Der Kölner Jürgen Christ macht aus Pressefotos Kunstwerke

Von: Markus Peters, ddp
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Pressefotos in Holz geschnitzt: Mit der 500 Jahre alten Holzschnitt-Technik habe er nun seine Form der künstlerischen Arbeit gefunden, ist der Künstler und Fotograf Jürgen Christ überzeugt. Foto: ddp

Köln. Barack Obama ist das bisherige Meisterstück des Kölners Künstlers und Fotografen Jürgen Christ. Ein von ihm geschaffener, 104 mal 141 Zentimeter großer Holzschnitt zeigt den heutigen US-Präsidenten, wie er nach seiner bekannten „Berliner Rede” am 23. Juli 2008 umjubelt wird.

Als Vorlage diente dem 1944 geborenen Christ ein Zeitungsfoto.

Sein ganzes Leben lang hat sich Jürgen Christ mit der Abbildung der Wirklichkeit befasst. In seinem Lebenslauf stehen Stationen als erfolgreicher Pressefotograf, TV-Kameramann, aber auch ein nicht abgeschlossenes Psychologie-Studium.

Mit der 500 Jahre alten Holzschnitttechnik habe er nun seine Form der künstlerischen Arbeit gefunden, ist Christ überzeugt. 400 Stunden hat er an dem detailreichen Werk über Obama gearbeitet, über das auch zahlreiche amerikanische Medien berichteten.

Für Jürgen Christ ist die filigrane Arbeit kein Selbstzweck, sondern eine geradezu philosophische Herausforderung: „Mich hat immer interessiert, weshalb Leute Fotos oder Fernsehbilder tatsächlich für Realität halten. Letztlich ist ein Foto nur beschichtetes Papier und eben nicht die Wirklichkeit.” Jahrelang hat er nach Möglichkeiten gesucht, die Kernfrage seiner Arbeit auch künstlerisch umzusetzen.

Der Durchbruch kam, als er einen befreundeten Drucker dabei fotografierte, als dieser einen Holzschnitt des Künstlers Markus Lüpertz erstellte. „Da wusste ich, das ist es”, erinnert sich Christ. Ein Holzschnitt nach einer Fotografie verdichtet die Informationen der Vorlage, weil die Farben und die allzu feinen Konturen wegfallen. Das verändert die Wahrnehmung des Betrachters, ist der Künstler überzeugt: „Im Holzschnitt kann man deutlicher die Kernaussage eines Bildes erkennen.”

Um diesen Zweck zu erreichen, verbindet Jürgen Christ moderne Digitalfotografie mit der 500 Jahre alten Holzschnitttechnik. Als Vorlagen dienen ihm meistens selbst gemachte Fotos, oft aber auch Fotos in aktuellen Medien. So können durchaus auch Schnappschüsse zu Kunstwerken werden. „Mitunter werden die Vorlagen freihändig übertragen, manchmal durchgepaust”, erzählt Jürgen Christ.

Wichtig sei, dass die Vorlage ohne Lichteffekte auskomme. Sie muss kräftige Konturen haben und Haltung der abgebildeten Personen sollte prägnant sein. Die eigentliche Schnitzarbeit mit millimeterkleinen Messern am Holz sei „fast schon stupide”, räumt der Kölner ein. Dennoch genieße er sie sehr: „Das ist meine Blaue Stunde.” Im Hintergrund laufen Hörbücher, während er mit Hilfe einer Leuchtlupe an seinem Kunstwerk arbeitet. Im Idealfall sollte die fertige Arbeit wie ein gutes Pressefoto wirken.

Zuletzt hat Jürgen Christ ein Porträt von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und den Jubel um Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) beim Düsseldorfer Wahlkampfauftakt ihrer Partei in Holzschnitten verewigt. „Bei der mittelalterlichen Technik kommen besonders die vielen Tafeln mit der Angie-Aufschrift gut zur Wirkung zur Wirkung”, freut er sich.

Auch mit der viel beachteten Obama-Grafik hat Jürgen Christ noch große Pläne: „Vielleicht kann ich dem US-Präsidenten einen Abzug zukommen lassen.” Doch auch „normale” Kunstfreunde können sich einen in limitierter Auflage gedruckten „echten” Christ an die Wand hängen. „Noch sind meine Arbeiten erschwinglich”, betont der Künstler.
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