Der Liebhaber beteuert: Zum Sex kam es erst danach

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ärztin Prozess
Mit einer tödlichen Dosis Morphin soll eine 35-jährige Ärztin ihren 50 Jahre älteren Ehemann getötet haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein pensionierter Lehrer für Französisch und Musik - das ist der Zeuge im Mordprozess gegen die Aachener Ärztin Lydia H. (36), dessen Aussage gespannt erwartet wurde.

Am Dienstag musste sich der weißhaarige Mann aus Trossingen, ein Ort am Rande des Schwarzwaldes, vor dem Aachener Schwurgericht deutlich formulierten Fragen über sein Sexualleben aussetzen - und das im doch fortgeschrittenen Alter von 66 Jahren.

Die Wissbegierde des Gerichts war durchaus begründet. Denn der eher bieder wirkende Walter G. soll laut Anklage mit ein Grund oder zumindest der Anlass dafür gewesen sein, dass die heute 36-jährige ehemalige Assistenzärztin Hand an ihren Mann legte und dem bereits gesundheitlich angeschlagenen 85-jährigen Ehemann in der Nacht zum 19. Februar 2011 eine Überdosis Morphin spritzte.

Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass sie aus Angst vor einer Enterbung - der Ehemann sei hinter die Liaison gekommen - und aus Leidenschaft für den neuen Mann die Tat begangen haben soll. Die Fragen nach der Qualität der Beziehung der jungen Ärztin mit einem nun nicht mehr 50 Jahre, allerdings immer noch 30 Jahre älteren Mann standen im Vordergrund der Befragungen.

Über Internetportal kennengelernt

Ja, es stimme, antwortete G., der sehr zerstreut wirkte. Er habe Lydia H. über ein Flirt-Internetportal kennengelernt. „Sie hat so traurig ausgesehen”, versuchte er dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl sein Interesse nahezubringen. Und so kam es, dass er im Oktober 2010 zu ihr Kontakt aufnahm und später nach Aachen fuhr, um sie zu treffen. Gleichzeitig seien ihre Bewerbungen als Anästhesistin bei verschiedenen Krankenhäusern in der Aachener Region gelaufen, doch sie fand hier keinen Job. Erst ein Bewerbungsgespräch am 16. Februar an der Ulmer Uniklinik brachte den Umschwung, wie Walter G. stolz berichtete. Er hatte ihr ein Zimmer im Gästehaus „Gisela” am Rande des Schwarzwaldes besorgt. Bei Besuchen in Aachen hob er regelmäßig kleinste Beträge von der Bank ab - eine Marotte, die im Nachhinein genau seine Aufenthalte in der Heimatstadt der neuen Liebe nachvollziehen ließen.

G. beschrieb seine Beziehung zu Lydia H. in dieser Zeit als rein „freundschaftlich”. Wann er denn erstmals Sex mit der Ärztin gehabt habe, wollte das Gericht wissen. Das sei erst nach dem Tod des Ehemannes gewesen, „als ich ihr beim Auszug geholfen habe.” Jetzt allerdings wolle er sie heiraten, aus Liebe, beteuerte er. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.
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