Der unbelehrbare Tierhändler aus der Eifel darf keine Tiere mehr halten

Von: Marlon Gego
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Das Gericht entschied, dass der Tierhändler sämtliche noch in seinem Besitz befindlichen Tiere herauszugeben habe.

Aachen/Monschau. Als die Beamten im April 2016 die Anlage betraten und dem Tierhändler den richterlichen Durchsuchungsbefehl zeigten, boten sich ihnen entsetzliche Anblicke. Sie sahen eine trächtige Kuh, die ohne jedes Wasser zu überleben versuchte.

Sie sahen eine Pferdebox, die seit Tagen nicht mehr ausgemistet worden war, der Kot begann bereits zu schimmeln. Sie sahen ein Pferd, das von Pilzen befallen war, an dessen Hufen sie später Maden fanden. Sie sahen Zustände, die selbst erfahrene Veterinäre nicht oft in ihrem Leben zu sehen bekommen. Die Rede war hinterher von hochgradig verwahrlosten, lebensbedrohlich unterversorgten Tieren, kurz: von entsetzlichen Zuständen bei einem Tierhändler, der den Behörden nicht zum ersten Mal aufgefallen war.

Das Aachener Verwaltungsgericht hat mittlerweile ein Haltungs-, Betreuungs- und Umgangsverbot mit Tieren jeglicher Art und Rasse bestätigt, der polizeibekannte Tierhändler aus Monschau darf keinerlei Kontakt mehr zu Tieren haben. Schon kurz nach der Hausdurchsuchung 2016 hatte das Veterinäramt der Städteregion Aachen dem Tierhändler sämtliche Tiere weggenommen und untersagte ihm die Nutzung der auf seinem Grundstück am Rand eines kleinen Monschauer Stadtteils befindlichen Stallungen. Auch dies wurde nun vom Verwaltungsgericht bestätigt, wie dessen Sprecher Frank Schafranek am Dienstag erklärte.

Die Zusammenfassung des Urteils liest sich wie eine Passage aus einem Tierquälerroman. Bei der Hausdurchsuchung wurden 80 Tiere auf dem Anwesen gefunden, darunter Pferde, Schafe, Schildkröten, Hühner, Hunde, Katzen und Kaninchen. Viele der Tiere seien „über einen langen Zeitraum derart mangelhaft ernährt, tierschutzwidrig untergebracht und tierärztlich versorgt worden“, dass ihnen „erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt wurden“, heißt es im Urteil des Verwaltungsgerichts. Pferde- und Rinderboxen seien derart voller Fäkalien gewesen, dass die Tiere keine Chance gehabt hätten, sich „angemessen zu bewegen oder sauber und trocken“ hinzulegen.

Auch Wasser und Futter habe entweder gar nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung gestanden, heißt es in dem Urteil vom 28. Juni. Viele Tiere seien „zum Teil lebensbedrohlich mangelernährt und dehydriert gewesen“.

Gegen den Tierhändler war bereits im Januar 2005 ein Verbot zum gewerbsmäßigen Pferde- und Viehhandel verhängt worden, das seitdem nicht wieder aufgehoben wurde. Doch in der Ordnungsverfügung des Veterinäramtes vom 6. Mai 2016 heißt es: „Die Anzahl der bei Ihnen vorgefundenen Pferde übersteigt das Maß einer privaten Pferdehaltung um ein Vielfaches und bestätigt den Verdacht, dass Sie entgegen des bestehenden Handelsverbotes weiterhin Pferde an- und verkaufen. Hierzu liegen eine Vielzahl von Beweisen und Zeugenaussagen vor.“

Missachtete Anordnungen

Doch nicht nur in diesem Punkt widersetzte sich der Monschauer Tierhändler den Anordnungen der Behörden. Auch das mittlerweile gerichtlich bestätigte Tierhalte-, -betreuungs- und -umgangsverbot, das ursprünglich am 6. Mai 2016 angeordnet worden war, ignorierte er zunächst. Im September 2016 fand das Veterinäramt etwa 30 Tiere bei dem Mann, die ihm umgehend weggenommen wurden. Und im April 2017 wurden erneut zehn Tiere auf seinem Monschauer Anwesen gefunden, auch diese wurden ihm weggenommen.

Der Tierhändler habe „massiv, langandauernd und wiederholt“ gegen das Tierschutzgesetz verstoßen und sich zudem „bis zur gerichtlichen Entscheidung nicht ansatzweise einsichtig gezeigt“, stellte das Verwaltungsgericht in seinem Urteil fest. Daher seien tierschutzrechtliche Verstöße auch weiterhin „ernsthaft zu befürchten“ gewesen, heißt es in der Urteilsbegründung.

Das Tierhalte-, -betreuungs- und -umgangsverbot gilt deswegen zeitlich unbefristet, es ist das letzte Mittel des Staates gegen einen bislang Unbelehrbaren. Gerichtssprecher Schafranek erinnert sich nicht daran, dass jemals ein solch drastisches Verbot gegen einen Tierhalter ausgesprochen wurde, auch an der NRW-Landwirtschaftskammer ist ein solcher Fall nicht bekannt. Bevor diese Verbote wieder aufgehoben werden, muss der Mann den Veterinären der Städteregion beweisen können, dass er aus seinem Fehlverhalten gelernt hat, dass er zukünftig alle tierschutzrechtlichen Bestimmungen einhalten wird. Kein leichtes Unterfangen.

Am Dienstag Nachmittag nun standen vor dem schwer einzusehenden Anwesen des Mannes wieder zwei Pferdeanhänger, was aufgrund der Vorgeschichte des Tierhändlers zumindest stutzig macht. Aber natürlich kann das andererseits ein reiner Zufall gewesen sein.

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