Der neue Bischof?„Kein Paradiesvogel, keine graue Maus“

Von: Sabine Rother
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Bischof Sitz Stuhl Dom
Wer wird der nächste Bischof von Aachen, der diesen Sitz in der Chorhalle des Aachener Doms einnimmt? Alle sind gespannt.

Aachen. „Gesucht: Ein neuer Bischof für das Bistum Aachen“ – und alle dürfen bei der Suche helfen, zumindest ein bisschen. Nachdem Bischof Heinrich Mussinghoffs Rücktrittsgesuch von Papst Franziskus angenommen wurde, wird die Frage der Nachfolge überall im Bistum heftig diskutiert.

In einem eigenen Internetportal hat bis Dienstag der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen Meinungen gesammelt, zu Kommentaren ermuntert und damit ein vielschichtiges Stimmungsbild gezeichnet. Zusätzlich hat Dompropst Manfred von Holtum als Vorsitzender des Domkapitels an 173 Menschen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kirche und Kultur geschrieben und sie um ihre Meinung gebeten. Post kommt außerdem aus den Bistümern des Preußenkonkordats – die Bischöfe von Köln, Paderborn, Münster, Essen, Trier, Limburg, Osnabrück und Hildesheim werden Stellungnahmen abgeben

Alle Antworten und Äußerungen werden von Domkapitel und Diözesanrat ausgewertet und zu einem Bericht zusammengefasst, den die päpstliche Nuntiatur in Berlin zur Weitergabe nach Rom erhält. „Uns ist es wichtig, den gleichen Weg zu gehen, den bereits Bischof Klaus Hemmerle ging und den Bischof Heinrich Mussinghoff fortsetzte“, betont Lutz Braunöhler, Vorsitzender des Diözesanrates. „Der Begriff der Weggemeinschaft behält Bedeutung.“ Was sich der Diözesanrat wünscht, kann Braunöhler spontan sagen: „Einen Bischof der Freiräume gewährt, der es möglich macht, Neues auszuprobieren, der das Ohr bei den Christen vor Ort hat und neue Ideen mitbringt.“

Deshalb heißt es in der kleinen Anleitung im Internet: „Helfen Sie mit, wieder einen neuen guten Hirten und Wegbegleiter für das Bistum zu finden.“ Das ließen sich die Menschen im Bistum nicht zweimal sagen und lieferten zum Teil tiefsinnige, aber auch erfrischende, heitere, menschliche und durchweg hoffnungsfrohe Gedanken.

Einig sind sich die Schreiber nur in einer Sache nicht so ganz: Soll der neue Bischof nun jung oder schon reiferen Alters sein? „Ich wünsche mir einen jungen, motivierten Bischof für Aachen, der ein starker Hirte seines Bistums ist“, meint ein Schreiber, der denkt, dass so ein Bischof die Jugend wieder stärker begeistern könne.

Erfahrung und Bodenständigkeit, „theologische und menschliche Reife“, den Blick für das Wesentliche und das Geschick, die Priester in den Gemeinden von belastenden Verwaltungsaufgaben zu befreien – das sind Gaben, die man sich von einem älteren Kandidaten erhofft. „Er sollte darauf achten, dass unsere jüngeren Priester nicht in den großen Pfarren verheizt werden“, fordert eine Schreiberin, die sich „mehr Laien für reine Verwaltungsaufgaben“ vorstellen kann. Dann wieder sollte es ein Oberhirte sein, der „klare Kante“ zeigt, der „medienaktiv“ und schlicht ein „Bischof zum Anfassen“ ist.

Eine „gehörige Portion Humor“ und „Verständnis für das Wesen und die Kultur der Rheinländer“ stellen sich viele vor. Mitglieder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg Karlsgau Aachen, die dem neuen Bischof jetzt bereits ihre aktive Unterstützung anbieten, vergleichen den möglichen Kandidaten mit dem „wärmenden Licht des Lagerfeuers“, um das sich viele junge Menschen versammeln, „feiern, trauern, sich austauschen“.

Ein weiteres wichtiges Stichwort ist die Basis, der Besuch in den Gemeinden, das offene Gespräch, das Hinhören. „Realismus und Idealismus können wunderbare Freunde werden“ heißt es im Internet, wo die Menschen nicht nur an sich, sondern gleichfalls an die Person denken, die solch ein hohes Amt übernimmt: „Möge seine christliche Berufung als Bischof ihn mehr und mehr erfreuen“.

Reformorientiert und doch spirituell, ein Bischof, der in der „Diskussion zum Umgang mit Homosexuellen und Geschieden-Wiederverheirateten“ mitspricht. Ferner sollte er gegen „alte Zöpfe“ vorgehen, Menschen am Rande der Gesellschaft unterstützen, sich dem Dialog mit anderen Glaubensgruppen widmen und dabei Flüchtlingsfragen nicht aus dem Weg gehen. Am besten – und das denken viele in langen und kurzen Beiträgen – wäre ein Geistlicher, der Papst Franziskus in Wesen und Wirken möglichst stark gleicht.

So mancher hat beim Nachdenken auch in der Bibel geblättert und beim 1. Brief des Paulus an Timotheus (kurz: 1. Timotheus) Konkretes zum Charakter eines Bischofs gefunden, unter anderem Empfehlungen wie „...er sei kein Trinker und kein gewalttätiger Mensch, sondern rücksichtsvoll; er sei nicht streitsüchtig und nicht geldgierig...“. Der neue Bischof darf „nicht ängstlich“ sein, soll „kein selbstdarstellender Paradiesvogel sein, aber auch kein graues Mäuschen“ und – wie gesagt – er braucht eine „gehörige Portion Humor“.

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