Düsseldorf - Der Mundschutz bleibt in Dyusseru im Schreibtisch

Der Mundschutz bleibt in Dyusseru im Schreibtisch

Von: Iris Schmellenkamp, dpa
Letzte Aktualisierung:
Schweinegrippe
Eine Familie verlässt die japanische Internationale Schule in Düsseldorf. Über 30 Kinder der japanischen Schule in Düsseldorf haben sich mit der Schweinegrippe angesteckt. Foto: dpa

Düsseldorf. Auf den Straßen des japanischen Viertels in Düsseldorf herrscht üblicher Freitagsbetrieb. Kaum jemand trägt einen Mundschutz, die Geschäfte haben geöffnet. Wataru Okuma, der in einem Büro in den Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs arbeitet, hält solche Vorsichtsmaßnahmen noch nicht für nötig.

„Wenn in in meiner Umgebung jemand angesteckt ist, dann trage ich vielleicht einen Mundschutz”, sagt der Mann.

Fast 8000 Japaner leben in „Dyusseru”, wie die Japaner sagen. So viele wie nirgendwo sonst in Deutschland. Die Schule der japanischen Kolonie ist seit Donnerstag bundesweit bekannt. Mindestens 46 Kinder haben sich mit der Schweinegrippe angesteckt. Die Schule bleibt bis Ende kommender Woche geschlossen, die infizierten Kinder und ihre Eltern müssen zu Hause bleiben.

Rund um die Düsseldorfer Immermannstraße, wo sich viele japanische Geschäfte und Restaurants angesiedelt haben, ist von der Aufregung an der Schule wenig zu spüren. Vor einem Bürohaus steht ein Japaner und raucht eine Zigarette. Sein Mundschutz liege in seinem Schreibtisch, sagt er. Ihn aufzusetzen sein noch nicht nötig. Um seine Kinder sorgt er sich aber schon: „Die sollen so oft wie möglich im Haus bleiben.”

Norbert Schönfeld und seine Frau Tomoe denken ebenfalls an ihre kleinen Kinder. Seit ihre in Japan lebende Mutter berichtet hat, dass dort ein Kind an der Schweinegrippe gestorben ist, sorgt sich Tomoe Schönfeld. Sie trägt jetzt immer ein Desinfektionstuch bei sich. „Aber einen Mundschutz würde ich erst dann tragen, wenn es empfohlen wird”, betont ihr Mann.

Kai Schubert betreibt im Viertel ein Möbelgeschäft, in das auch viele Japaner kommen. Trotzdem macht sich der 28-Jährige keine Gedanken um seine Gesundheit: „Die Japaner sind ja sehr vorsichtig in Sachen Hygiene.”

An der Internationalen Japanischen Schule in Ortsteil Niederkassel gehen unterdessen die Tests der Schüler und ihrer Eltern weiter. Hier tragen alle Mundschutz. Mitarbeiter des Gesundheitsamts nehmen in der Turnhalle Proben aus den Nasen von Kindern und Erwachsenen. Das Testmaterial wird in die Düsseldorfer Uniklinik und in ein privates Labor gebracht. Mehrere hundert Tests sind nötig. Für jeden einzelnen muss die Stadt Düsseldorf 102 Euro bezahlen.

Ganze Familien müssen nun mindestens eine Woche in Quarantäne zu Hause bleiben. Das japanische Generalkonsulat arbeitet auf Hochtouren. „Wir liefern den Familien wichtige Medikamente nach Hause”, hat ein Konsulatssprecher zugesagt. Auch die japanische Gemeinde will helfen.

Das Auftreten der Schweinegrippe ist mitten in die Vorbereitungen des traditionellen Japanfests in der Landeshauptstadt geplatzt. Mehrere hunderttausend Besucher kommen jedes Jahr an den Rhein, um japanische Kultur und Lebensart zu entdecken. Ein großes Feuerwerk ist stets der Höhepunkt. Eine Absage komme nicht in Betracht, hat Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) schon am Donnerstag versichert. Der Chef des Gesundheitsamts, Heiko Schneitler, stützt die Entscheidung. Das Fest könne bedenkenlos durchgeführt werden, da die Infizierten nicht zu den Veranstaltungen kämen. Vorführungen der Schüler wurden allerdings abgesagt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert