Der Wilderer vom Rademannssief: Wer tut so etwas?

Von: Gudrun Klinkhammer
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Norbert Leduc, Revierförster Schleiden, findet kaum Worte für die sinnlosen Taten eines Wilderers, der Tiere verletzt, um sie verenden zu lassen: „Derjenige, der so etwas macht, ist in irgendeiner Weise stark gestört. Dem geht es ums Töten“, sagt Leduc. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Norbert Leduc, Revierförster Schleiden, findet kaum Worte für die sinnlosen Taten eines Wilderers, der Tiere verletzt, um sie verenden zu lassen: „Derjenige, der so etwas macht, ist in irgendeiner Weise stark gestört. Dem geht es ums Töten“, sagt Leduc. Foto: Gudrun Klinkhammer

Hellenthal. Die Geschichte des Wilderns ist ähnlich alt wie die Geschichte der Jagd, doch das Pro­blem, das gerade in den Wäldern der Gemeinde Hellenthal auftritt, wirf ungewöhnliche Fragen auf: Wer geht in der Eifel in den Wald, schießt vorzugsweise Rothirsche mittleren Alters ab und lässt sie einfach liegen?

Teilweise krankgeschossen, stark leidend und verendend? Wer ist zu solch sinnloser Jagd fähig?

Norbert Leduc, der zuständige Revierförster, findet kaum Worte für diese grausame Art der Wilderei. Er überlegt kurz und sagt dann: „Derjenige, der so etwas macht, ist in irgendeiner Weise stark gestört. Dem geht es ums Töten.“

Leduc (61), der seit 1992 Revierförster ist, geht davon aus, dass sich der Täter sehr gut mit den Gegebenheiten auskennt. Er sagt: „Der Täter muss sogar Bewegungsprofile kennen, etwa von mir, vom Pächter und vom Jagdaufseher.“

Der Hochsitz

In einem kleinen Waldstück im Rademannssief, einem kleinen Tal mit Bachzulauf zur oberen Olef, sind seit vergangenem Jahr neun Hirsch geschossen und einfach liegen gelassen worden. Das Waldstück beschränkt sich auf wenige Hektar. Bis heute fehlt vom Täter jede Spur, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass das sinnlose Wildern bald aufhören könnte.

Revierförster Leduc hat Indizien zusammengetragen, die darauf hinweisen, dass alle illegalen Schüsse von einem Hochsitz aus abgegeben wurden, der mitten in einer bewaldeten Fläche im Rademannssief steht. Mit dem Auto ist die Stelle nahe einer unter Wanderern beliebten Narzissenwiese allerdings nur von zwei Seiten anfahrbar: Eine Zufahrt bietet von belgischer Seite aus die sogenannte Jonny-Brücke, die von einer kleinen Gruppe Hellenthaler Bürger gepflegt wird. Die andere Zufahrt kommt vom Parkplatz an den Narzissenwiesen. Doch lässt sich daraus etwas über den Täter schließen? Wohnt er in der Umgebung? Kennt er den Pächter des Jagdreviers?

Die Serie begann im September 2014. Im Rademannssief fand ein Spaziergänger einen kapitalen Hirsch, der auf einem Waldweg verendet war. Geweih, Fleisch, Knochen, nichts war entsorgt worden. „Wir haben die Vermutung, dass der Hirsch krank geschossen wurde, bis zum Weg torkelte und dort verendete“, sagt Revierförster Leduc. Er erstattete Anzeige. In den darauffolgenden Monaten fanden Waldarbeiter immer wieder verendete Hirsche, die zwischen vier und zehn Jahre alt waren.

Abgesehen von den leidenden Tieren ist auch der Eigentümer des Waldes geschädigt, der Pächter des Jagdreviers ebenso. „Normalerweise müssen genau diese Tiere mittleren Alters geschont werden“, sagt Leduc. Früher haben viele Menschen aus Not gewildert. Zu jagen und Felle zu verkaufen war für sie eine Frage des Überlebens. Doch diese Zeit ist in Mitteleuropa lange vorbei. Wer also schießt Hirsche nicht um sie zu verwerten, sondern nur um sie verenden zu lassen?

Große Vermutungen will Norbert Leduc nicht anstellen, aber Gedanken hat er sich natürlich schon gemacht. Dass der Wilderer aus Belgien kommt, hält er für unwahrscheinlich, schließlich müsste ein belgischer Wilderer sich nicht die Mühe machen, in Deutschland Hirsche aufzustöbern, er könnte auch im belgischen Teil der Wälder jagen. Mit der Polizei suchte Revierförster Leduc nach ähnlichen Fällen – und wurde fündig. Tatsächlich gab es vor 15 Jahren auf belgischer Seite einen vergleichbaren Fall. Doch der damalige Hauptverdächtige ist inzwischen gestorben. Die Suche geht also weiter.

Die letzten verendeten Hirsche im Rademannssief fanden Waldarbeiter Ende Oktober. Der Verwesungsgestank der verendeten Tiere hatte sie auf die Fährte gebracht. Unter den drei Hirschen befand sich zum ersten Mal auch eine Hirschkuh.

Wo sind die Projektile?

Geschossen wurden die Hirsche vermutlich wieder vom selben Hochsitz aus. Wieder wurde die Polizei eingeschaltet, doch Projektile, die einen Hinweis auf die eingesetzte Waffe hätten geben können, wurden nicht gefunden. „Die jagdlichen Geschosse pilzen auf, zerlegen sich also in kleinste Teile“, sagt Leduc. Füchse und Wildschweine, die sich am Kadaver bedienen, ziehen dann möglicherweise die Geschossteile im Fleisch des erlegten Hirschen mit weg, so wird die Tätersuche zusätzlich erschwert.

Das Fehlen von Projektilen könnte andererseits ein Hinweis dafür sein, dass die Hirsche gar nicht geschossen wurden, sondern krank waren, doch das glaubt der Revierförster nicht. „Diese Häufung verendeter Hirsche an einer Stelle ist dafür zu verdächtig und weist auf das Strecken der Tiere hin“, sagt Leduc.

Hauptkommissar Klaus-Peter Meyer von der Schleidener Polizeiwache, der mit dem Fall betraut ist, bestätigt die Vorkommnisse. Der Hochsitz wurde bereits untersucht, doch auch dort fand sich bislang keine verwertbare Spur. Das Strafmaß für den Wilderer, sagt Meyer, kann erheblich sein. Würde er einen Jagdschein besitzen, werde er diesen ebenso verlieren wie seine Waffe, sagt Meyer. „Da es sich um einen Straftatbestand handelt, droht ihm sogar eine Freiheitsstrafe.“ Der erfahrene Pächter des Revierstücks, auf dem der Hochsitz steht, überlegt, eine Belohnung auszusetzen.

Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizeiwache in Schleiden unter Telefon 02445/8580 entgegen.

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