Kopenhagen/Kerkrade - Der König hält Einzug in den Gaiapark

Der König hält Einzug in den Gaiapark

Von: Marco Rose
Letzte Aktualisierung:
löwebu
Löwenfütterung auf dänisch: Im Gegensatz zu mitteleuropäischen Zoos setzen die Skandinavier auf haarige Kadaver. Foto: Marco Rose

Kopenhagen/Kerkrade. Das Festmahl ist serviert, jetzt wird es blutig: Sechs Löwen stürmen ins Gehege, allen voran das dominierende Weibchen. Ein halber Esel liegt dort. Er sieht aus, wie man sich einen halben Esel vorstellt - mit einem halben Kopf, zwei Beinen nebst Hufen und allerlei grauem, zotteligen Fell.

Das starke Weibchen hält den Rest der Sippschaft inklusive des mächtigen Männchens auf Abstand, schlägt die gewaltigen Eckzähne ins Fleisch, reißt Stücke heraus und zerrt an dem Brocken, als wöge er nichts. Unzählige Kinder drücken sich an den Scheiben des Geheges die Nasen platt und erklimmen den Zaun vor dem Wassergraben. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, nur ein paar US-amerikanische Touristen wenden sich sichtlich angewidert von diesem Schauspiel ab.

Showtime!

Showtime in Kopenhagen! Rob Huppertz, Zoodirektor aus Kerkrade, beobachtet das skandinavische Schlachtfest mit großer Freude. Schon bald werden die Besucher seines Gaiaparks ähnliche Szenen in der Aachener Grenzregion verfolgen können - wenn auch in etwas saubererer Form. Gemeinsam mit einem international besetzen Journalisten-Trüppchen ist Huppertz an die Ostsee gereist, um dort mehr über die nordischen Spezialitäten in der Löwenhaltung zu lernen.

Die Zeit drängt: In der kommenden Woche schon werden niederländische Tierpfleger in die dänische Hauptstadt reisen und zwei einjährige afrikanische Löwendamen abholen. In der Woche darauf soll dann der neue König von Gaia seinen limburgischen Thron besteigen - er heißt Ashrad, ist sechs Jahre alt und kommt aus dem Safaripark Beekse Bergen in den Niederlanden. Knapp 300.000 Euro hat das naturnah gestaltete neue Gehege in Kerkrade gekostet, bis zur Eröffnung am 1. Juni werden sich der Löwenmann und seine Frauen noch hinter den Kulissen des Parks anfreunden können. Dann rechnet der Park mit neuen Besucherrekorden.

Tot, ganz und nach Möglichkeit mit allen Innereien

In Kopenhagen lassen die beiden noch namenlosen Löwinnen derweil ihrer Mutter den Vortritt. Selbst nach einer Stunde wagt sich noch kein weiteres Familienmitglied an den Eselskadaver heran. Das Löwenmännchen ist offenbar ohnehin satt und hält sich deshalb entspannt im Hintergrund. „Keine Sorge, bei uns muss niemand hungern”, sagt Mads Bertelsen, Zootierarzt aus Kopenhagen. Gefüttert werde reichlich, so dass auch die rangniederen Tiere stets ihren Anteil bekämen. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Hühner, Schweine, Esel, Pferde und auch Zootiere, die getötet werden müssen - etwa, wenn sich eine Antilope ein Bein gebrochen hat. Die Tiere werden stets tot, in der Regel ganz und nach Möglichkeit mit allen Innereien gefüttert.

„Das ist eine skandinavische Spezialität, die wir schon seit mehr als 20 Jahren praktizieren”, erklärt Mikkel Stelvig, Löwenkoordinator des Zoos. Und Tierarzt Bertelsen beschreibt die Vorteile dieses ungewöhnlichen Konzepts: Die Tiere seien gesünder, hätten bessere Zähne und bewegten sich mehr. „Früher wurden die Löwen immer um 14 Uhr gefüttert, bis auf dienstags. Deshalb lagen sie den ganzen Tag über immer gelangweilt herum. Inzwischen erhalten sie ihr Futter in unregelmäßigen Abständen zu verschiedenen Zeiten. So wird ihr Alltag spannender.”

Davon profitiert auch der Zoobesucher, vorausgesetzt er erträgt den Anblick eines ausgeweideten Esels. Ein durchaus heikles Thema in europäischen Zoos: Viele würden ihre Raubtiere gerne so naturnah halten, fürchten aber einen Aufstand ihres Publikums. Dafür hat man in Kopenhagen nur wenig Verständnis: „Löwen fressen Zebras. So ist die Natur. Sollen wir so tun, als würden sie sich von Gras ernähren?”, fragt Mikkel Stelvig und verweist auf Naturdokus im Fernsehen. „Dort sehen wir auch das wahre Leben, warum also nicht auch im Zoo?” Immerhin würden Futtertiere zuvor getötet, müssten also nicht unnötig leiden. Rob Huppertz ist interessiert, aber noch skeptisch. Theoretisch würde die Fütterung gut in sein didaktisches Konzept passen, mit dem er den Kreislauf des Lebens in der Savanne erklären will. Praktisch setzen ihm seine Besucher Grenzen. „Fleisch wird nicht im Supermarkt geboren. Leider glauben das inzwischen schon viele Kinder”, sagt er. Sein Motto, das er vermitteln will: Zurück zur Natur!
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert