bundessuchensiegerprüfung des Deutschen Teckelclubs.

In anderen Zusammenhängen heißt so etwas Deutsche Meisterschaft.

Brav aufgereiht stehen Dackel und Herrchen vor dem Forsthaus im Solchbachtal in Stolberg-Zweifall. Sie sind aus ganz Deutschland angereist. Rund 8000 der 20.000 Mitglieder des Deutschen Teckelklubs sind Jäger und bilden ihre Dackel für die Schweißarbeit, eine der Jagdhund-Disziplinen, aus.

Aus jedem der 17 Landesverbände des Klubs haben sechs bis sieben Mitglieder an der Vorauswahl im Frühjahr teilgenommen. Nur die Gewinner der Qualifikation haben ein Ticket nach Zweifall bekommen. Aus der Region hat es niemand geschafft. Doch die ausrichtende Teckelklub-Gruppe Aachen Dreiländereck ist trotzdem stolz: Die hochrangige Schweißhundeprüfung wird nach 36 Jahren zum ersten Mal von ihnen - in Zweifall - ausgetragen.

Die Aufgabe: Die Dackel müssen einer rund 1000 Meter langen Spur folgen, die 40 Stunden vor dem Wettbewerb mit dem Blut (im Jagdjargon „Schweiß”) eines Wildtieres ausgelegt wurde. Hiermit wird die echte Suche bei der Jagd simuliert, bei der die Schweißhunde verletztes, blutendes Wild aufspüren.

„Hausmeister Krause”

Die Jagdhornbläser stimmen die Schweißhund-Fanfare an, die Dackel winseln und bellen im Chor. Offenbar wissen sie jetzt: Gleich wird es ernst. Die Stimmung ist angespannt - nicht nur unter den Dackeln. Josef Ramacher, Vorsitzender der ausrichtenden Teckelklub-Gruppe Aachen Dreiländereck, teilt die nervösen Gespanne in drei Gruppen ein.

Kirsch ist als Erster dran. Der Mann aus Rheinland-Pfalz ist über die Fernseh-Serienfigur „Hausmeister Krause” und seinen Hund Bodo auf den Dackel gekommen, erzählt er und lacht. Durch den Dackel hat sich Kirsch dann auch für die Jagd begeistert. „Vorher war ich eher jagdkritisch eingestellt”, sagt er. „Inzwischen weiß ich, dass Jagd auch mit Naturschutz zu tun hat.” Mittlerweile ist Kirsch einer der besten Dackelführer des Landes. Zum dritten Mal hat er sich für die Prüfung qualifiziert. Einmal hat er sogar den Titel geholt. Das war 2006 in Brandenburg, damals noch mit einem Kurzhaardackel.

Heute ist Vickis großer Tag. Rund einmal die Woche trainiert sie mit ihrem Herrchen. „Begonnen wird mit den Schweißübungen der Teckel schon einige Wochen nach der Geburt”, sagt Ramacher. Erst übernehme das der Züchter, später das Herrchen. Mit einer kurzen, frisch ausgelegten Strecke geht es los, dann wird der Schwierigkeitsgrad langsam gesteigert - bis hin zur höchsten Stufe wie in Zweifall.

Nach einer kurzen Orientierungsphase am Startpunkt der Route hat sich Vicki warm geschnüffelt. Kirsch hält sie an der Leine und geht ihr nach. In 30 Meter Abstand folgen Gruppenleiterin und das dreiköpfige Richterteam. Zehn Meter weiter dahinter rückt die Zuschauergruppe nach. Nur ausgewählte Personen nimmt Ramacher mit. Da ist der Vorsitzende streng.

„Das ist keine Kirmesveranstaltung, sondern eine hochrangige Prüfung.” Und die könne keine Ablenkung vertragen. Hin und wieder muss Ramacher den aufgeregten Zuschauer Gerhard Seibel bremsen, der am liebsten direkt neben Vicki laufen würde. Seibel ist der Züchter der Dackelhündin, also ein bisschen wie ihr Papa, und er ist ein enger Freund des Hundeführers.

GPS-Gerät zeigt die Fährte

Ramacher blickt auf sein GPS-Gerät. Das zeigt ihm an, ob Vicki auf der Fährte läuft. Er nickt. Vicki hat den richtigen Riecher. Nach zehn Minuten hat sie das erste von drei Wundbetten entdeckt. „Die Wundbetten simulieren eine echte Jagdsituation”, erklärt Ramacher. Spuren von Haaren deuten an, dass sich hier ein angeschossenes Wildtier niedergelegt haben könnte und dann weitergezogen ist. „Diese Stellen sind für den Hund eine Bestätigung dafür, dass er richtig ist.”

Doch kurz hinter dem Wundbett hat Vicki die Orientierung verloren. Sie entfernt sich von der Route. Die Richter halten den Atem an. Sie ahnen, wo die Schwierigkeit liegt. An der kritischen Stelle weht der Wind und lenkt vom Schweißgeruch ab. Entfernt sich der Dackel 75 Meter von der Route, müssten die Richter das Gespann verwarnen - einen Abruf geben. Bei drei Abrufen wäre das Gespann durchgefallen.

Nicht aber Kirsch und Vicki. Die Dackeldame hat die Spur wieder aufgenommen. Zielsicher leitet sie ihr Herrchen über Stock und Stein. Auf dem Weg, der querfeldein durch den Zweifaller Wald führt, lässt Kirsch kurze blaue Bänder fallen - für den Fall, dass Vicki die Spur verliert und zurück muss. „Eine zulässige Methode”, sagt Ramacher. „Die Bänder verwittern.” Vicki entdeckt auch die Wundbetten zwei und drei. „Es ist nicht mehr weit bis zum Ziel”, sagt Ramacher.

Vicki hat den besten Riecher

Seibel schickt ein Stoßgebet zum Himmel. Nicht ohne Grund. Auf den letzten Metern erwartet Vicki der Härtetest. Frische Spuren von Rot-, Schwarz-, Rehwild und Fuchs lenken von der Schweißspur ab. Doch die Dackeldame lässt sich nicht beirren. Da, endlich, liegt das Fell. Die Wilddecke markiert das Ziel der Schweißroute. Das Jagdhorn ertönt, Kirsch wird von den Richtern mit „Waidmannsheil” beglückwünscht.

„Heute darf Vicki im Bettchen schlafen, da muss meine Frau auf die Couch”, scherzt er. „Aber jetzt kriegt sie erst mal ihre wohlverdiente Bratwurst.” Vicki hechelt. Noch ahnt sie nicht, dass sie am Abend mit ihrem Herrchen als Siegerin des Wettbewerbs gekürt werden und als Dackeldame mit dem besten Riecher Zweifall verlassen wird.
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