Der Schulrat und die Zeit nach der Empörung

Von: gego
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„Ich bin wieder zurück“: Nach einem Streit mit der Bezirksregierung Köln, der seine Suspendierung als Aachener Schulrat zur Folge hatte, ist Norbert Greuel seit Februar in vorzeitiger Pension. Das Foto zeigt ihn während seiner von ihm selbst organisierten Abschiedsfeier. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Als der damalige Aachener Schulrat Norbert Greuel im September 2013 von der Bezirksregierung Köln suspendiert wurde, gab es einen Aufschrei in der Bevölkerung, wie die Region Aachen, Düren und Heinsberg ihn selten erlebt hat.

Unsere Redaktion erreichten mehr als 100 Leserzuschriften, Gewerkschaften empörten sich, und im nordrhein-westfälischen Landtag brach in aller Öffentlichkeit eine solch erhitzte Debatte aus, dass man Sorge haben musste, verschiedene Abgeordnete würden eine Schlägerei beginnen. Die öffentliche Empörung schlug derart hoch, dass NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) selbst nach Aachen kam, um bei einer Veranstaltung im Zeitungsverlag Aachen Leser, Lehrer, Eltern und Gewerkschafter zu beruhigen.

Greuel, 63, war wegen eines offenen Briefes suspendiert worden, in dem 20 Leiter von Förderschulen in der Städteregion Aachen im Sommer 2013 auf den anhaltenden Lehrermangel an ihren Schulen hingewiesen hatten. Als die Bezirksregierung erfuhr, dass Greuel entgegen seinen Beteuerungen zu den Initiatoren dieses Briefes gehört hatte, wurde er suspendiert. Mehrere juristische Auseinandersetzungen folgten, die mit seiner Pensionierung vergangenen Fe-bruar endeten.

Obwohl Greuel, als Schulrat damals verantwortlich für sämtliche Förderschulen in der Städteregion, keineswegs nur Freunde unter Lehrern und Kollegen hat, galt er doch als allseits respektierter Kämpfer für die Umsetzung der schulischen Inklusion in der Region. Verschiedene Schulleiter bezeichneten seine Suspendierung damals als „Katastrophe für die Inklusionsbemühungen im Aachener Raum“.

Der Streit mit seinen Vorgesetzten hat Greuel so etwas wie einen Heldenstatus eingetragen, wo er dieser Tage auftaucht, erhält er lang anhaltenden Applaus, zum Beispiel bei seiner kürzlichen Verabschiedung aus dem Dienst. Die dazugehörige Feier hatte Greuel privat ausgerichtet, er sagte, so könne er einladen, wen er wolle, und vor allem nicht einladen, wen er wolle. Er schreibt an einem Buch und kümmert sich im Rahmen einer Bürgerinitiative um jugendliche Flüchtlinge.

Am Donnerstag, als er eine Diskussion in Aachen moderierte, sagte Greuel: „Ich bin wieder zurück.“ Es gab Applaus, doch es klang, als habe Greuel noch verschiedene Rechnungen offen.

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