Desaster bei Bonner Kongresszentrum

Von: Edgar Bauer, dpa
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Bonn. Es sollte das Vorzeigestück einer glänzenden Bonner Zukunft werden: Das neue internationale Kongresszentrum. Doch seit Monaten droht bei dem Prestigebau im ehemaligen Regierungsviertel ein Millionen-Desaster.

Sogar ein Baustopp kurz vor Ende ist nicht auszuschließen. Die privatwirtschaftliche Finanzierung des World Conference Center Bonn (WCCB) hängt in der Schwebe, es fehlen viele Millionen und die Eigentümerfrage ist ungeklärt. Die Stadt mit der scheidenden Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) an der Spitze schenkte offensichtlich unseriösen privaten Finanziers aus dem Ausland zu lange Vertrauen.

Nach einem undurchsichtigen Spiel mit Millionen zieht sie jetzt die Reißleine: Sie übermittelte dem Bauherrn und Vertragspartner, der UNCC GmbH, ein Mahnschreiben. Darin werden per Ultimatum 32 Millionen Euro privates Eigenkapital eingefordert, die zum Weiterbau des WCCB fehlen. Im Notfall müsste die Stadt selbst den Bau übernehmen, der rund 200 Millionen Euro kostet.

Dies wäre der Fall, wenn die Stadt von ihrem sogenannten Heimfallrecht Gebrauch macht, mit dem sie sich beim Ausfall von Investoren auch Besitzansprüche sichern könnte. Die Alternative wäre ein neuer Investor. Im Rennen bisher waren zunächst der südkoreanisch-amerikanische Investor SMI Hyundai (Delaware/USA), der südkoreanische Finanzinvestor Honua Investment mit Sitz in Honolulu (Hawaii) und das niederländisch-israelische Investmentunternehmen Arazim (Zypern).

Der Bonner „General-Anzeiger” berichtet seit Tagen in fast ganzseitigen Teilen („Die Millionenfalle”) wie aus einem Wirtschaftskrimi - „Fortsetzung folgt”. Sitzungen des Stadtrats zum WCCB wurden immer turbulenter.

Aus Oppositionsreihen wird kritisiert, die Stadt und Dieckmann hätten nicht mit offenen Karten gespielt, „sich an der Nase herumführen lassen” und „die Öffentlichkeit getäuscht”.

Bürgermeister und Stadtverordneter Peter Finger (Grüne) sieht inzwischen auch das Image der Stadt beschädigt - „das Ganze ist für die Stadt Bonn unwürdig” - und: „Die Verantwortung für das Desaster liegt bei der Oberbürgermeisterin.” Sie sei Informationen und Antworten schuldig geblieben - offenbar habe sie selbst Angst vor juristischen Konsequenzen.

Das WCCB ist Bonn größte Baustelle und sollte eigentlich Ende des Jahres fertig sein. Nun droht Mitte September ein Baustopp, wenn die weitere Finanzierung nicht rasch geklärt wird. Mit rund 200 Millionen soll der Bau ohnehin schon rund 60 Millionen Euro mehr kosten als ursprünglich geplant. Das Zentrum gegenüber dem ehemaligen Bundestagsplenarsaal und direkt am UN-Campus soll etwa 5000 Gästen zugleich Platz bieten und umfasst auch ein Sterne-Hotel mit rund 350 Zimmern. Auch große UN-Konferenzen - Bonn ist deutscher UN-Standort - sollen dort stattfinden.

Im Gesamtprojekt sind neben der Stadt als Bauträger auch der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen engagiert. Der Bund stellte Grundstücke (im Wert von vielen Millionen Euro) und NRW bisher rund 25 Millionen Euro zur Verfügung. Den Großteil sollten private Investoren übernehmen. Allerdings musste dabei die öffentlich- rechtliche Sparkasse Köln-Bonn mit einem Kredit in Höhe von bislang rund 104 Millionen Euro einspringen.

Kritiker meinen, die mit dem WCCB befassten städtischen Mitarbeiter seien überfordert gewesen - erst recht im Umgang mit gewieften Finanzjongleuren. Für das Projekt war zunächst eine europaweite Ausschreibung ohne Erfolg geblieben. Dann kam wie ein Deus ex machina der als „Glücksfall” gepriesene erste Investor SMI Hyundai. Mit dem koreanischen Autokonzern Hyundai hatte die Firma von Man Ki Kim („I like Bonn”) allerdings nichts zu tun.

Kim, der am Rhein das führende und spektakulärste Kongresszentrum Deutschlands bauen wollte, kämpfte mit Geldproblemen, lieh sich bei Arazim Geld und verpfändete dafür die UNCC GmbH. Kim übertrug seine Eigentumsrechte aber auch dem neuen Investor Honua. Nach einer vorläufigen Entscheidung des Bonner Landgerichts von Anfang August gehören Arazim 94 Prozent an UNCC. Diesen Anteil beansprucht auch Honua. Bei diesem für die Zukunft des WCCB wichtigen Streit ist Bonn nur Zuschauer. Für Dieckmann zählt in ihren letzten Amtstagen - am 20. Oktober endet ihre 15-jährige OB-Zeit - jetzt nur noch: „Die Fertigstellung des WCCB sichern.”
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