Die Bafög-Lücke im Studium soll geschlossen werden

Von: Thorsten Karbach
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Geldbeutel Studentenausweis
Ein Finanzloch droht beim Wechsel vom Bachelor- zum Masterstudiengang. Foto: dpa

Aachen. Wer seinen Bachelor in der Tasche hat, soll nicht mit dem Loch in der Geldbörse leben müssen. Mit der sogenannten Bologna-Erklärung 1999 wurde das deutsche Studiensystem von Magister- und Diplom-Abschlüssen auf Bachelor und Master umgestellt, so wie es überall auf der Welt Standard ist. Die Ausbildungsförderung Bafög dagegen wurde nie auf dieses System angepasst.

Studierende erhalten bis zu ihrer letzten Bachelorprüfung Geld von Vater Staat und müssen dann für ihr Masterstudium einen neuen Antrag stellen. Nicht immer ist der Übergang fließend, bis die Noten vorliegen, kann das Master-Bafög nicht beantragt werden, es gibt Fälle, da müssen Studierende mit einer mehrmonatigen Bafögunterbrechung leben, obwohl sie zweifellos einen Anspruch auf die Ausbildungsförderung haben.

Dieses Dilemma und weitere Baustellen in Sachen Bafög will NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in Berlin auf die Tagesordnung bringen. „Ich mache mich seit langem mit anderen Bundesländern für ein modernes Bafög stark: Das System muss flexibler werden und auf Studierende mit vielfältigem Bildungsbiographien besser reagieren“, erklärt Schulze auf Anfrage und fügt hinzu: „Das gilt für den Übergang Bachelor zum Master ebenso wie für Teilzeitstudierende. Insofern bin ich gespannt, welche konkreten Taten und Finanzierungsvorschläge Ministerin Wanka jetzt ihrer Ankündigung folgen lässt.“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hatte erklärt, sich der Ausbildungsförderung annehmen zu wollen. „Flexibilität steht auch heute und in Zukunft ganz oben auf der Agenda“, schreibt sie im Vorwort eines neuen Leitfadens zur Ausbildungsförderung. Entsprechende Vorschläge werden erarbeitet.

Baustelle Bafög: Das Aachener Studentenwerk, zuständig für die Aachener Hochschulen, also vor allem die RWTH und die FH, zählte 2012 10396 Bafög-Anträge. Davon wurden 9451 bewilligt. Die Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor. Es zeichnet sich aber ab, dass die Zahl der Antragssteller im Rekord-Wintersemester 2013 noch weiter gestiegen ist.

Eine Unterscheidung zwischen Bachelor- und Masterstudenten gibt es aber grundsätzlich nicht. Sie wird statistisch nicht erfasst. Insofern lässt sich nicht genau feststellen, wie viele Studierende letztlich am Übergang vom Bachelor zum Master – in Bezug auf Bafög ein sogenannter neuer Ausbildungsabschnitt, der mittels des üblichen Wiederholungsantrages gestellt werden kann - mit den Problemen leben müssen.

Fakt ist aber, dass der Master heutzutage Einstiegsvoraussetzung für die meisten Berufe ist. „Um Finanzierungslücken zu vermeiden, sollte ein Antrag möglichst frühzeitig gestellt werden.  Am besten schon zwei bis drei Monate vor Ablauf des Bewilligungszeitraums“, erklärt der Sprecher des Aachener Studentenwerks Dietmar Spingys. Ist dies nicht der Fall könne sich das Bewilligungsverfahren „in einzelnen Fällen leider in die Länge ziehen“. Wobei nicht allen Studierenden die Noten der Bachelorprüfung zwei bis drei Monate vor dem Start des Masterstudiums vorliegen…

Und es ist nicht allein die Förderlücke, die Studierenden zu schaffen macht: Die Förderung der Bachelorstudenten ist ohnehin auf die Regelstudienzeit beschränkt. Wer länger braucht, bekommt kein Geld mehr, wenn er nicht einen guten Grund hat – am besten ein ärztliches Attest. Kilian Gobiet, Bafög-Experte beim AStA der RWTH Aachen, also der Studierendenvertretung der Hochschule, berichtet von einer schwierigen Situation: „Nicht selten werden wir gefragt: Was für ein Attest muss der Arzt mir schreiben? Die Regelstudienzeit reicht bei ihnen nicht aus und ein Semester im Krankenstand verlängert da die Anspruchszeit.“

Ohnehin ausgeschlossen vom Bafög ist damit auch ein Studium in Teilzeit und damit auch die Förderung von Studierenden mit kleinen Kindern, die vielleicht nur ein, zwei oder drei Tage und damit in Teilzeit die Hochschule besuchen können. Auch ihnen will Ministerin Schulze mit ihrer Initiative den Weg zum Bafög frei machen. Geld dafür liegt zum Beispiel bei Deutschlandstipendium, das die SPD jüngst im Bundestag in Frage stellte, nachdem bekannt wurde dass gerade einmal 60 Prozent der Bundesmittel zwischen 2010 und 2012 den Studierenden in Form von Stipendien zugute kamen, während knapp 40 Prozent auf Verwaltungskosten verfielen. Auch der Bundesrechnungshof hatte das scharf kritisiert. 2012 erhielten dabei rund 0,6 Prozent der Studierenden in Deutschland jeweils monatlich 300 Euro Förderung. Kritiker sehen das Geld beim Bafög besser aufgehoben.

Das Studentenwerk Aachen sieht aber noch einen weiteren wichtigen Punkt in Sachen Bafög-Reform. „Notwendig ist eine überfällige Erhöhung. Freibeträge und Bedarfssätze müssen dringend erhöht werden“, erklärt Sprecher Dietmar Spingys. Das Deutsche Studentenwerk als Dachverband der Studentenwerke appelliert seit Jahren an Bund und Länder, sich schnell auf eine Erhöhung zu verständigen.

Im Schnitt erhält ein förderungsberechtigter Student heute 448 Euro monatlich. 2011 waren dies 452 Euro. Mit 630.000 Geförderten wird derzeit der höchste Stand seit 30 Jahren erreicht. Entsprechend sind die Bafög-Gesamtausgaben des Staates zwischen 2010 und 2012 von 2,84 Milliarden Euro auf 3,34 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. Das Bafög wird zu 65 Prozent vom Bund, zu 35 Prozent von den Ländern bezahlt.

Immerhin: Seit dem 15. Januar ist es möglich, online einen Bafög-Antrag zu stellen. Ein Schritt, denn das Studentenwerk Aachen ausdrücklich lobt. „Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung des Antragsverfahrens geschaffen“, erklärt Spingys.

Eigentlich wurde er viel zu spät gegangen, Studierende bewegen sich bei Bankgeschäften oder Hochschulübungen seit Jahren mühelos durch das Netz. Der AStA der Fachhochschule Aachen bietet sogar Beratung mittels Skype vom heimischen Rechner aus an. Und dort stellen, so Referentin Martha Wingen, die Experten vor allem eines fest: „Es gibt ganz viel Beratungsbedarf.“

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