Die Batterie der „Solar Impulse“ kommt aus Aachen

Von: sim
Letzte Aktualisierung:
12595800.jpg
Stefan Gehrmanns Aachener Firma Air Energy entwickelte die Batteriesteuerung von „SI2“, Foto: dpa

Aachen. Know-how aus Aachen flog mit um die Welt: Stefan Gehrmann (60), Luft- und Raumfahrtingenieur der RWTH, hat mit seiner Firma Air Energy in der ehemaligen Briefsortieranlage der Post am Aachener Hauptbahnhof die Batteriesteuerung des Sonnenfliegers „Solar Impulse“ entwickelt, der gerade die Welt umrundet hat.

Gebaut wurden die vier hocheffizienten Ener­gie­spei­cher (300 Volt, insgesamt 640 Kilogramm schwer) vom südkoreanischen Batteriehersteller Kokam. Auch er und sein Team hatten am Dienstag also Grund zum Feiern. Wir haben mit Stefan Gehrmann gesprochen

Guten Tag, Herr Gehrmann! Wo erreichen wir Sie?

Gehrmann: Ich bin derzeit im Urlaub am Bodensee und komme gerade von einer Radtour.

In der Stunde des Triumphes sind Sie nicht in Abu Dhabi dabei?

Gehrmann: Es war in erster Linie das Projekt von Bertrand Piccard und André Borschberg. Da waren die Zulieferer heute nicht gefragt.

Es hat also nichts damit zu tun, dass sich vielleicht durch die neunmonatige Zwangspause im vergangenen Jahr das Klima im Team verschlechtert hätte?

Gehrmann: Es war ein Zusammentreffen ungünstiger Umstände, die damals zur Überhitzung der Batterien geführt haben. So hat man zum Beispiel die Simulationsrechnungen zu „kalt“ gemacht. Es war am Ende einfach nicht mehr klar, ob die Batterien noch 100 Prozent Leistung hatten, und dieses Risiko wollte man nicht eingehen und hat dann lieber neue Batterien gebaut. Mittlerweile sind sie wieder in Deutschland, wir haben sie getestet – sie waren noch bei 97 Prozent.

Acht Jahre Forschung und Entwicklung klingen nicht nach einer Lösung, die man eben mal so aus dem Ärmel schüttelt. Hat es Momente gegeben, wo Sie am Erfolg der Mission gezweifelt haben?

Gehrmann: Eigentlich hatte ich da keine Zweifel. Für uns war es eher das Problem, das zeitlich in den Griff zu kriegen, und die zum Teil geänderten Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen.

Was bleibt Ihrer Firma von „Solar Impulse 2“ für einen eventuellen Massenmarkt und die Nutzung im Alltag?

Gehrmann: Wir sind eine kleine Entwicklungsfirma, die mit dem Massenmarkt nichts zu tun hat. Wir wollen weiterhin an der vordersten Front mit neuesten und ausgereiftesten Batterien und Kleinserien an den Markt gehen. Den Massenmarkt bedienen andere. Da können und da wollen wir auch nicht mithalten. Wir sehen unseren Platz in der Vorentwicklung, aber nicht in der Massenfertigung. Unser Ziel ist, zum ersten Mal eine Batterie zu bauen, die so gut ist, dass man sie vielleicht in fünf Jahren in Serie bauen kann.

In welchem Museum wird man SI2 künftig sehen können?

Gehrmann: Es ist noch unklar, was mit dem Flieger passiert, ob er vielleicht noch einmal genutzt wird. Es wird viel andiskutiert.

Heute ist ein großes Abenteuer zu Ende gegangen. Haben Sie schon ein neues in Angriff genommen?

Gehrmann: Nein, und in dieser Form wird es wohl auch einmalig bleiben. Solch ein Projekt wird es zu meiner aktiven Zeit nicht mehr geben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert