Der Kampf des jungen Pfarrers gegen den alten Kardinal

Von: Jacqueline Rasch
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Der Meckenheimer Pfarrer Michael Jung: Der Vatikan hat seine Amtsenthebung durch das Erzbistum Köln bestätigt. Foto: dpa

Meckenheim/Köln. Wenn Michael Jung gebeten wird, seine Situation zu beschreiben, dann braucht er dafür nicht viele Worte. Jung, der Meckenheimer Ex-Pfarrer, sagt: „Meine Situation ist äußerst kompliziert.”

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den kritischen Seelsorger in den einstweiligen Ruhestand versetzt und von seinen Aufgaben entpflichtet, was Jung nicht davon abhält, auch weiterhin schwere Vorwürfe gegen den Erzbischof und den Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp zu erheben.

Sogar von gefälschten Beweisen spricht Jung. Gegen ihn werde ein Schauprozess geführt, sein Einkommen ist auf das Niveau priesterlicher Ruhestandsbezüge gesunken.

Ad acta gelegt ist damit auch Jungs geplante Arbeit als Krankenhausseelsorger in Bergisch Gladbach. „Ich sollte eine Tätigkeit ausüben, für die ich nicht ausgebildet bin”, sagt Jung. Er habe seit seiner Versetzung zum 1. Februar keine Dienstanweisungen erhalten. Schon Ende Oktober habe er aber dem Erzbistum vorgeschlagen, eine vakante Seelsorgerstelle bei Kommern zu übernehmen, „da hätte ich schon seit vier Monaten aushelfen können”, sagt Jung.

Aus seiner Sicht soll er ruhiggestellt werden - ist er aber nicht. So habe er nach die Entscheidung der römischen Kleruskongregation, seinen Widerspruch gegen die Amtsenthebung abzulehnen, die Frage gestellt, ob Erzbischof Meisner als Mitglied der Kongregation mit darüber abgestimmt habe: Wäre dem so, ist Meisner aus Jungs Sicht Richter in eigener Sache gewesen.

Wie im Fall Bischof Williamson, findet Jung, fehlten „innerkirchlich die Notbremsen, die vor Willkür schützen”. Erst wenn auch sein Verfahren vor dem päpstlichen Gericht der Apostolischen Signatur in Rom gegen die Entscheidung der Kleruskongregation abgeschlossen ist, stehen dem Kirchenmann wohl die weltlichen Gerichte offen.

Der Spruch aus Rom

Wie der Spruch aus Rom lauten könnte, ist Jung klar: „Ich hatte von Anfang an keine Erfolgsaussichten.” Ein Schauprozess werde gegen ihn geführt, weil er „auf die offensichtlichen Fehler des Programms Wandel gestalten” aufmerksam gemacht habe, sagt Jung. Und er gibt sich weiter kämpferisch: „Die Wenigsten haben die Kraft oder die Bereitschaft, einen langwierigen Schauprozess durchzustehen. (...) Ich sehe mein Beharren auf Wahrheit im innerkirchlichen Geschehen auch als stellvertretenden Einsatz für all die vielen, die resignieren.”

Das Kölner Erzbistum will zum Fall Jung nicht viel sagen. Den einstweiligen Ruhestand könne der Kardinal anordnen, wenn Jung während des schwebenden Verfahrens „seinen Einsatz nicht so leistet, wie es mit dem Erzbischof besprochen war”. Und eben dies, heißt es, sei der Fall.
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