Deutschen Musikautorenpreis: Anno Schreier nominiert

Von: Eckhard Hoog
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Der Komponist am Klavier: Anno Schreier, der in Aachen geboren wurde. Ob er am 30. März den Deutschen Musikautorenpreis bekommt? Foto: Andreas Herrmann
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Hat einige Projekte für dieses Haus und sein Sinfonieorchester gemacht: Anno Schreier vor dem Theater Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Region. Die Gema in Berlin verleiht am 30. März zum neunten Mal den Deutschen Musikautorenpreis an herausragende Komponisten und Textdichter. Eine siebenköpfige Fachjury hat die Nominierten ermittelt. Zu den Nominierten in der Kategorie „Komposition Musik für Musiktheater“ gehört der 1979 in Aachen geborene Komponist und heute in Karlsruhe lebende Anno Schreier.

Er studierte ab Ende der 90er Jahre bei Manfred Trojahn an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf Komposition. Hinzu kamen Studienaufenthalte in London, München und Rom. Bereits 2014 war er in der Kategorie „Nachwuchsförderung“ für den Deutschen Musikautorenpreis nominiert.

Nach ersten Arbeiten wie „Kein Ort. Nirgends“ (2006) nach Christa Wolf oder dem szenischen Liederzyklus „Wunderhorn“ (2008) kam Anno Schreiers Oper „Die Stadt der Blinden“ nach José Saramago 2011 in Zürich zur Uraufführung. 2012 folgte die Kammeroper „Mörder Kaspar Brand“ an der Deutschen Oper am Rhein, 2013 der Songzyklus „Wunderland“ am Mainfranken Theater Würzburg und die Märchenoper „Prinzessin im Eis“ am Theater Aachen. Zur Spielzeiteröffnung 2016/17 wurde seine Oper „Hamlet“ am Theater an der Wien in der Inszenierung von Christof Loy uraufgeführt und von Publikum und Presse gefeiert. Wir sprachen mit Anno Schreier.

Sie haben schon viele bedeutende Preise bekommen. Was bedeutet Ihnen die Nominierung zum Musikautorenpreis?

Schreier: So eine Nominierung ist natürlich immer schön, weil es eine Art Anerkennung ist.

Gab es in Ihrer Jugend so etwas wie ein Schlüsselerlebnis dafür, dass Sie unbedingt Komponist werden wollten?

Schreier: Ja, aber es gab nicht ein einziges Erlebnis, wonach ich dann sofort Komponist werden wollte. Das hat sich mit der Zeit entwickelt. Ich war natürlich als Kind oft in Aachen in Konzerten und in der Oper, auch in Köln. Ich war neun, zehn Jahre alt, als ich begann, mich mit Musik zu beschäftigen. Da habe ich mit dem Klavierspielen angefangen. Und ich hatte gleich von Anfang an den Wunsch, selbst etwas zu schreiben.

Sie sind in Aachen zur Schule gegangen?

Schreier: Nein, ich bin in Monschau aufgewachsen. Meine Eltern haben noch näher an Aachen gewohnt, als ich geboren wurde. Als ich ein halbes Jahr alt war, sind sie nach Monschau gezogen.

Sind Sie mit Ihrer musikalischen Ader elterlich vorbelastet?

Schreier: Nicht in dem Sinne, dass meine Eltern mit Musik zu tun haben, aber sie sind beide sehr musikinteressiert. Bei uns zu Hause lief eigentlich ständig Musik. Mit dem Musizieren habe ich dann angefangen.

Haben Sie heute noch eine besondere Beziehung zur Monschauer und Aachener Gegend?

Schreier: Ja klar. Meine Eltern leben noch in Monschau, ich bin öfter da. Außerdem habe ich ja in den letzten Jahren einige Projekte in Aachen gemacht.

Das waren Arbeiten fürs Theater, aber auch fürs Sinfonieorchester.

Schreier: Genau.

Welche Arbeit war dabei Ihre liebste?

Schreier: Das kann man so nicht sagen. Die größte, die wichtigste war sicher „Prinzessin im Eis“, die Oper, die ich im Auftrag des Theaters Aachen komponiert habe und die Ende 2013 dort gespielt wurde. Da habe ich sehr viele positive Rückmeldungen bekommen.

Das war ein außerordentlicher Erfolg. Was war das Geheimnis?

Schreier: Das weiß ich auch nicht. Ob etwas Erfolg hat oder nicht, das kann man nicht vorherplanen. Das sind ja so viele Faktoren mit im Spiel, die man selber nicht kontrollieren kann. Aber ich denke, in dem Fall ist es so gewesen, dass einfach viele Faktoren zusammengekommen sind, die gut miteinander funktioniert haben. Die Geschichte ist sehr lustig und hat trotzdem einen ernsthaften Hintergrund. Die Inszenierung war sehr unterhaltsam und farbenfroh. Und meine Musik sollte auch sehr unterhaltsam sein.

Auffällig ist, dass Sie für die Aachener Sopranistin Katharina Hagopian schon mehrere Stücke komponiert haben. Liegt sie Ihnen besonders?

Schreier: Katharina hatte die Prinzessin gesungen. Es hat sich so ergeben, dass wir von Anfang an gut miteinander klargekommen sind. Sie ist eine großartige Sängerin, und sie ist sehr offen für neue Sachen. Es gibt manchmal ja auch Sänger, die nicht so gerne neue Stücke singen, weil das zu ungewohnt ist. Sie ist da aber sehr offen. Sie hatte mich gefragt, ob ich ein paar Lieder für sie schreiben könne. Das Programm hat sie mit der Pianistin Naré Karoyan aus Köln ein paar Mal aufgeführt. Am 30. April gibt es ein Porträtkonzert von mir in der Klangbrücke Aachen als eine Veranstaltung der Gesellschaft für zeitgenössische Musik, wo die beiden eine Art Liederabend hauptsächlich mit Liedern von mir gestalten.

Stichwort zeitgenössische Musik. Viele Menschen verbinden damit disharmonische Klänge. Ist das ein Vorurteil oder eine berechtigte Aversion?

Schreier: Es gibt ja ganz unterschiedliche Arten von zeitgenössischer Musik, darunter sicher auch solche, die für jemanden, der normalerweise klassische Musik hört, schwer zu hören sind. Aber es gibt auch welche, die sich mehr an traditioneller Musik orientieren. Wenn man etwa an einen Komponisten wie John Adams denkt. Das ist ein Amerikaner, der aus der Minimal-Music-Ecke kommt. Ich sehe mich auch mehr in einer Tradition, die nicht alles komplett neu erfinden will. Ich sehe mich als jemanden, der in einer relativ direkten Weise anknüpfen will an das Frühere. Aber ich finde es auch ein bisschen schade, dass man sich nicht traut, auch schon mal etwas anderes zu hören als das, was man bereits kennt. Meine Mutter mochte vor 30 Jahren auch keine moderne Musik. Mittlerweile sagt sie, sie möchte lieber mal etwas anderes hören als immer nur die alten Sachen.

Wovon sind Sie beeinflusst?

Schreier: Ich habe schon meine Vorbilder, was die Oper angeht. Im 20. Jahrhundert sind das ganz stark Richard Strauss und Benjamin Britten und eben auch John Adams. Wobei das jetzt nicht heißt, dass ich versuche, etwas Ähnliches wie sie zu machen. Aber das sind Komponisten, denen ich mich sehr nahe fühle.

Gibt es bei Ihnen einen typischen Klang, der immer wiederkehrt?

Schreier: Das weiß ich nicht so genau, aber wahrscheinlich schon. Das Problem ist, dass man sich selber nicht so genau analysieren kann. Was bei mir relativ viel vorkommt, sind Anklänge an etwas anderes, wobei man denkt, das kennt man doch schon irgendwoher. Aber es wird dann in einen anderen Kontext gestellt. Es kommen Zitate vor, aber es wird bei ihnen nicht klar, ob das ernst gemeint ist oder nicht. Das ist bei mir relativ typisch.

Sie lieben es offenbar, sehr ironisch mit Stoffen umzugehen.

Schreier: Manchmal schon. Ich würde jetzt nicht grundsätzlich sagen, dass alles, was ich mache, ironisch gemeint ist. Ich versuche, für die Stoffe und Geschichten einen Weg zu finden, sie so zu darzustellen, wie man sie normalerweise nicht sieht. Ich finde es nicht so interessant, das Vertraute zu wiederholen. Ich versuche immer, einen Blickwinkel auf die Sachen einzunehmen, den man so nicht erwartet. Dazu ist Ironie ein Weg, aber nur einer unter vielen.

Sie sind sehr erfolgreich mit Ihrer Musik. Gibt es ein Erfolgsrezept?

Schreier: Ich glaube nicht, dass man so etwas planen kann. Was ich versuche zu machen, ist Musik zu schreiben, die ich gerne hören will. Und ich versuche das so gut zu machen, wie ich es eben kann. Ich sehe das mehr als Handwerk an.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Schreier: Ich habe gerade wieder eine Oper in Arbeit. Die wird in zwei Jahren aufgeführt – ich darf noch nicht sagen wo. Es ist aber ein großes Opernhaus in Nordrhein-Westfalen. An dem Stück arbeite ich seit dem letzten Herbst, das muss ich bis Mitte des nächsten Jahres abgeben. Die Zeit brauche ich dann aber auch. Es wird eine große Oper mit großem Orchester.

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