Mainz - Der Maschinist auf der Mainzer Kommandobrücke

Der Maschinist auf der Mainzer Kommandobrücke

Von: Manfred Kistermann
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Der Herr der Grünen Hölle: ZDF-Produktionsdirektor Dr. Andreas Bereczky, der in Mainz arbeitet und in Eschweiler wohnt, im neuen Nachrichtenstudio. Hier stehen zwei Kameraroboter (l.), für spezielle Aufgaben wie Testsendungen können aber auch herkömmliche Aufnahmegeräte eingesetzt werden. Foto: Manfred Kistermann

Mainz. Da zeigt sogar ein Fernsehstar Respekt: Die ZDF-Nachrichtenikone Claus Kleber kommt mit offenen Armen auf den Besucher zu, so, als ob er ihn gleich an seine Brust drücken möchte. „Mein Direktor”, begrüßt der Moderator den Mann, der sofort abwiegelt und meint: „Ich bin hier doch nur der Maschinist.”

Bescheidenheit ist im Gewerbe eitler Fernsehgewaltiger selten. Für Dr. Andreas Bereczky ist sie selbstverständlich. Seine Auftritte sind leise, unspektakulär. Aber überall, wo er auf dem Mainzer Lerchenberg, dem Sitz des Zweiten Deutschen Fernsehens, auftritt, schlagen ihm Sympathie, Freundlichkeit und Respekt entgegen.

Dabei ist der „Maschinist”, der immer noch seinen Wohnsitz in Eschweiler hat, einer der Ersten Offiziere in Mainz. Wo der Intendant Markus Schächter das Kommando hat, ist Andreas Bereczky der Herr der Technik. Sein offizieller Titel im Gremium der Geschäftsleitung lautet „Produktionsdirektor”. Was sich so banal nach Frühstücksjob anhört, ist in Wahrheit Knochenarbeit - allerdings auf hohem Niveau.

Höher hinaus geht es nicht. In der 14. Etage des Verwaltungshauses am Lerchenberg hat Andreas Bereczky sein Büro, ausgestattet mit einem großen Konferenztisch und einem noch größeren TV-Bildschirm - neben ein paar kleineren. Was über die Mattscheiben huscht, dient nicht zur Unterhaltung des Direktors, er benutzt die Bilder eher zur Qualitätskontrolle. Nicht der Inhalt der Sendung ist sein Beobachtungsobjekt, die Sendequalität muss stimmen.

Der Direktor ist Herr über fast 2800 feste und freie Mitarbeiter. Kameramann oder Cutterin, Elektriker oder Computerspezialistin, Kabelschlepper oder Sendetechnikerin, alle, die zum Produzieren und Senden nötig sind, hören auf sein Kommando.

An der KFA promoviert

Seit genau sechs Jahren ist der promovierte Maschinenbauer, der an der RWTH Aachen Flugzeugbau studierte, in Jülich an der KFA seine Doktorarbeit machte und der später viele Jahre in einem Aachener Computersystemhaus als Geschäftsführer wirkte, in Mainz beim ZDF. Seine Karriere ist ungewöhnlich. Geboren 1953 in Budapest, kam er mit 21 Jahren nach Aachen, hatte zu dieser Zeit schon eine Lehre als Autoelektriker und Flugzeugmechniker absolviert und sein Fachabitur in der Tasche. Luft- und Raumfahrttechnik war seine Leidenschaft.

Am Ende des Studiums lockte ein Angebot von Airbus, das der gebürtige Ungar gerne angenommen hätte. Doch noch herrschte seinerzeit der Kalte Krieg, und ein Mann aus dem Ostblock war einigen in der Luftfahrtindustrie, die zudem auch noch Rüstungsgüter herstellte, ein Dorn im Auge. Also kein Job für den Ingenieur aus dem Osten beim Flugzeugbauer im Westen. Stattdessen heuerte er als Leiter der Systemberatung einer Computerfirma in Köln an, kurze Zeit später aber landete er wieder in Aachen, wo er 15 Jahre lang bei debis Systemhaus GEI die Geschäfte von verschiedenen Unternehmensbereichen führte.

Den Weg zum ZDF ebnete ihm Intendant Markus Schächter, der einen Mann für die Zukunft suchte. TV-Technik im Zeichen von Digitalisierung, HDTV und andere Neuerungen sollen gemeistert werden. „Im Spannungsfeld zwischen Qualität und ökonomischer Ausrichtung in einem sich verändernden Markt unter scharfen Wettbewerbsbedingungen”, wie es offiziell beim ZDF heißt, kann Produktionsdirektor Bereczky seither seine Erfahrungen aus der Industrie erfolgreich ausspielen. Seit Beginn des neuen Jahres läuft die jüngste Qualitätsoffensive technischer Art beim ZDF: der Start der HDTV-Regelausstrahlung, die ab Beginn der Übertragung der Olympischen Winterspiele im Februar vorgesehen ist.

Das jüngste technische Meisterwerk des Maschinisten und seines Teams aber ist gerade mal ein halbes Jahr alt: Das neue Studio, aus dem täglich die „Heute”-Sendung und das „Heute-Journal” gesendet werden. Hier verlesen auf 700 Quadratmetern Grundfläche an einem futuristisch anmutenden Moderationstisch täglich Kleber und Co. Nachrichten, während sich im Hintergrund aus einer virtuellen Welt Dinge auftun, die den Zuschauer fesseln sollen. „Wir möchten unsere Erklärkompetenz stärker herausstellen”, betont der Produktionsdirektor. Der Einsatz der dreidimensionalen Techniken (3-D) soll Zusammenhänge besser und verständlicher darstellen. Aber: „Von ganz entscheidender Bedeutung ist, dass die Vermittlung von Nachrichten im virtuellen Raum nicht an Glaubwürdigkeit verliert”, betont Bereczky.

Das neue Studio wird intern gerne die „Grüne Hölle” genannt. Denn giftgrün sind die Wände, von der Decke hängen lianenartig hunderte Scheinwerfer, die computergesteuert für das richtige Licht sorgen. Die grelle Farbe ermöglicht es, andere Hintergründe elektronisch einzuspielen. Damit wird die völlig andere Art der Präsentation erreicht.

Anfangs habe es den Zuschauer schon ein wenig verwirrt, wie die Moderatoren sich und ihre Nachrichten im neuen Studio präsentierten, gesteht der Produktionsdirektor. „Wir sind in den meisten Familien Teil des Wohnzimmers. Da kommt plötzlich ein neues Möbelstück in die gute Stube. Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen”, sagt Bereczky, der nicht verschweigt, dass es Beschwerden beispielsweise wegen zu kleiner Schriften oder zu schneller Abfolgen gegeben habe. Man habe sie sehr ernst genommen, und sie führten zu kleinen Korrekturen des Auftritts.

Für den Techniker ist aber auch klar, dass der neue Auftritt nur der Beginn einer großen Veränderung in der TV-Welt ist: „Wir stehen erst am Anfang. Wir haben jetzt einen Werkzeugkasten, der weitere Schritte erlaubt, Fernsehen noch informativer und zukunftsorientierter zu machen.” Ein erklärtes Ziel beim ZDF ist die dichtere Verknüpfung mit dem Internet.
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