Der Kinder wegen: Unicef bleibt in Aleppo

Von: Manfred Kutsch und Andrea Floss
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Der Schulweg von Judy (9, mit weißem Kopftuch) und ihren Schulkameradinnen führt an den Trümmern zerstörter Häuser vorbei. „Ich gehe jeden Tag zur Schule“, sagt Judy. „Außer, wenn ich die Flugzeuge höre.“ In Judys Nachbarschaft gibt es keinen Strom und das Benzin ist knapp. Foto: Rami Zayat/Unicef

Aleppo/Aachen. „Die Kinder von Aleppo sind in einem Alptraum gefangen“, sagt der stellvertretende Direktor von Unicef international in New York. „Es gibt keine Worte, das Leid zu beschreiben, das sie erleben.“

Das Gesundheitssystem im Ostteil von Aleppo, der von den Rebellen gehalten wird, ist zerstört. Es gibt nur noch sechs Krankenhäuser bzw. Gesundheitsstationen – und praktisch keine Ausrüstung oder Notfallmedikamente, um Verwundete und die ständig wachsende Zahl traumatisierter Menschen zu behandeln.

Die Versorgung für die rund 250.000 Bewohner im Rebellenteil steht vor dem Kollaps. Ein Arzt aus Ost-Aleppo hat Unicef mitgeteilt, dass Kinder mit geringen Überlebenschancen sich selbst überlassen würden, da Personal und Hilfsgüter fehlten.

Unsere Leserinnen und Leser können allen Widrigkeiten zum Trotz auch zu diesem Zeitpunkt mit Spenden helfen. Denn als eine der wenigen Hilfsorganisationen ist Unicef vor Ort. Das Deutsche Komitee des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen mit Sitz in Köln ist seit 1995 Partner unserer Zeitung mit einem eigenen Spendenkonto.

17 Unicef Mitarbeiter (Ärzte, Logistiker, Ingenieure für Wasser), arbeiten für ein Netzwerk von Partnern in den Stadtvierteln. Auch im belagerten Ostteil von Aleppo hat die Organisation Partner. Weiteren Hilfskräften und Rettern ist der Zutritt in die Trümmerstadt aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

In einem persönlichen Bericht schildert Unicef-Ernährungsberaterin Esraa Al-Khala die „extrem gefährlichen Bedingungen“, unter denen Ärzte und Helfer arbeiten: „Ich habe den größten Respekt für jeden einzelnen. Das Leben von Kindern und Familien hängt von ihnen ab.“

Kürzlich habe sie nach dem Bombardement eines Hospitals einen Arzt besucht, in dessen Gesicht Metallfragmente stecken geblieben waren. Er habe nur gesagt: „Egal was passiert; ich will meine Stadt nicht verlassen.“

Der Beschuss mit Bunkerbomben machte ganze Wohnblocks dem Erdboden gleich, selbst in den Kellern der Gebäude ist man nicht mehr sicher. Ein Drittel der 320 Bombentoten während der letzten zwei Wochen waren Kinder. Die Bewohner seien „einem Ausmaß an Bestialität“ ausgesetzt, das „kein Mensch erleiden sollte“, sagt UN-Nothilfekoordinator Stephen O Brian und nennt die einst so stolze Stadt „die Hölle auf Erden“.

Zusätzlich zur tödlichen Gefahr durch Bomben leidet die Zivilbevölkerung unter akuter Wasserknappheit, da immer wieder die Unterbrechung der Wasserversorgung als Waffe eingesetzt wird. Die erst vorletzte Woche beschädigte Pumpstation Bab al-Nayrab im Ostteil von Aleppo konnte wegen der anhaltenden Kämpfe bis heute nicht repariert werden.

Im Gegenzug war die ebenfalls im Ostteil liegende Pumpstation Sleiman Halabi von den Rebellen abgeschaltet worden. Sie versorgt 1,5 Millionen Menschen im Westteil, der von den Assad-Truppen gehalten wird. Nach Verhandlungen, an denen auch Unicef beteiligt war, konnte diese Pumpstation ihre Arbeit inzwischen wieder aufnehmen.

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