Maastricht - Die andere Seite Maastrichts: Der Stadtteil Wyck

Die andere Seite Maastrichts: Der Stadtteil Wyck

Von: Rolf Minderjahn
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Die Mariensäule und das Grand Hotel de L’Empereur. Auch die verleihen Wyck etwas Besonderes. Foto: Rolf Minderjahn
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Schon seit mehr als 20 Jahren prägt das Bonnefantenmuseum die Wycker Seite. Foto: Imago/Imagebroker
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Hier in der Rechtstraat geht es noch gemächlich zu. Foto: Rolf Minderjahn

Maastricht. Mit Maastricht verbindet der Tagestourist vor allem das Zentrum rund um das Rathaus links der Maas. Weniger bekannt als Maastricht-City, aber genauso reizvoll ist das Quartier Wyck auf der rechten Maasseite. Direkt nebenan ist das Bonnefantenmuseum für alte und zeitgenössische Kunst der Provinz Limburg seit 1995 ein Wahrzeichen der Stadt.

Der italienische Architekt Aldo Rossi hat sich mit seinem Entwurf auch dort verewigt. Vor dem Eingang des Bonnefantenmuseums verläuft die Avenue Céramique durch das gleichnamige Viertel.

Das Céramique ist eine der bevorzugten Wohngegenden – direkt am Fluss. Es trägt die Handschrift des Architekten und Stadtplaners Joe Coenen aus Heerlen. „Der Name Céramique ist eine Reminiszenz an die große Tradition der Keramikherstellung in der Stadt, für die vor allem die Unternehmen Société Céramique und Sphinx stehen, die hier ihre Firmengelände hatten“, sagt Stadtführerin Viviane Pinckaers. „Auch der dominierende rote Ziegelstein in den modernen Gebäuden soll daran erinnern.“ Ein Spaziergang hinter dem Museum führt zum Charles-Eyck-Park, vorbei am Bonnefantenmuseum, das einen besonderen Akzent am Ufer der Maas setzt.

Die eckige Blockarchitektur kommt in der vom Schweizer Luigi Snozzi konzipierten „Stoa“-Wohnanlage besonders zum Ausdruck. Man schlendert am Ufer der Maas durch den Charles-Eyck-Park an ihr vorbei.

Am Ende der Avenue Céramique steht das Gouvernement, der Sitz der limburgischen Provinzregierung und Schauplatz der Unterzeichnung des Gründungsvertrags zur Europäischen Union 1992. Das Bonnefantenmuseum ist ein Museum für alte und zeitgenössische Kunst. Eine Treppenstraße führt zu den Ausstellungsräumen. Zweifellos bildet die Kuppel den Eyecatcher und ein markantes Abbild in der Maastrichter Skyline. Im Erdgeschoss befinden sich der Museumsshop und das Café Ipanema.

Unübersehbar ist die rote „Fortezza“ des Planers Mario Botta: eine runde Wohnburg. Das Zentrum des Viertels schlägt am „Plein 1992“, dessen Name ebenfalls an das Datum des „Vertrags von Maastricht“ erinnert. Von der Avenue Céramique gehen Treppenstufen zum „Plein 1992“ hinauf, dem Herz des Viertels. Linker Hand steht das Gebäude des „Centre Céramique“ mit seinen markanten schlanken Säulen. Hier sind unter anderem die Stadtbibliothek und eine internationale Journalistenschule untergebracht. Eine Dauerausstellung beherbergt die einzigartige Sammlung Maastrichter Keramik, darunter eine 35 Meter lange Vitrine mit den Objekten der berühmten Sphinx-Manufaktur.

Vom „Plein 1992“ gelangt man auf die „Hoge Brug“, die sich schwungvoll über die Maas beugt und in die Altstadt führt. Einen interessanten Kontrast bietet die „Bordenhal“, heute ein Theater, früher Fabrikhalle der Keramikindustrie. Das Céramique grenzt an das alte Viertel Wyck rund um den Bahnhof.

Urgemütlich

Die verströmenden Straßen halten manches Kleinod bereit – wie etwa das Sint Gilleshofje an der Hoogbrugstraat 37. In den kleinen Restaurants und Traiteur-Feinkostläden sind die Versuchungen groß; die Auslagen schmeicheln Augen und Gaumen gleichermaßen. In der Wycker Rechtstraat geht es noch gemächlich zu. „Die Einheimischen sind hier oft noch unter sich“, sagt Viviane Pinckaers. „Und so manches Lieblingsrestaurant der Maastrichter findet man hier.“

Am Ende der Rechtstraat biegt man links (oder rechts) in die Wycker Brug-straat ein, die von der Sint Servaasbrug zum Bahnhof verläuft. Von dort geht es links vor der Brücke zurück an das Maasufer auf den Stenenwal, der bis zum Plein 1992 zurückführt. Direkt daneben befindet sich das Waterpoortje, ein Überrest der alten Befestigungsanlagen. „Einst kamen hier die Schiffe mit Steinen zum Bau der Aachener Pfalzkapelle“, sagt Viviane Pinckaers.

Im alten Stadtviertel Maastrichts findet man sie wieder – die „Grandeur“ vergangener Zeiten. Beim Flanieren in Wyck fällt der Blick nicht nur auf die architektonische Vielfalt der prächtigen Gebäude, sondern auch auf fesche Boutiquen, Foodläden, stylische Bistrots, Kunstgalerien, internationale Restaurants und Edelmarken. Hier schaltet man automatisch einen Gang zurück, alles geht etwas gemächlicher zu als in der vibrierenden City. Man kann nach Herzenslust in kleinen und originellen Läden stöbern.

Gegenüber vom Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1914, das ein schönes Beispiel holländischer Neorenaissance darstellt, erblickt man die Fassade des Grand Hotel de l’Empereur (Stationsstraat 2). Das eklektische Gebäude mit seinem markanten runden Eckturm, der Jugendstilornamentik und der auffälligen Balkonführung stammt aus dem Jahr 1902. Das nostalgische Gebäude mit seinen großen Bleiglasfenstern und den charakteristischen, authentischen Markisen ist seit über 100 Jahren ein beliebter „place to be“.

Ein Paradebeispiel für die traditionelle Architektur ist die Wilhelminasingel, die die Stationsstraat kreuzt. Auf der Kreuzung steht die Mariensäule, zu deren Füßen vier Maastrichter Bischöfe – St. Servaas, St. Lambertus, St. Monulphus und St. Hubertus – dargestellt sind. Die Wilhelminasingel ist ein Boulevard beeindruckender Fassaden.

Die auf die Säule zulaufende Stationsstraat glänzt vor allem auf der rechten Seite mit wunderschönen weiß getünchten dreigeschossigen Stadthäusern, mit Balustraden und verzierten Balkonen. An den Nummer 28-32 liegt die „Brasserie Flo Maastricht“, die pariserischste aller Brasserien, sie wurde nach dem Vorbild ihrer gleichnamigen berühmten Belle-Époque-Schwestern in der französischen Hauptstadt errichtet. Im hippen Ambiente dieses sehr großen Restaurants wird man immer einen Platz bekommen. Geht man die Stationsstraat weiter in Richtung Maasufer, so wird das Viertel zu einer Bühne der Lebensfreude.

Kleine Einschränkung bis weit ins nächste Jahr hinein: Vor dem Bahnhof entsteht gerade ein unterirdisches Parkhaus für Fahrräder. Denn auch das ist typisch für Maastricht: Der Bahnhofsvorplatz wimmelt nur so von Rädern. Und die sollen zum Teil unter der Erde verschwinden – dem schönen Wycker Stadtteilbild zuliebe.

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