Der lange Weg zum großen Popstar

Von: Martina Rippholz
Letzte Aktualisierung:
Gleich wird gecastet: Sara Yi
Gleich wird gecastet: Sara Yi (vorne) mit Freundinnen im Cineplex-Kino in Aachen, in dem gestern ein Vorcasting für „Popstars” stattfand. Foto: H. Krömer

Aachen. Sabrina Goldyszewicz sitzt zitternd auf der Feuertreppe. Ihre Haare sind gestylt, die Wimpern getuscht, die Füße stecken in hochhackigen Schuhen. Das Äußerliche stimmt, das Wetter auch.

Warm scheint die Frühlingssonne aufs Pflaster. Doch die 18-Jährige nimmt all das nicht wahr. Sie ist nervös. Gleich ist sie dran. Gleich wird sie in Saal sieben singen, vor einer Jury, das Lied „The voice within” von Christina Aguilera.

Sabrina Goldyszewicz aus Aachen will Popstar werden. Deshalb ist sie zum Cineplex-Kino in Aachen gekommen. Dort, wo am Mittwochnachmittag eine der ersten Casting-Runden für die neue Staffel stattfand. Die neunte ist es mittlerweile. Acht Mal schon hat der Privatsender Prosieben mit der Reality-Show, in der sich Mädchen und Jungen vor Fernsehkameras einer Jury stellen, Pop-Bands zusammengecastet.

In Aachen funktioniert es

Die erste war 2000 die Gruppe No Angels. Sie wurde damals zur erfolgreichsten Girlband Deutschlands, trennte sich, kam 2007 wieder zusammen. Das große Comeback lässt bis heute auf sich warten. Andere mit Namen wie Nupagadi, Overground oder Room2012 verschwanden genauso schnell von der Bildfläche, wie sie gekommen waren. Dennoch: Die Faszination Popstars scheint ungebrochen.

Mit Sabrina Goldyszewicz sind rund 100 andere zum Vorcasting gekommen. Hier treten sie noch nicht vor der endgültigen Jury auf, die vermutlich wieder mit Pop-Choreograph Detlef D. Soost besetzt sein wird.

Hier treffen drei Musikredakteure eine Vorauswahl. Ohne große Kameras, ohne TV-Übertragung, ohne das übliche Top oder Flop in wenigen Sekunden. „Ich war 15 Minuten im Raum und durfte drei Songs vortragen”,sagt Sara Yi. „Als ich vor zwei Jahren schon mal beim Casting in Dortmund war, war das ganz anders.” Dort haben sie zu fünft vor die Jury gemusst. Wer nicht auf den Punkt funktionierte, flog. Auch Yi. Sie bekam einen Stempel auf den Arm, der sowas sagte wie: „Raus”. Als wären sie Vieh.

Das soll nun anders werden. „Wir gehen in kleinere Städte und casten erst ohne die bekannten Jury-Gesichter”, sagt Frank Wolkenhauer. Er sitzt in München und ist für die PR der Show verantwortlich. „Die Kandidaten haben mehr Zeit, der Druck ist dadurch geringer.” Wolkenhauer will den Eindruck erwecken, dass sie sich geändert haben, die Showmacher. Dass sie menschlicher geworden sind. Und ein bisschen seriöser.

Man will sich abgrenzen. Etwa von Deutschland sucht den Superstar, dem RTL-Pendant zu Popstars, wo Dieter Bohlen die Kandidaten vorführt. Wo die vor die Fernsehkamera gezogen werden, die kaum das Zeug zum großen Sänger haben. Sondern zur Lachfigur. Und man will mitreiten. Auf dem guten Image der Grand-Prix-Castingshow von Stefan Raab, bei der jüngst Lena Meyer-Landrut als Siegerin hervorging. Und das ganz ohne Schikanen, dumme Witze oder grobe Rausschmisse für die Einschaltquote.

Doch der Grund für die abgespeckten Vorcastings in 16 mittelgroßen Städten lässt sich auch anderswo suchen. Der Erfolg von Popstars scheint zu bröckeln. Kamen in Spitzenzeiten 2001 und 2003 rund 12.000 Bewerber zu den im TV ausgestrahlten Castings, waren es 2006 schon nur noch 5200. 2009 dann nur noch rund 2300. Will man also wieder mehr Kandidaten bekommen, indem man sie vor Ort abholt?

Beim Casting in Aachen scheint es zu funktionieren. Popstars-Anwärter gibt es genug. Und ist das Auswahlverfahren direkt vor der Tür, findet sich der Weg dorthin leichter. So wie bei Sabrina Goldyszewicz. Sie verfolgt schon seit Jahren die Popstars und DSDS-Folgen im Fernsehen. Die Musik der gecasteten Bands ist die ihre. Monrose und Queensberry, die beide noch Titel produzieren, es aber bei weitem nicht zum Star gebracht haben, hört die 18-Jährige gern.

Ihren Plan, nach dem Fachabitur am Berufskolleg in Stolberg Krankenschwester zu werden, würde sie für den Girlband-Traum jederzeit aufgeben. Auch, wenn der Pop-Olymp à la Christina Aguilera damit nicht erreicht werden kann. „Aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung”, sagt sie. Und konzentriert sich wieder zitternd auf den Songtext.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert