Der Mann mit dem Überblick: Michael Müller agiert hinter der Bühne

Von: Stefan Schaum
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Alles im Griff: Michael Müller sorgt bei der Alsdorfer Prinzengarde dafür, dass auf der Bühne alles reibungslos läuft. Foto: Stefan Schaum
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Action: Beim Tanz der Alsdorfer Prinzengarde geht es hoch her – wie hier bei der Sitzung 2014.

Region. Rampensäue sehen anders aus. Jedenfalls nicht wie Michael Müller. Den zieht es garantiert nicht auf die Bühne. Sein Platz ist dahinter, und das findet er auch gut. Am liebsten ist ihm ohnehin, wenn ihn gar keiner sieht. Denn dann ist klar: Der Laden läuft.

Müller, 58 Jahre alt und gestandenes Mitglied der Alsdorfer Prinzengarde, sorgt bei den närrischen Sitzungen dafür, dass alles und jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Ein leichter Job? Ist es nicht immer.

Vier Mal pro Session zieht die Prinzengarde ihre Sitzung in der Alsdorfer Stadthalle auf. Für Michael Müller bedeutet das einen ganzen Haufen Zettelchen. Geht es um die akribische Vorbereitung der Show, ist er nämlich altmodisch. „Ich notier’ mir gerne alles auf Papier, dann finde ich es im Ernstfall auch schnell wieder.“

Er ist bereits zur Stelle, wenn die ersten Bühnenproben laufen. Dann schreibt er nicht bloß auf, welche Gruppe wann auf der Bühne stehen soll, sondern auch, welche Dinge sie so braucht. Wer bekommt welches Mikro, und wie laut muss es eingestellt sein? Welcher Ständer steht an welchem Platz? Und braucht es noch andere Dinge: Stühle, Requisiten, Kostüme? Da kommt viel in Frage – und Müller hält es alles fest. Alles wird nummeriert, es gibt Pläne, Skizzen. Haufenweise. Dabei den Überblick zu behalten, ist schon eine Kunst.

Michael Müller ist bei den Gardesitzungen Mädchen für alles, könnte man sagen. Offiziell heißt es: Regisseur hinter der Bühne, und als solcher ist er bereits seit 2001 dabei. Sicher sind Dinge schiefgegangen in all den Jahren. „Irgendwas passiert eigentlich immer bei den Sitzungen.“ Mit dem Prinzen ist es zum Beispiel so eine Sache. Versteht sich, dass der im Saal erwartet wird und unter großem Getöse einzieht. Fragt sich bloß, wann er kommt. „Sagen wir mal, der ist für 22 Uhr eingeplant. Dann ruft aber einer von seinen Begleitern bei mir an und sagt, dass sie noch in einer anderen Halle festhängen und eine halbe Stunde später kommen. Da muss ich flott reagieren.“

Dann alarmiert Michael Müller den Tontechniker und sagt: „Vergiss erst mal die Einmarschmusik für den Prinzen, wir brauchen jetzt die CD für das Tanzmariechen.“ Währenddessen läuft ein anderer los – neben Michael Müller agieren Robert Baumanns und Peter Sistermanns hinter den Kulissen – und sorgt dafür, dass das Mariechen auch flott parat steht.

Ein weiteres großes Thema sind die Blumen. Sträuße können heikel sein, wenn es zu wenig davon gibt. Dass eine Dame mit leeren Händen von der Bühne muss? „Das wäre doch furchtbar!“ Ist ihm zum Glück noch nie passiert, denn wenn er vor den Sitzungen Blumen bestellt, dann ordert er immer zwei Sträuße extra. „Kann ja sein, dass ein Ehrengast mit Frau erscheint, der nicht auf meiner Liste stand.“ Und falls doch ein Strauß übrig bleibt, freut sich nach der Sitzung immer jemand aus der Garde über Blümchen.

Ganz unsichtbar bleibt Müller übrigens nicht immer. Seine Hände sieht man durchaus schon mal. Es kommt vor, dass er von der Seite der Bühne gestikuliert und zu den Akteuren rüberwinkt. Dann wissen die, die vorn stehen, dass sie noch ein paar Minütchen weitermachen müssen, weil der Nächste noch nicht fertig ist. Solche Extraportionen gibt der Zeitplan immer her. „Hinter der Bühne brauchst du einen klaren Kopf“, sagt Müller, „da musst du voll konzentriert sein.“ Wird er auch mal wild? Brüllt er sogar rum? Er lacht. „Nee, nur ganz selten.“ Eher macht er den Kasper, um hinter der Bühne die nächsten Gruppen in die richtige Stimmung für den Auftritt zu bringen. Er heizt kräftig ein, auch das gehört zur Aufgabe. Er selbst stand übrigens nur einmal auf der Bühne, bei einem Sketch. Ist schon lange her und sollte sich nie wiederholen. „Das da oben ist nichts für mich. Ich hab’ ja schon hinter der Bühne Lampenfieber.“

Ob er sich ausreichend gewürdigt fühlt? Schließlich heimst er ja keinen Applaus ein wie all die anderen aus der Garde. „Ach“, meint er, „den brauch ich nicht – mir reicht es schon, wenn ich Spaß hab.“ Und wenn er eine pannenfreie Sitzung hinbekommt, hat er den allemal.

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