Deutsche Bahn macht Schluss mit Thalys

Von: Angela Delonge
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Nicht einsteigen, bitte: Inhaber von Bahnmonatskarten dürfen künftig den Thalys nach Köln nicht mehr kostenlos nutzen. Foto: A. Herrmann

Aachen. Bahnfahrer, die täglich zwischen Aachen und Köln pendeln, sind empört: Die Deutsche Bahn hat zum 13. Dezember endgültig die Kooperation mit dem Thalys aufgekündigt. Die in diesem Rahmen vereinbarte, kostenlose Mitnahme von Bahnkunden in dem Schnellzug ist Inhabern von Monatskarten, Jobtickets und Bahncard 100 der Deutschen Bahn künftig nicht mehr gestattet.

„Die wirtschaftlichen Erwartungen bezüglich des Engagements bei Thalys haben sich aus unserer Sicht nicht erfüllt“, sagte ein Bahnsprecher. Die Kooperation existiere bereits seit Juni 2013 nicht mehr, bis zuletzt galt allerdings noch eine zeitlich befristete Sondervereinbarung. Zukünftig wolle sich die Bahn auf ihre eigenen ICE-Verkehre zwischen Frankfurt und Brüssel konzentrieren, heißt es. Mit anderen Worten: Womöglich gibt es bald mehr ICE zwischen Aachen und Köln.

Eine solche Perspektive sei denkbar, sagt ein Bahnsprecher. Der internationale Fernverkehr sei „sehr lukrativ“, die Deutsche Bahn wolle da mit mehr Angeboten und Zügen auch Richtung Paris und London einsteigen. Eine Kampfansage an Thalys? Auf jeden Fall mehr als das Ende einer Vereinbarung.

Wie auch immer, Aachen-Köln-Pendler haben nun zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres das Nachsehen. Seit Anfang des Jahres müssen manche ohnehin deutlich mehr für ihre tägliche Bahnfahrt bezahlen, weil das NRW-Ticket im neu gegründeten Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) seine Gültigkeit verloren hat.

Viele von ihnen waren deshalb auf die noch teurere Monatskarte der Deutschen Bahn mit ICE-Option umgestiegen, weil die Möglichkeit der kostenlosen Thalys-Mitbenutzung insgesamt acht 30-Minuten-Verbindungen pro Tag zu Arbeitnehmerfreundlichen Zeiten garantierte. Freilich ohne Sitzplatz – in Wagen 28 mussten die Reisenden eine halbe Stunde lang stehen. Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember gilt die Monatskarte der Deutschen Bahn nur noch für den vier Mal täglich verkehrenden ICE Frankfurt-Brüssel und die Nahverkehrszüge.

Für die Bahnpendler zwischen Aachen und Köln bedeutet das eine deutliche Verschlechterung. Fünf mögliche schnelle Bahnverbindungen pro Tag mit dem Thalys fallen nun weg, der ICE fährt nur morgens, vormittags, nachmittags und abends. Die Nahverkehrszüge zwischen Aachen und Köln haben zwar eine enge Taktung, brauchen aber 20 bis 30 Minuten länger. Betroffene Pendler waren am Montag per Brief von Bahnchef Rüdiger Grube persönlich über die Neuerung informiert worden. Das Schreiben löste allseits Empörung und Unverständnis aus.

Eine Gruppe von Pendlern verfasste ein Antwortschreiben an den Bahnchef, das unserer Zeitung vorliegt. Darin heißt es, dass diese Entscheidung nicht nachvollziehbar sei und in Anbetracht einer sich stark wandelnden Arbeitswelt, die erhöhte Mobilität der Arbeitnehmer nötig mache, alles andere als zeitgemäß erscheine. Die Pendler berufen sich auf eine „immer größer werdende Gruppe von Menschen, die aus beruflichen Gründen auf schnelle Städteverbindungen zwischen Köln und Aachen (...) angewiesen sind“.

Schließlich: „Es bleibt unverständlich, warum sich große Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Thalys International nicht auf einen gangbaren Kompromiss im Interesse der Kunden einigen können.“ Andere Pendler sprechen wiederum vom „ewigen Leid“ auf der Strecke Aachen-Köln und sehen wegen des größeren Zeitaufwands gar ihre Jobs gefährdet.

Falls gewünscht, bietet die Deutsche Bahn den Pendlern einen Umtausch des bestehenden Abos in ein Abo des Nahverkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) an. Und sie zeigt sich erkenntlich: Als Entschädigung erhält jeder einen Gutschein über 200 Euro. Das ist fast soviel, wie das nächste Abo für 2016 kostet.

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