Dialogkultur: Meinungsmache statt Debatte? Das muss nicht sein!

Von: Marie Eckert
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Der Förderverein „Aachen Fenster“ lud zur Diskussion in der Citykirche in Aachen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Medienlandschaft befindet sich im Umbruch. Das ist kein Geheimnis, jeder hat es in irgendeiner Form schon mitbekommen. Das Zauberwort lautet Digitalisierung! Wuttiraden, gezielte Desinformation und Skandalisierung in Sozialen Netzwerken verleihen der Digitalisierung einen bitteren Beigeschmack, sagt der Förderverein „Aachen Fenster“.

Unter dem Titel „Meinungsmache statt Debatte! Bürgerdialog im digitalen Wandel“ hatte der Verein zur Diskussion in der Citykirche eingeladen: Wie könnten in einer digitalisierten Medienwelt Bürgerdialoge aussehen?

Gastsprecher war David Ehl, Journalist der Initiative „perspective daily“. Das Konzept: Ein Artikel mit Tiefgang pro Tag, eine weniger negative Berichterstattung, keine Schwarz-Weiß-Betrachtung. Ein konstruktives Journalismusprojekt, online, aber trotzdem mit einer angemessenen Diskussionskultur im eigenen Forum, unverzerrt, immer orientiert an der Frage, wie es besser werden kann.

Keine Reizüberflutung, keine Nachrichtenflut – damit hat das Projekt aber gleichzeitig nichts mit Tageszeitungen zu tun, wie Lucy Zalas vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung der RWTH Aachen feststellte.

Reden heutzutage vielleicht einfach zu viele Menschen mit? Jens Runkehl vom Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft am Lehrstuhl für Deutsche Philologie der RWTH Aachen meinte dazu: „Früher gab es ein Pressegespräch, das anschließend durch die analogen Medien veröffentlich wurde. Heute wird kommentiert, geliked und eingeordnet.“

Er plädierte dafür, gleichermaßen Online- und Offline-Möglichkeiten zur Willensbildung zu nutzen. Den Online-Kommentaren gegensteuern könne man laut Christian Scholz aus der Aachener Bloggerszene mit einem „Dialog mit den Bürgern“.

Aber wie soll der aussehen? Scholz nannte als Beispiel für gelungene Bürgerbeteiligung den Euregio Radschnellweg. In zwei Schritten wurden die Bürger in die Planung integriert, konnten Strecken vorschlagen und Kritik loswerden. Zalas stellte fest, dass die Bürger oft erst wach würden, wenn „das große Ganze“ beschlossen sei.

Thomas Thelen, stellvertretender Chefredakteur dieser Zeitung, sagte, dass Journalisten möglicherweise immer noch zu weit entfernt seien von den Lebenswirklichkeiten der Menschen. „Wir müssen uns noch mehr der Frage zuwenden, was die Menschen umtreibt.“ Neue technische Möglichkeiten böten enorme Chancen, die Bürger stärker ins Boot zu holen.

Hier knüpfte Christa Reicher, Lehrstuhl für Städtebau und Bauleitplanung an der Universität Dortmund und Vorsitzende des Architektenbeirates der Stadt Aachen, an. „Es ist mitunter schwer, den Menschen die positiven Seiten eines Projekts deutlich zu machen, sie zu begeistern. Vielleicht kann uns die Digitalisierung künftig eine Hilfe sein.“ Bilal Abedin, Aachener Rechtsanwalt für Medienrecht, erinnerte daran, dass die informierte Mitgestaltung durch die Bürger der Inbegriff jeder demokratischen Gesellschaft sei.

Auf die Gefahren einer zunehmenden Vereinfachung von Informationsvermittlung verwies Andreas Düspohl, Leiter des Aachener Zeitungsmuseums: „Die digitale Revolution führt zu ungeahnten Möglichkeiten, die Kommunikationswelt zu erweitern und zu demokratisieren. Sie birgt aber auch die Gefahr, Diskurse zu banalisieren und zu emotionalisieren.“

Alles in allem eine spannende Diskussion, die man, so Gastgeber Hans-Dieter Collinet (Förderverein „Aachen Fenster“), unendlich weiterführen könnte. Moderator war Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen.

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