Aachen - Der Streik, die Reisenden, der Aachener Hauptbahnhof

Der Streik, die Reisenden, der Aachener Hauptbahnhof

Von: cg
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Ein paar Züge fahren ja doch, zum Beispiel der RE1, der gerade an Gleis 2 hält. Foto: cg
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Wer nichts vom Streik wusste, erfährt es spätestens am Info-Stand der Bahn. Foto: cg
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Die RB33 um 6.37 Uhr fährt auch - gut für Jonas Blase, der nach Übach-Palenberg möchte. Foto: cg

Aachen. Am Tag vor dem großen Streik hatte der Postillon auf seiner Internetseite eine Liste veröffentlicht, „14 alternative Transportmittel, die Sie während des Bahnstreiks nutzen können“, sie klangen zum Beispiel so: ein Drache, ein Helikopter, eine superlange Wasserrutsche oder, am ausgefallensten: „Nutzen Sie Ihre Beine!“

Man muss wissen, dass der Postillon ein Satiremagazin ist, die Vorschläge waren nicht alle sehr hilfreich, zumindest aber werden einige Bahnnutzer darüber gelacht haben. Und Lachen lässt ja viele Dinge erträglicher werden, wenigstens ein bisschen.

Jonas Blase lacht jetzt nicht, aber es ist auch nicht so, dass er wütend wirkte, Blase, 20, ist wahrscheinlich einfach noch ein bisschen müde. Er steht am Aachener Hauptbahnhof, Gleis 3, und um pünktlich zu seinem Praktikum nach Übach-Palenberg zu kommen, müsste er den Zug um 6.13 nehmen, der fällt jedoch aus. Also: 6.37 Uhr. Geht schlimmer, findet Jonas Blase, er arbeitet ja in Gleitzeit. Und was heute und den Rest der Woche los ist, hat er außerdem rechtzeitig erfahren.

Das Problem ist, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokführer und die Deutsche Bahn sich in ihren Verhandlungen nicht einig werden. Es geht um Geld und Strukturen und wahrscheinlich auch um Macht, schwierige Sache. Also streiken jetzt die Lokführer, schon wieder, und diesmal streiken sie „richtig lange“, so haben sie es selbst gesagt: im Güterverkehr seit Montagnachmittag, im Personenverkehr seit Dienstagnacht, und das bis Sonntag, 9 Uhr. Fast eine ganze Woche lang.

RE1 fährt, RE4 fährt nicht

Welche Auswirkungen der Streik hat, lässt sich am Dienstagmorgen am Aachener Hauptbahnhof ganz gut beobachten. Es sind deutlich weniger Menschen dort als sonst, und von denen, die dort sind, sind manche wütend, andere nur müde. Die meisten von ihnen wissen aber Bescheid, spätestens dann, wenn sie im Bahnhofs-Café N24 gesehen oder am Info-Stand der Bahn nachgefragt haben. Sie wissen dann: Manche Züge fahren, viele fahren nicht. Der RE1 nach Paderborn: fährt, aber nur bis Hamm. Der RE4 nach Dortmund: fällt aus. Der RE9 nach Siegen: fällt aus. Die RB 20 nach Herzogenrath: fällt auch aus.

Im Internet kursierten vor dem Streik nicht nur Witze, es gab auch einige ernst gemeinte Lösungen, wie man trotz allem an sein Ziel kommt: spontane Fahrgemeinschaften, Fernbusse, solche Dinge. Vor dem Hauptbahnhof halten auch einige Taxen, doch wenn man nachfragt, wie die Geschäfte laufen, dann erfährt man, dass die Geschäfte besser laufen könnten, so sagt es zumindest einer der Fahrer. Er hält schon eine Stunde am Bahnhof, ohne Fahrgast. „Mal schauen“, sagt der Fahrer, „vielleicht wird’s später besser.“

Im Foyer des Hauptbahnhofs steht jetzt Irene Sequiera, und sie will gar nicht groß klagen. Sequeira, 60, ist Nonne, sie arbeitet im Aachener Marienhospital. Fünf ihrer Ordensschwestern wollen nach Sarajevo, eine Wallfahrt, um 10.50 Uhr geht der Flug ab Köln/Bonn. Sequeira hat am Montag vom Streik erfahren, sie ist dann zum Bahnhof gegangen und hat nachgefragt. Alles gut, sagt sie jetzt, der ICE, den ihre Schwestern nehmen, fährt wie geplant um 7.40 Uhr, Glück gehabt.

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