Der „Schlangenfänger von Düsseldorf”

Von: Denise Donnebaum, dpa
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Eine mehrere Kilo schwere Würgeschlange. Foto: dpa

Düsseldorf. Michael Harzbecker greift zu, wenn andere wie „Kaninchen vor der Schlange” stehen: Der „Schlangenfänger” leitet den Reptiliendienst der Feuerwehr Düsseldorf - bundesweit die einzige Feuerwehr mit einer eigenen „Exoten-Einheit”.

Sorgt eine Schlange für Tumult, weil sie sich in einem Hauskeller verkrochen, auf einem Balkon oder mitten auf einer Wiese neben Campern eingerollt hat, eilt der 37-Jährige zur Hilfe.

Konzentration ist ein Muss, wenn Harzbecker sich auf Schlangenfang begibt - sonst kann es gefährlich werden. Der Experte trägt keinen Schutzanzug. Als Werkzeug dient ihm nur ein Haken und seine bloße Hand, mit der er das Tier packt. „Der Griff muss perfekt sitzen. Bloß nicht zu weit hinter dem Kopf, sonst dreht sich die Schlange und beißt.” Immerhin schnellen die Kriechtiere mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 Meter pro Sekunde zum Biss hervor.

Giftig oder nicht? Wenn der Experte die Gattung nicht schon aus der Ferne bestimmen kann, muss er Hand anlegen und der Schlange das Maul öffnen: „An die Zähne muss ich ran, um zu sehen, ob die Art giftig ist.” Zu einem seiner gefährlichsten Giftschlangen-Einsätze wurde er im vorletzten Jahr gerufen: „Klapperschlangen in einem Düsseldorfer Keller.” Der blanke Schweiß habe ihm auf der Stirn gestanden. „Als ich die Kellertür öffnete, hörte ich gleich ihr drohendes Rasseln.” Erst nach zwei Stunden hatte er die beiden 1,30 Meter langen Tiere im Sack.

In einem geschäftigen Jahr rücken Harzbecker und seine Leute vom Reptiliendienst bis zu 60 Mal aus. Aus der Einmann-Einheit von vor zehn Jahren ist mittlerweile ein Team aus sechs Reptilien-Bändigern geworden. „Je mehr von unserer Einheit erfahren, desto öfter werden wir alarmiert.” Und zwar von immer weiter her. In ganz NRW fangen sie Tiere ein und klären ängstliche Finder auf - über Gefahren, die oftmals gar keine sind: Giftschlangen-Einsätze gibt es nur etwa einmal pro Jahr. Hat er ein einheimisches Exemplar gefangen, setzt Harzbecker es oft an anderer Stelle wieder aus. „Gerade im Raum Düsseldorf gibt es viele einheimische Schlangen und die Zahl wächst.”

Bei 20 Prozent ihrer Einsätze lauern die Männer anderen „Exoten” auf, zum Beispiel Spinnen. Hysterie kann sich da schon mal in Luft auflösen. Als Harzbecker ausrückte, um in einem Kaufhaus eine vermeintliche Giftspinne aus dem Weg zu räumen, musste er verblüfft feststellen: Der Achtbeiner war aus Plastik.

Manche Reptilien sind aus Terrarien privater Halter ausgebüxt. „Es kommt immer öfter vor, dass Halter keine Ahnung haben, einfach geltungsbedürftig sind.” Ob sie ihre Ausreißer wiedersehen, entscheidet Harzbecker, der die Zustände persönlich prüft. Ein je fünf Meter langes Schlangen-Pärchen lebt heute bei seinem Schwiegervater. Dem Halter hatte es an Geld für Futter und zum Heizen gefehlt. „Das Veterinäramt hat mich bevollmächtigt, alle Tiere weiterzuvermitteln”, sagt Harzbecker.

Verletzte Tiere pflegt er daheim gesund. „Gerade halte ich zwölf Schlangen, eine Schildkröte, einige Frösche und Echsen.” Harzbeckers Frau duldet die Leidenschaft ihres Mannes, ohne sie zu teilen. „Ich gebe ihnen Futter, aber dann ist auch gut”, sagt sie.

Seine Männer bildet Harzbecker im eigenen Wohnzimmer aus. Da kommt es schon vor, dass die Familie mitmischt: Als seine Kollegen mal daran scheiterten, eine Kornnatter per Haken aus einem Becken zu fischen, verblüffte Harzbeckers damals siebenjährige Tochter: „So geht das, ihr Weicheier”, rief die Kleine den Männern zu und griff mit bloßer Hand nach der Schlange.

Der Schlangenfänger von Düsseldorf hat einen Wunsch: Taipane halten, die weltweit giftigsten Schlangen. „Lebensmüde bin ich nicht - um aber auf Einsätzen sicher zu sein, muss ich alle Arten kennen.”
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