Deutsche und niederländische Schüler bei Jugend-Politiktag

Von: Sabine Rother
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Professor Friso Wielenga, Direktor des Zen­trums für Niederlande-Studien in Münster, referierte vor den Jugendlichen. Foto: Roeger

Aachen. Eine Gemeinsamkeit ist bereits beim Auftakt-Gottesdienst im Aachener Dom gut zu hören – oder eben nicht. Ob deutsche oder niederländische Jugendliche, vom Mitsingen halten sie nicht so viel, da nützt auch das internationale Lied „Jesus Christ, you are my life“ nichts. Rund 160 junge Leute aus Sittard, Venlo, Maastricht, Heerlen, Aachen, Jülich und Übach-Palenberg setzen sich in Aachen bei einem von Konrad-Adenauer-Stiftung und Europäischer Stiftung für den Aachener Dom veranstalteten Jugend-Politiktag zusammen, um über Vorurteile diesseits und jenseits der Landesgrenzen zu sprechen, sowie über Lösungen für die Zukunft.

Die in Aachen entwickelte Ideensammlung wird am 4. Oktober im Rahmen des Wasserwerk-Gesprächs zum Tag der Deutschen Einheit Bundestagspräsident Norbert Lammert und Sybrand van Haersma Buma, Fraktionsvorsitzender des CDA im niederländischen Abgeordnetenhaus, von einer Schülerdelegation in Bonn überreicht.

Wie ist das mit Monarchie und Demokratie, mit religiösen Werten oder Tourismus. Ist Amsterdam tatsächlich ein Paradies für Kiffer? Essen die Deutschen dauernd Sauerkraut? Bevor sich die Teilnehmer auf die acht Workshops verteilen, heißt es zuhören – etwa Melanie Piepenschneider, Leiterin der Politischen Bildung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Es wird interessant sein, auch über 25 Jahre deutsche Einheit aus niederländischer Sicht zu sprechen“, sagt sie. „Vielen ist gar nicht bewusst, wie sehr die Deutschen darunter gelitten haben.“

Auf 567 Kilometern grenzen Deutschland und Niederlande aneinander, aber wie ist das mit anderen Völkern? Die Flüchtlingsfrage, versichert Melanie Piepenschneider, wird aktuell in die Arbeit einbezogen. Als Experte für deutsch-niederländische Angelegenheiten und die Entwicklung einer nicht immer nur glücklichen Nachbarschaftsbeziehung konfrontiert Professor Friso Wielenga, Direktor des Zen­trums für Niederlande-Studien der Universität Münster seine jugendlichen Zuhörer mit einem Blick in die vergangenen Jahrzehnte. Zuvor wird noch ein bisschen für sein Zen­trum geworben: „Bei uns können Sie deutsch-niederländische Wirtschaft und Politik studieren, dann sind Sie gut vorbereitet für den Arbeitsmarkt.“

Die Entwicklung im nachbarschaftlichen Miteinander sei nicht linear, sondern eher in einer „Wellenbewegung“ verlaufen, greift Wielenga markante Ereignisse der deutsch-niederländischen Geschichte heraus. Dort, wo es in den Grenzgebieten zu mehr Kontakten kam, funktionierte die Verständigung langsam etwas rascher. „Mit einem neuen, gemeinsamen Feind, der Sowjetunion, und der Gefahr des Kalten Krieges, kam es zur deutlichen Annäherung“, erläutert Wielenga. „Die Niederlande waren das erste Land, das für die deutsche Wiederbewaffnung stimmte.“

Nachdem es jedoch bereits 1966 zu Protesten kam, als die damalige Prinzessin Beatrix den deutschen Di­plomaten Claus von Amsberg heiratete, sorgte 1974 der Fußball-Eklat für ein neues emotionales Tief – der Sieg der deutschen Nationalmannschaft über die Niederlande im Finale der Fußballweltmeisterschaft.

Die zunächst brüchigen Brücken

Mühsam gebaute Brücken der Vergangenheitsbewältigung, etwa zum Thema der deutschen Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten 1940, brachen ein. Der Fußballfriede gelang erst 1988, als die Niederlande mit einem 2:1-Ergebnis Deutschland beim Einzug ins Finale der Europameisterschaft überholten. „Der Sieg löste Euphorie aus, rund 15 Millionen Niederländer feierten“, beschreibt Wielenga. „Danach ging es bergauf.“

Amüsiert und fasziniert verfolgten die Zuhörer den lebendigen Geschichtsunterricht bis in die Gegenwart mit Gründung des deutsch-niederländischen Jugendwerkes und des Deutschen Instituts in Amsterdam.

Großes Deutschland – kleine Niederlande: Wichtig für eine gute Beziehung ist, so Wielenga, dass der Nachbar „nicht als 17. Bundesland wahrgenommen“ wird. Und dann geht es an die Arbeit in acht Workshops.

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