Der Kampf der Königin für die Kinder in Not

Von: Christina Handschuhmacher
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Ein großes Herz für Kinder: Königin Silvia – hier beim Besuch eines Beratungszentrums für Flüchtlinge in München – hat 1999 die „World Childhood Foundation“ gegründet. Foto: World Childhood Foundation
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Andrea Möhringer, Geschäftsführerin der „World Childhood Foundation“ in Deutschland.

Aachen. Der kleine Junge aus einem Elendsviertel in Brasilien wollte der Königin unbedingt sein Zuhause zeigen. Doch sein Zuhause hatte weder vier Wände, noch ein Dach oder Fenster – es war lediglich ein Pappkarton, in dem er seine wenigen Besitztümer aufbewahrte.

Als Silvia von Schweden einige Stunden später im Flieger zurück in Richtung Europa saß, schüttelte ein tropischer Regensturm die Maschine durch. Und die Königin ließ danach eine Frage nicht mehr los: Was ist bei diesem Sturm wohl aus dem kleinen Jungen mit dem Pappkarton geworden?

900 Projekte in 16 Ländern

Was aus dem kleinen Jungen mit dem Pappkarton geworden ist, weiß Königin Silvia bis heute nicht. Und wahrscheinlich weiß auch er nicht, was die Begegnung mit ihm in der Königin ausgelöst hat. Aber Silvia von Schweden erzählt in Interviews oder bei Vorträgen immer wieder diese Episode, wenn sie gefragt wird, warum sie 1999 die „World Childhood Foundation“ (Welt-Kindheit-Stiftung) mit ins Leben gerufen hat.

Seither hat die Stiftung, die in Deutschland, Schweden, Brasilien und den USA sitzt, mehr als 900 Projekte in 16 Ländern mit einem gesamten Spendenvolumen von 60 Millionen Euro unterstützt. Und beim Aachener CHIO, dessen Partnerland in diesem Jahr Schweden ist, werden Königin Silvia und die Stiftung um weitere Spenden werben.

„Unsere Stiftung hat vier Zielgruppen, um die wir uns besonders kümmern: missbrauchte Kinder, Kinder in gefährdeten Familien, Kinder in Pflegeeinrichtungen und Straßenkinder“, sagt Andrea Möhringer, Geschäftsführerin der „World Childhood Foundation“ in Deutschland. Derzeit liege in Deutschland ein Schwerpunkt auf der Arbeit mit Flüchtlingskindern. „Diese Kinder waren monatelang unterwegs, sind durch viele Länder gereist, um an ihr Ziel zu kommen, und haben auf der Flucht oft Schreckliches erlebt – schlimmstenfalls sogar Eltern oder Geschwister verloren“, sagt Möhringer.

Ziel der „World Childhood Foundation“ ist es, den Kindern bei der Aufarbeitung dieser traumatischen Fluchterlebnisse zu helfen. Und genauso bei Kontaktpersonen – Lehrern, Jugendamtsmitarbeitern, Helfern in der Erstaufnahmeeinrichtung – Sensibilität für die Traumata, die eine Flucht mit sich bringen kann, zu wecken. Doch nicht nur Flüchtlingskinder stehen im Fokus: In Berlin etwa wird ein Projekt gefördert, in dem sexuell missbrauchte Jungen und junge Männer Hilfe erhalten. In einer Jugendhilfeeinrichtung in Hessen werden mit den Mitteln aus der „World Childhood Foundation“ Kinder begleitet, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht länger in ihren Familien leben können.

Dies alles geschieht über die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern. „Wir organisieren keine eigenen Projekte, sondern treten als Partner in Erscheinung“, erklärt Möhringer. Ein Expertengremium wähle förderungswürdige Projekte aus. „Unsere Partner erhalten von uns nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch fachliche Beratung.“

Und wie präsent ist die 72-jährige Königin, die für ihr ehrenamtliches Engagement bereits Dutzende Auszeichnungen und Würdigungen – 2014 etwa wurde Silvia die Martin-Buber-Plakette in Herzogenrath verliehen – erhalten hat, in der Arbeit der Stiftung? Natürlich, sagt Möhringer, sorge ihre Majestät dafür, dass die Stiftung eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien genieße. „Aber ihr Engagement geht weit darüber hinaus. Königin Silvia ist sehr präsent in unserer Stiftung und bei vielen Sitzungen dabei. Durch ihre Präsenz wirft sie ein Licht auf die Themen, die sonst kaum Beachtung erfahren.“

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