Der neue Aachener Tivoli: Mehr als nur Fußball

Von: Bernd Büttgens
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Setzen auf einen reibungslosen Innenausbau: Architektin Silke Pabelick, Möbelhändler Thomas Mathes und Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer.Zeichnungen: a.s.h./Alemannia; Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auf dem Papier sieht das Filetstück dieser nun schon so oft thematisierten Neuerung einladend und vielversprechend aus. Vom neuen Tivoli ist also die Rede, und der Fokus richtet sich diesmal, nein, nicht auf den Rasenplatz, auf dem sich so vieles entscheiden wird, sondern auf die Ausstattung des Business- und Logenbereichs.

Denn auch hier wird sich ein Stück weit zeigen, wie erfolgreich die Alemannia mit ihrem neuen Stadion starten wird.

Wir schauen auf den Kalender und wissen, dass am 17. August das Eröffnungsmatch gegen den FC St. Pauli ansteht. Wie kann es also sein, dass die Innenausstattung des besagten, der Soers zugewandten Bereichs noch nicht in natura zu besichtigen, sondern nur auf Architektenzeichnungen zu sehen ist? Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer bleibt gelassen: 4. bis 13. August stehe auf dem Baukalender, sagt er. Für die 50 Handwerker vom Innenausbau und die 20 Leute des Möbellieferanten reiche das aus. Müsse das reichen...

Silke Pabelick lächelt, Thomas Mathes auch. Die Innenarchitektin vom Kölner Büro a.s.h., das für die Alemannia den Look des neuen Tivoli-Businessbereichs entworfen hat, weiß, dass die edle Ware, die hier verbaut wird, gut vorbereitet in Werkstätten der Region bereit liegt. Und Mathes, der als Aachener Unternehmer den Zuschlag für die Möblierung erhalten hat, rechnet hoch: „1360 Sitzplätze, 400 Tische, Lounge Möbel und diverse Kleinteile - alles parat. Es wird eng, aber es geht.”

Eins der bestgehüteten Geheimnisse des neuen Tivoli wird nun an dieser Stelle gelüftet: So sieht der Bereich aus, in dem nicht nur Businesskunden und Ehrengäste, Sponsoren und Logengäste den Spieltag in vollen Zügen genießen können, sondern der auch wandlungsfähiger und multifunktionaler Austragungsort für Veranstaltungen aller Art sein kann. Frei nach dem Motto: Tivoli ist mehr als nur Fußball.

Die Innenarchitektin aus Köln hat mit ihren zwei Partnerinnen und Team die drei Ebenen des Businessbereichs entworfen. Ein Satz von Silke Pabelick: „Die Aufgabe ist anspruchsvoll, weil wir die Emotionalität dieses engen, lauten, steilen und gelben Stadions auch in unsere Arbeit aufnehmen wollen.” Wertig soll es sein und doch dem bodenständigen Thema Fußball verbunden.

Ebene 1: Die Besucher des VIP-Bereichs entern vom Parkhaus kommend das Stadion über den Haupteingang und betreten erstmalig den Messingbodenbelag, mit dem der auf Bauinnovationen spezialisierte Würselener Unternehmer Gerd Pleyers die ihm gestellte Aufgabe löste: Gelb sollte der Boden in diesem Bereich sein, schwarz in anderen, die insgesamt 3500 Quadratmeter Komfortbelag sollten aber bitte nicht einfach und einfallslos daliegen. So beschichtete Pleyers einen Spezialestrich mit feinsten Metallpartikeln, die nun in schwarzer und goldener Optik für einen außergewöhnlichen Auftritt sorgen sollen.

Alemannia-Wappen am Boden, Tresen und Counter für die Einlasskontrollen an den Seiten, zur rechten Hand das Kinderland, in der Alemannia-Nachwuchsfans ab drei Jahren während des Spiels betreut werden können, schließlich auf der linken Seite der Weg ins gläserne Treppenhaus.

Ebene 2: Die mittlere Ebene schafft den Zugang zu den 1400 Businesstribünenplätzen. Und diese Gäste wollen außerhalb der 90 Minuten gut bewirtet werden. „Das innenarchitektonische Herzstück dieser Etage ist die zentrale Bar”, schwärmt Silke Pabelick. Ein bisschen Glamour, ein bisschen Luxus, vor allem aber Modernität hat sich das a.s.h.-Team zur Aufgabe gestellt. Schließlich wisse man doch heute, wie sehr sich auch das Publikum im Fußballsport geändert habe. „Viele Frauen sind unter den Gästen, das Publikum legt Wert auf guten Standard.” Und den wird es hier finden. „Der Anspruch war von vorneherein: Der VIP-Bereich soll nicht aussehen wie eine Großkantine, in diesem Bereich sollen sich die Besucher wohlfühlen”, sagt Mathes.

Das wird der Alemannia wohl gelingen, denn die große Fläche ist in viele spannungsreiche kleinere Bereiche unterteilt. Die Tische sind weiß, praktisch und schnörkellos, mal flach, mal hoch, sie sind jeweils aus einem Stück geschnitten und bilden einen scharfen Kontrast zum dunklen Boden, zur Beleuchtung in zeitlosem Chrom und zu den Sonderleuchten an der Decke in schwarzem Lack.

Gebrochen wird diese Optik durch Akazienparkettbänder, die den schwarzen Edelstahlboden kreuzen und zum Teil in Ausbauelemente übergehen, die erstens den Raum optisch teilen und zweitens den schönen Effekt haben, einem Strandkorb zu ähneln, in den man sich zum vertraulichen Gespräch zurückziehen kann.

Der zentrale Treffpunkt in Ebene 2 mit der Theke im Zentrum und freiem Blick auf den grünen Rasen sei, sagt Geschäftsführer Kraemer, auch für Veranstaltungen bis zu 500 Personen außerhalb eines Spieltags interessant.

Das gilt im übrigen auch für die beiden Räume an den Außenseiten der zweiten Etage - also für die Lounges im Süden und Norden. Jeweils 370 Quadratmeter groß, auf dem Bauplan jeweils für 148 Steh- und 128 Sitzplätze ausgewiesen. Eine Kaffeebar ist auf der einen Seite vorgesehen, hochwertig ausgestattet. Von der Soers aus betrachtet wirken diese Bereiche wie Schubladen, die aus dem Stadion herausgezogen werden. Von innen dann in die Soers blickend freut sich jeder Romantiker auf den Sonnenuntergang über Holland. Auf der anderen Seite haben die Planer sich auch etwas einfallen lassen: In einem 14 Meter breiten Leuchtkasten werden Bilder vom alten Tivoli die Erinnerung an diese Ära wachhalten.

Ebene 3: Die 28 Logen (22 sind bislang vermietet) sind mit zehn bis zwölf Sitzplätzen ausgestattet. Zwei Doppellogen (eine sogar mit integrierter Bar) und zwei Glaslogen jeweils am Rand sind noch einmal besonders ausgestattet. Doch auch die Standardvariante kann sich sehen lassen. Mathes spricht von hochwertigen Möbeln, die Sesselstühle mussten sich zahlreicher Sitzproben unterziehen, bevor die Entscheidung fiel. Schwarzer Teppichboden, eine bronzefarbene, gepolsterte Bank, eine kleine Zapfanlage, der Tisch aus einem neuen Material, das Printwood heißt und eine industriell versiegelte Holzfurnieroberfläche vorzuweisen hat. Zum Spiel nimmt man dann auf dem Logenbalkon Platz.

„Wir wollten den Logengästen aber auch die Möglichkeit geben, sich außerhalb ihres Bereichs zu bewegen und dort anderen Gästen zu begegnen”, so Silke Pabelick. Zweckmäßig schicke Lösung, die lediglich ein paar Schritte weit entfernt jenseits des Logenflurs liegt: zwei exquisite Restaurants, eine so genannte Skybar und zwei Lounges, die ungestörte Gespräche ermöglichen.

Für zehn Tage Einbauzeit reichlich Arbeit, denkt der Laie.

Standard irgendwo zwischen vier und fünf Sternen

Im VIP-Bereich sind die Standards nicht nur gut, sie sind gehoben. Silke Pabelick, die auch auf die Ausstattung anspruchsvoller Hotels zurückblicken kann, rechnet um: „Gemessen an Hotelkategorien bewegen wir uns beim Tivoli zwischen vier und fünf Sternen.”

Alemannia-Geschäftsführer Kraemer gefällt die Ausstattungsvariante, und er hat sich mit Projektleiter Stephan van der Kooi, verantwortlich für den Stadionbau, dafür stark gemacht, die Innenausstattung aus dem Gesamtpaket, das Generalunternehmer Hellmich geschnürt hat, herauszulösen. „Der Prozess war nicht einfach, die Gespräche waren intensiv, aber es hat sich gelohnt”, sagt der Geschäftsführer. Am Ende soll ein individueller Tivoli-Look die Mühen krönen.

Tatsächlich hat der Schritt in die gehobene Ausstattung einen doppelten Sinn. „Zunächst wollen wir den Alemannia-Partnern den bestmöglichen Komfort für den Spieltag bieten”, sagt Kraemer. Aber man habe eben auch die Zweitverwertung der Räume im Blick. Voller Vertrauen setzt die Alemannia auf den Markennamen Tivoli, der inzwischen sogar den Trikotkragen der Lizenzspieler ziert. Kraemer: Wir wollen den Tivoli nicht nur als die Kultspielstätte der Alemannia positionieren, sondern auch als Business-Event-Center.” Eine entsprechende Abteilung der Alemannia GmbH, von Markus Krieger geleitet, wird sich voll auf dieses Geschäft konzentrieren.

In direkter Absprache mit Caterer Josef Meyer will man sich auch außerhalb der Spieltage flexibel zeigen: vom Stehempfang und der einfachsten Versammlung, bei der es Bier und Häppchen gibt, bis zum 5-Gänge-Menü im Logenrestaurant auf Ebene 3, von der Kleinkonferenz mit zwölf Logengästen bis zur Gesamtbelegung des gesamten Businessbereichs mit 2000 Gästen.

Meyer bewirtet übrigens auch die neue Fankneipe auf der der Krefelder Straße zugewandten Seite. Auch hier will die Alemannia bei der Ausstattung nicht sparen. Der Name der Kneipe widerspricht dem nicht, ist vielmehr in Aachen immer dann Programm, wenn es um die Alemannia geht: „Klömpchensklub” heißt der Fan-Treff.

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