Der neue Governor der Rotarier im Distrikt kommt aus Aachen

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Neuer Governor von Rotary: Hans-H. Kasten hat das Amt in diesem Monat für ein Jahr übernommen. Foto: Andreas Gabbert

Aachen. In diesem Monat hat weltweit das neue rotarische Jahr begonnen. Neuer Governor des Distrikts 1810 ist Hans-H. Kasten. Der Jurist gehört seit 2003 dem Rotary Club Aachen-Frankenburg an. Der Distrikt umfasst unter anderem die Regionen Aachen, Düren, Heinsberg, Köln, Bonn, Wuppertal, Remscheid, Solingen, Leverkusen, Koblenz und Trier.

Über die Arbeit und die Ziele von Rotary sprach Bernd Mathieu mit dem neuen Distrikt-Verantwortlichen aus Aachen bei einem Redaktionsbesuch.

Was macht Rotary?

Kasten: Das Motto von Rotary lautet „Service Above Self“. Das steht über dem gesamten Handeln von Rotary: selbstlos dienen. Rotary ist auf dieser Basis eine wertebasierte Freundschaft.

Was heißt das – „wertebasiert“?

Kasten: Rotary hat eine sogenannte Vier-Fragen-Probe. Die spiegelt diese Wertebasis gut wider. Die Fragen lauten: Ist es wahr? Ist es gut für alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen? Damit kann man sehr gut sein tägliches Handeln überprüfen, nicht nur bei Rotary.

Es gibt eine Reihe anderer Serviceclubs, was unterscheidet Rotary von ihnen?

Kasten: Weltweit haben es Serviceclubs schwer, in der Entwicklung der Gesellschaft weiterhin akzeptiert zu sein und sich zu entwickeln. Die zwei größten Serviceclubs, Lions und Rotary, sind weltweit gut etabliert. Beide haben ähnliche Grundgedanken, die in der modernen Gesellschaft immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Früher wollte Rotary ausschließlich Führungskräfte rekrutieren, heute ist man weiter. Es geht darum, interessante Menschen mit Potenzial bei uns zu haben, es müssen nicht immer die Vorstandsvorsitzenden sein.

Den Eindruck, Rotary sei eine relativ geschlossene Gesellschaft ehrenwerter Honoratioren, gibt es aber immer noch.

Kasten: Die Struktur verändert sich. Ich habe das für mein rotarisches Jahr als Governor unter das Motto gestellt „Rotary wird jünger, weiblicher, bunter und fröhlicher.“ Bei diesen vier Akzenten gibt es eine deutliche Veränderung. Früher war man vielleicht 45 oder 50 Jahre alt, wenn man zu Rotary kam, heute werden Mitglieder mit 30 und jünger aufgenommen, vor allem wenn sie aus unserer Nachwuchsorganisation Rotaract, einer der größten Jugendorganisationen der Welt, stammen. Dort scheidet man mit 30 Jahren aus, Rotary will aber das Engagement dieser jüngeren Menschen aufnehmen und ihnen damit auch eine Perspektive innerhalb von Rotary geben.

Endlich nimmt Rotary auch in Deutschland Frauen auf, das hat lange gedauert.

Kasten: Stimmt, früher hat Rotary nur Männer aufgenommen, es ist jetzt etwa 15 Jahre her, dass Rotary in Deutschland sich auch für Frauen geöffnet hat. Die Deutschen haben hier nach wie vor ein großes Entwicklungspotenzial, andere Länder waren da in der Tat sehr viel schneller. In Deutschland sind etwa zehn Prozent der Rotarier Frauen, noch viel zu wenig! Wir wollen jetzt so schnell wie möglich eine Quote von mindestens 20 Prozent erreichen.

Rotary bildet sich viel auf seine Internationalität ein: Ist sie gelebt, oder ist sie nur ein Schlagwort?

Kasten: Sie ist gelebt, eindeutig. Aber es passiert bei Rotary nichts, was nicht lokal im Club am Ort passiert. Beides muss man kombinieren. Wir haben viele Engagements über die Grenzen hinaus. Das betrifft nicht nur die Kontakte der Funktionäre, sondern vor allem die vielen caritativen Projekte.

Es gibt zahlreiche Kontakte deutscher Clubs mit ausländischen Clubs. Unsere ältesten Austauschprogramme laufen mit Frankreich. Diese Entwicklung begann schon unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg, da gab es bereits die ersten Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Clubs.

Wie arbeitet Rotary lokal?

Kasten: Die Region Aachen ist ein sehr erfolgreiches Beispiel. Hier gibt es sechs aktive Rotary-Clubs. Die Clubs denken gemeinsam über bürgerschaftliches Engagement nach, etwa in der Flüchtlingshilfe mit sehr vielen und sehr wirksamen Initiativen. Der Aachener Oberbürgermeister hat das kürzlich in einem eigenen Empfang für Rotary gewürdigt.

Die Internationalität geschieht über die Foundation, hier werden Spenden für internationale nachhaltige Projekte gesammelt.

Kasten: Diese Stiftung ist ein besonderer Stolz der rotarischen Organisation. Die Foundation wird in diesem rotarischen Jahr 100 Jahre alt. Die Foundation hilft uns, internationale Hilfe zu organisieren. Die wesentliche Frage lautet, in welchen Bereichen man nachhaltig wirken kann. Neben der jährlichen Zustiftung der Clubs zur Foundation machen wir Aktionen, um zusätzlich Geld einzusammeln, zum Beispiel Konzerte und ähnliche Initiativen, um international in einem Partnerland helfen zu können.

Dafür kann man dann bei der Foundation zusätzliche Unterstützung abrufen. Die Aachener Clubs haben 30.000 Euro für ein konkretes Projekt mit den „Aachener Händen“ für die Flüchtlingshilfe gesammelt, und mit der Unterstützung der Foundation und ausländischer Partnerclubs sind daraus 120.000 Euro geworden, die hier in Aachen investiert werden. Ein hervorragendes Ergebnis! Außerdem gibt es Projekte, die wir mit Mitteln des Distriktes unterstützen.

Die deutschen Rotarier liegen bei den Spenden für die Foundation weit hinter den Amerikanern.

Kasten: Man kann das nicht unmittelbar vergleichen. Die Amerikaner stiften nur an die Foundation, wir spenden an die Foundation und an lokale gemeinnützige Vereine. Es gibt in fast jedem Club einen Hilfs- oder Sozialfonds. Aber selbst ohne Berücksichtigung dieser Spenden sind wir international immer unter den ersten zehn Ländern der Welt gewesen.

Welche Projekte gibt es international?

Kasten: Das Spektrum ist groß, es reicht von der Bekämpfung der Muttersterblichkeit bis zu umfangreichen Bildungsinitiativen. Und es gibt viele einzelne Projekte, die vom Distrikt ausgesucht und dann gezielt gefördert werden.

Was macht ein Distrikt-Governor außer, dass er „seine“ rund 80 Clubs besucht?

Kasten: Die wichtigsten Ämter, also Weltpräsident, Governor und Clubpräsident, wechseln jährlich. Man kann in diesem einen Jahr konzentriert viele Ideen einbringen und schon in der Vorbereitung dafür Weichen stellen. Das ist ein Vorteil. Aber es bedeutet eben auch, dass jedes Jahr die Personen und damit die Ideen wechseln.

Der Governor hat zum einen die Aufgabe, das Motto des Weltpräsidenten („Rotary hilft Menschen“) in die Region zu vermitteln, zum anderen die Anliegen der Clubs in die rotarische Organisation zu tragen. Natürlich versucht der Governor auch, die eigene Ideenwelt zu propagieren und umzusetzen, da lautet mein Motto, wie eben gesagt: „Jünger, weiblicher, bunter, fröhlicher.“ Da ist noch einiges zu tun!

„Polio Plus“, die Bekämpfung der Kinderlähmung, ist seit vielen Jahren ein ganz wichtiges Ziel von Rotary International. Hier ist schon sehr viel erreicht worden, wie ist das gelungen?

Kasten: Es gibt da viele Leute, die mit besonderer Empathie und mit besonderer Begeisterung das Thema vorantreiben. Unser jetziger Weltpräsident John Germ war der Welt-Polio-Beauftragte von Rotary. Sein Vater erkrankte als Erwachsener an Kinderlähmung. Auch wenn Polio noch nicht endgültig ausgerottet ist, war unsere bisherige Arbeit ein Erfolg. Rotary hat sich als erstes um die Philippinen gekümmert, dort konnte innerhalb von vier Jahren Polio beseitigt werden. Das hat uns den Mut gegeben, auch andere Länder anzugehen.

Viele Länder sind nicht mehr betroffen.

Kasten: Ja, es gibt jetzt nur noch zwei: Afghanistan und Pakistan. Wir haben inzwischen über eine Milliarde Dollar investiert. Und wir werden seit einiger Zeit von der Melinda- und Bill-Gates-Stiftung unterstützt. Die Stiftung gibt für jeden Dollar, den Rotary zahlt, zwei dazu. Das ist so etwas wie ein Qualitätssiegel für unsere Aktion.

Welche besonderen Ziele setzen Sie sich für Ihr rotarisches Jahr im Distrikt?

Kasten: Ich habe mir ein internes Ziel gesetzt, alle Clubs dazu anzuhalten, ein Strategieprojekt zu machen und über ihre Zukunft nachzudenken nach der Devise: Wo will mein Club in zehn Jahren stehen? Ich möchte die Jugendarbeit von Rotary strukturell aufwerten.

Wir tun ganz viel aus altruistischen Motiven, wir schicken junge Leute im Schüleraustausch in die ganze Welt, es gibt Seminare, in denen gute Ideen entwickelt werden, wir machen Rhetorik-Seminare, wir haben eine Nachwuchsorganisation. Wir sollten in einem Zeitstrahl zeigen, dass diese Dinge die Entwicklung junger Menschen fördern und sie irgendwann Rotarier werden, statt sie zu verlieren.

Und die Flüchtlingshilfe spielt eine große Rolle.

Kasten: Zum ersten Mal überhaupt haben alle deutschen Governors ein gemeinsames Schwerpunktthema in der Gemeindienstarbeit. Wir wollen das Thema Flüchtlingshilfe weiter hoch halten. Dieses Engagement darf nicht ermüden, Rotarier sind besonders geeignet, nachhaltig zu arbeiten und sich weiterhin darum zu kümmern.

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