Der Triumph: Der 1. FC Köln qualifziert sich wieder für Europa

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
14634978.jpg
FC-Trikot, FC-Schal und gar ein FC-Kennzeichen: Am Samstag feiern Hunderte Anhänger in der Kölner Innenstadt, dass sich ihr Verein nach 25 Jahren wieder für die Europa League qualifiziert hat. Bester Jubelort: das Betonauto im Hintergrund, auf dem man den Überblick hat. Foto: Arton Krasniqi

Köln. Als um 17.20 Uhr, ganz kurz nach Abpfiff der Partie des 1. FC Köln gegen Mainz, Tausende Fans im Stadion den Platz stürmten, strömten gleichzeitig Hunderte aus den Kneipen in der Kölner Innenstadt auf die Straßen. Endlich gibt es in Köln wieder einen Grund zu feiern. Und zwar einen, bei dem die FC-Fans gesangstechnisch nicht mehr auf den Klassiker „Nie mehr Zweite Liga“ zurückgreifen mussten.

Stattdessen sangen die Fußballer im Stadion und die Menschen auf den Straßen das Europapokal-Lied, das sie lange nur mit einem Augenzwinkern anstimmen konnten. „Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird's geschehen, und dann fahren wir nach Mailand um den FC Köln zu sehen!“ Nun war eines Tages geschehen. Statt Augenzwinkern gab es Tränen in den Augen. Für das Fan-Shirt mit dem entsprechenden Text, das die Mannschaft am Samstag nach dem Spiel trug, gab es schon Wartelisten im Fan-Shop.

„Europa mer kumme“

Wer nur irgendwie konnte, war am Samstag natürlich im ausverkauften Stadion in Müngersdorf, um das entscheidende Spiel der Kölner zu sehen. Aber auch in den Kneipen auf den Ringen und an der Zülpicher Straße waren die meisten Tische seit Tagen reserviert. FC-Trikot oder Schal waren Pflicht. Auch das große Aufklapp-Poster der Samstags-„Express“-Ausgabe mit der Aufschrift „Europa mer kumme“ war ein begehrtes Accessoire, genau wie Europa-Flaggen. Kölns ganz eigenes Zeichen für Europa.

Seit 25 Jahren warteten FC-Fans auf diesen Moment. Die magische Zahl kannten am Samstag selbst Fans, die vor 25 Jahren noch nicht geboren waren. Die Rechenspiele, wie der FC sich qualifizieren würde, waren seit Tagen Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt. Am Ende stand meist die simple Erkenntnis: Der FC muss einfach gewinnen. Es aus eigener Kraft schaffen.

Umso mehr wurden die Nerven strapaziert bis zum 1:0, das erst kurz vor Ende der ersten Halbzeit fiel. „Das reicht nicht, da muss noch ein Tor her“, raunten sich die Anhänger des Vereins nach dem ersten euphorischen Jubel zu. Appetitlosigkeit beim einen, Ablenkungen durch viele Kölsch beim anderen. Denn es hieß wieder warten und zittern. Erst das 2:0 in der 87. Minute erlöste die Fans. Platz fünf. Wahnsinn. Fremde lagen sich in den Armen, klatschten sich ab, prosteten sich zu. Ja, das Klischee des Kölners wurde zu hundert Prozent erfüllt, weil an Klischees üblicherweise etwas dran ist. Dann gab es kein Halten mehr. Schnell in der Kneipe bezahlen und ab auf die Straße.

Auf der Feiermeile, den Kölner Ringen, sammelten sich Hunderte Fans traditionell an dem Betonauto – ein Werk des Künstlers Wolf Vostell –, das in Windeseile erklommen war. FC-Fans starteten dort einen Autokorso. Manch eine Mutter wurde vom Nachwuchs als Autokorso-Chauffeurin angeheuert und hupte brav auf Anweisung. Die Polizei sperrte den Hohenzollernring in Höhe Friesen- und Rudolfplatz. Das Kino dort widmete seine Reklameanzeige an der Straße dem FC und beglückwünschte das Team, während Feiernde einige kleine Bengalos zündeten. Ausgelassen, aber friedlich war die Stimmung laut Polizei.

Nur kleine Schnittverletzungen

Auch auf der Zülpicher Straße im Kölner Studentenviertel wurde gefeiert. Hauptattraktion dort war ein Fußball, natürlich vom FC, den sich Hunderte Menschen zukickten. Weil aber einerseits die Fußballfähigkeiten der Fans nicht ganz auf dem Niveau ihrer Mannschaft sind und auch der Kölschpegel die Treffsicherheit beeinträchtigte, traf der Ball nicht selten Fenster von Wohnungen. „Guck mal, da kommt die Polizei“, sagte ein kleines Mädchen, das bis dahin völlig begeistert von der Anarchie war. „Dürfen wir hier einfach auf der Straße stehen und singen?“

#Ja, an so einem Tag darf man das. Die Polizei sperrte auch dort ab, wie es an den Karnevalstagen üblich ist. Für kleine Aufregung sorgte der Polizist dann, als er sich den Ball schnappte und Wortwitz bewies: „Wir bitten die Feiernden, den Ball flachzuhalten“, sagte er, schließlich solle keine Scheibe zu Bruch gehen. „Versprochen.“ Und dann rückte der Polizist den Ball wieder raus, es wurde weiter gekickt und gefeiert. Bis auf ein paar kleinere Schnittverletzungen auch hier ohne Zwischenfälle.

Eine ganze Stadt rastete aus. Es fühlte sich an, als hätte der FC sich nicht nur für Europa, sondern mindestens für die Champions League qualifiziert und noch die Meisterschale geholt. Weil der Kölner an sich ja gern träumt und ein bisschen spinnt, gab es am Sonntag schon erste Mutmaßungen. Wenn die Uefa RB Leipzig nicht zur Champions League zuließe wegen rechtlicher Bedenken, könnte der FC noch nachrücken auf Platz vier, in die Champions-League-Qualifikation. Unrealistisch, zugegeben. Aber träumen können sie in Köln. Und seit Samstag wissen sie auch, dass Träume manchmal wahr werden. 

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert