„Diamanten” aus reinem Glas

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Ein Profi-Musiker und ehemaliger Produzent türkischer Volksmusik hat vorerst keine Gelegenheit mehr, orientalische Klänge anzuschlagen.

Ahmet Ozcan E. (55), Vater dreier Kinder, sitzt seit April dieses Jahres im Gefängnis und muss sich seit Dienstag vor der 8. Großen Hilfsstrafkammer am ­Aachener Landgericht wegen gewerbsmäßigen Betruges und schwerer räuberischer Erpressung in mehr als 50 Fällen verantworten.

750.000 Euro Schaden

Satte 750.000 Euro sollen von ihm und seinen Helfershelfern zwischen Mitte der 90er Jahre bis Juni 2007 ergaunert worden sein. Betrogen wurden in ganz Deutschland lebende Landsleute.

Erst im Januar 2011 war E. in Amsterdam festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft beschrieb die typische Masche, mit der E. vorging: Er reiste durch Deutschland und besuchte unter einem Vorwand türkische Geschäftsleute, Händler, Wirte oder sonstige Kleinunternehmer. E. stellte sich als betuchter Juwelier vor und errang durch seine freundliche Art ihr Vertrauen. Dann, nach einiger Zeit, tauchte inkognito ein Komplize auf und bot den Geschäftsleuten vermeintliche Diamanten günstig an. Da traf es sich dann gut, dass gerader ein „Fachmann” an der Theke oder im Geschäft stand, der die teuren Stücke ansah und für echt befand.

Die Geköderten haben offenbar eifrig zugegriffen. So soll der Sohn eines Uhrmachers aus Istanbul beispielsweise 2003 in Aachen 7000 Euro ergaunert haben. Wenig später in Kehl bei Straßburg kamen die Gauner auf 30.000 Euro, 2006 in Augsburg waren es dann 15.000 Euro.

Stattliche Summen von 70.000 oder 80.000 Euro, immer in bar, waren darunter, die Landsleute seien absolut vertrauensselig gewesen. Die Diamanten entpuppten sich bei näherem Hinsehen aber als Glitzerperlen aus Glas. Noch kurz vor der Festnahme in Amsterdam im Januar soll er nahe Bonn einen weiteren Coup gelandet haben, der noch nicht in der Anklage enthalten ist: Wieder wurden 30.000 Euro für ein Säckchen Glasperlen bezahlt.

Untypisch dagegen im Jahr 2007 der Raub von Schmuck mit vorgehaltener Pistole und der betrügerische Erwerb eines Mercedes im Wert von 23.000 Euro.

Der Prozess unter Vorsitz von Richter Klaus Fritz wird am Freitag fortgesetzt.
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