Der neue alte Buschtunnel entsteht

Von: Marlon Gego
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Noch sieht es so im alten Buschtunnel aus: Für 16,5 Millionen Euro wird der älteste Eisenbahntunnel Deutschlands jetzt renoviert. Foto: Ulrich Simons

Aachen. Die Freunde flacher Witze hatten leichtes Spiel. Der Minister war verspätet, der Beginn verzögerte sich, die ersten wurden ungeduldig. „Verspätung! Was haben Sie denn erwartet”, krakelte also einer in die Menge, „wir sind auf einer Veranstaltung der Deutschen Bahn.” Verhaltenes Gelächter, dann kam der Minister auch schon vorgefahren.

Am Montagmittag hat die Deutsche Bahn die Arbeiten zum Ausbau des Buschtunnels aufgenommen, der im Aachener Süden gewissermaßen das Tor nach Belgien darstellt - oder von Belgien kommend das Tor nach Deutschland.

Weil der 1843 fertiggestellte Buschtunnel der älteste Eisenbahntunnel Deutschlands ist, hat man ihm 2007 gleich nebenan schon den neuen Buschtunnel zur Entlastung zugesellt.

Und jetzt wird der alte selbst ertüchtigt, im Dezember 2010 soll sein Inneres zeitgemäßen Tunnelmaßstäben entsprechen. Dann fahren die aus Belgien kommenden Züge durch den dann wieder belastbaren alten, die aus Deutschland kommenden Züge durch den neuen Buschtunnel, und zwar mit 160 Kilometern pro Stunde statt wie bislang im Schneckentempo.

Das 16,5 Millionen Euro teure Projekt wird von Bund (14 Millionen) und EU (2,5 Millionen) bezahlt, Gegenwert: 30 Minuten. Laut DB-Netz-AG-Vorstand Oliver Kraft sollen durch die modernen Tunnel als Schlussstück des Ausbaus der Hochgeschwindigkeitsstrecke 30 Minuten zwischen Köln und Paris gewonnen werden, die Fahrzeit würde ab Dezember 2010 nur noch dreieinviertel Stunden betragen (von Aachen aus: etwa zweieinhalb Stunden).

NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) erklärte freudig, nachdem er doch noch eingetroffen war, mit dem Buschtunnel werde „ein weiteres Stück Infrastruktur in NRW begonnen”.

Überhaupt reise er, gemeinsam mit dem ebenfalls anwesenden Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Achim Grossmann (SPD), „in den letzten Wochen von Spatenstich zu Spatenstich”, was ihn zum Zeugen einer wachsenden Infrastruktur im Land mache, sagte Lienenkämper, bevor er „der Maßnahme einen guten Verlauf” wünschte.

Zum Verfahren erklärte Oliver Kraft, das gesamte Buschtunnelgewölbe werde aufgebrochen und abtransportiert, was 1700 Kubikmetern Bauschutt entspräche. 4000 Quadratmeter Spritzbetonschale, „soviel wie 40 Tennisplätze”, würden an den Wänden aufgebracht, 1000 Tonnen Stahl verarbeitet, „soviel wie in einem 700 Meter langen Güterzug”.

Am Ende schoben die Honoratioren symbolisch den ersten Bauschutt in Schubkarren aus dem Tunnel und lächelten. Dazu knallte Elvis Presleys „Viva Las Vegas” aus der Beschallungsanlage, was die Freunde flacher Witze wieder auf den Plan rief. Verstanden hat man sie in all dem Lärm nicht.
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