Köln - Der Klöppel ist ab: Schwarzer Tag für den Kölner Dom

Der Klöppel ist ab: Schwarzer Tag für den Kölner Dom

Von: dpa
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Größte Glocke des Kölner Doms verliert Klöppel
Die größte Glocke des Kölner Doms hat am Donnerstag ihren Klöppel verloren. Wie das zum Erzbistum gehörende Domradio berichtete, zerbrach der Klöppel des „Dicken Pitters” beim Läuten zum Hochamt am Dreikönigstag. Foto: dpa

Köln. Dreikönigstag im Kölner Dom. Das ist immer etwas Besonderes, denn schließlich ruhen hier der Überlieferung zufolge die Gebeine der Heiligen Drei Könige. Hunderte, vielleicht Tausende Besucher schieben sich im Laufe des Tages an dem schimmernden Goldschrein mit den Reliquien vorbei.

Doch ausgerechnet an diesem Tag muss der Dom einen schweren Schlag verkraften: Der „Dicke Pitter”, die größte frei schwingende Kirchenglocke der Welt, ist verstummt. Sein Klöppel ist in zwei Teile gebrochen und abgefallen.

Um 9.35 Uhr läutet der Glockenkoloss zum Hochamt. Nur an hohen kirchlichen Feiertagen oder wenn der Papst stirbt, setzt sich die 24 Tonnen schwere Glocke in Bewegung. Echte Kölner halten dann unwillkürlich inne. Doch diesmal ist nach dem fünften Läuten plötzlich Schluss.

„Der Klöppel ist auf einen Stahlträger gefallen. Da haben wir Glück gehabt”, sagt einer der Domschweizer der dpa. Man sieht dem Mann, der im Dom für Ruhe und Ordnung sorgen soll, an: Er kann es selbst kaum glauben. Abgebrochen, einfach so? Auch bei der Kölner Polizei ist die erste Reaktion: „Das ist wohl ein Aprilscherz!” Aber Domdiakon Raimund Witte bestätigt der dpa: „Ein Küster hat mir gesagt, dass der Klöppel wohl aus der Verankerung gesprungen ist.”

Am Fuß des Turms deutet nichts auf das Unglück hin. Unten, wo es die Eintrittskarten für den 509 Stufen langen Aufstieg gibt, liegt lediglich ein Schild: „Glockenstube geschlossen”. Der Kassierer erklärt, das habe mit dem ständigen Läuten am Dreikönigstag zu tun. „An Sonn- und Feiertagen ist immer zu. Ist doch viel zu laut sonst.” Wenn der „Dicke Pitter” erst einmal in Fahrt gekommen ist, kann man sich ihm nur mit Ohrenschützern nähern.

Konrad Adenauer war es, der den Kölnern die „Deutsche Glocke” 1923 bescherte. Da die „Kaiserglocke” im Ersten Weltkrieg für Kanonen eingeschmolzen worden war, musste Ersatz her. Unter dem Motto „Klotzen statt kleckern” orderte Oberbürgermeister Adenauer beim Thüringer Glockengießer Heinrich Ulrich das Ungetüm mit dem dumpfen, festlichen Klang. „Wir im Kölner Dom haben sicher das größte und das schönste Geläut in der ganzen Welt”, sagte Kardinal Joachim Meisner noch im vergangenen Jahr.

Am Freitag sollen Sachverständige die Schäden im Glockenturm begutachten. Materialermüdung könnte als Ursache infrage kommen. Im Anschluss an die Überprüfung wolle die Domverwaltung die Öffentlichkeit „über das Ausmaß der Zerstörung informieren”, sagte Domprobst Norbert Feldhoff bei domradio.de. Bis dahin hängte die Domverwaltung den Vorfall nicht gerade an die große Glocke - niemand war für einen Kommentar zu erreichen.

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