Region - Der große Rückblick: Das war das Jahr 2017 in NRW

Der große Rückblick: Das war das Jahr 2017 in NRW

Von: dpa
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Am 6. Dezember fuhr in Meerbusch bei Neuss ein Regionalzug des privaten Bahnbetreibers National Express auf einen Güterzug auf. Mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Foto: dpa

Region. Die Landtagswahl am 14. Mai bringt den Machtwechsel von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb. Der Revierkonzern Thyssenkrupp will seine Stahlsparte mit dem indischen Tata-Konzern zusammenlegen. Auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wird ein Anschlag verübt. Drei von vielen Themen, die in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 für Schlagzeilen gesorgt haben.

Januar

1. Januar: Nach dem Sicherheitsdebakel im Jahr zuvor setzt die Kölner Polizei in der Silvesternacht ein Großaufgebot ein, um erneute sexuellen Übergriffe und andere Straftaten zu verhindern. Aus der Politik bekommt sie diesmal viel Lob. Kritik handelt sich die Polizei für die Verwendung der Bezeichnung „Nafris“ für Nordafrikaner in einem Tweet ein. Polizeipräsident Jürgen Mathies nennt den Begriff „sehr unglücklich“.

19. Januar: Das 2009 gerichtlich gestoppte Kohlekraftwerk Datteln 4 darf fertiggebaut werden. Die Bezirksregierung Münster erteilt dem Milliardenprojekt unter strengen Umweltauflagen die nötige Genehmigung. Das Kraftwerk kann rechnerisch Strom für rund eine Million Menschen liefern. Außerdem ist es für die Produktion von Bahnstrom und die Fernwärmeversorgung von etwa 100.000 Haushalten der Region ausgelegt. Die Inbetriebnahme lässt aber auf sich warten, weil es Probleme mit Schweißnähten gibt.

Februar

1. Februar: Fast 17 Jahre nach dem Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn wird ein Verdächtiger festgenommen. Der mutmaßlich rechtsradikale Bombenleger soll das Attentat am 27. Juli 2000 aus Fremdenhass mit einer selbstgebauten Rohrbombe begangen haben. Dadurch waren zehn Menschen, überwiegend jüdische Einwanderer aus Osteuropa, verletzt worden. Dem Mann wird zwölffacher versuchter Mord vorgeworfen. Im Dezember erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.

4. Februar: Auf dem Weg zum Stadion von Borussia Dortmund werden Fans von RB Leipzig, darunter auch Kinder, mit Steinen und Getränkedosen beworfen. Nach den Ausschreitungen wertet die Polizei unter anderem 170 Stunden Videomaterial aus und ermittelt mehr als 50 Tatverdächtige - gegen einige ergehen Strafbefehle. Zudem sperrt der DFB als Reaktion auf diverse Hass-Banner 24.500 Zuschauer auf der Südtribüne für das folgende Heimspiel aus.

27. Februar: Ein provokativer Mottowagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug löst ein weltweites Medienecho aus. Wenige Wochen nach der Amtseinführung von Donald Trump zeigt Wagenbauer Jacques Tilly den US-Präsidenten beim Versuch, die Freiheitsstatue zu missbrauchen - die aber schließlich siegt und der Trump-Figur den Kopf abschlägt.

März

1. März: Fast sechs Jahre nach der Pleite des Billigstromanbieters Teldafax verurteilt das Landgericht Bonn zwei ehemalige Spitzenmanager des Unternehmens zu Bewährungsstrafen. Der frühere Vorstandschef erhält wegen Insolvenzverschleppung 16 Monate Freiheitsstrafe. Er hatte im Prozess geschwiegen. Sein Vorstandskollege, der die Vorwürfe teils gestanden hatte, wird mit elf Monaten auf Bewährung etwas milder bestraft.

7. März: In einem Keller in Herne wird die Leiche des neun Jahre alten Jaden entdeckt. Der 19 Jahre alte Marcel H. soll ihn mit mehr als 50 Messerstichen ermordet haben. Bilder der schrecklich zugerichteten Leiche tauchen im Internet auf. Auf der Flucht soll Marcel H. auch einen ehemaligen Schulkameraden getötet haben, der die Polizei informieren wollte. Zu Prozessbeginn im September vor dem Bochumer Landgericht räumt Marcel H. die Taten über seinen Anwalt ein.

9. März: Bei einem Amoklauf mit einer Axt im Düsseldorfer Hauptbahnhof verletzt ein Mann aus dem Kosovo zehn Menschen. Einige Opfer schweben mit Schädelbrüchen und gebrochenen Halswirbeln zeitweise in akuter Lebensgefahr. Weil die Polizei zunächst einen Terroranschlag nicht ausschließen kann, wird Großalarm ausgelöst. Im September ordnet das Düsseldorfer Landgericht die dauerhafte Unterbringung des Täters in einer Psychiatrie an. Er sei zur Tatzeit an Schizophrenie erkrankt und schuldunfähig gewesen.

12. März: Muslime und Homosexuelle sollen künftig aktiv in katholischen Schützenvereinen mitmachen dürfen. Das beschließt die Vertreterversammlung des Bunds der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) in Leverkusen. Auslöser für den Richtungswechsel ist der Fall eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl. Nach den bisherigen Statuten hätte er gar nicht erst Schützenbruder werden dürfen.

19. März: Ein Wahrzeichen der alten Bundeshauptstadt verschwindet: Mit 250 Kilogramm Dynamit wird das Bonn-Center gesprengt. Das Bauwerk mit einem sich drehenden Mercedes-Stern auf dem Dach war mit 60 Metern eines der höchsten Häuser im ehemaligen Regierungsviertel.

21. März: Für den Bombenanschlag auf einen Tempel der Sikh-Religion in Essen werden drei 17 Jahre alte Jugendliche vom Landgericht zu Jugendstrafen von sechs und sieben Jahren verurteilt. Motiv der Tat im April 2016 sei Hass auf andere Religionen gewesen, stellen die Richter fest. Die drei hätten intensiven Kontakt in die salafistische Szene gehabt. Die Bombe war vor einer Eingangstür des Tempels explodiert. Ein Priester erlitt Brandverletzungen und einen offenen Bruch am Fuß, zwei Gemeindeglieder kamen mit Schnittverletzungen davon.

April

3. April: Im Terrorprozess um eine Bombe am Bonner Hauptbahnhof wird der Hauptangeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt. Zusätzlich stellt das Düsseldorfer Oberlandesgericht die besondere Schwere der Schuld des 30 Jahre alten Marco G. fest. Eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren ist dadurch ausgeschlossen. Marco G. hatte den Sprengsatz im Dezember 2012 am Bonner Hauptbahnhof abgestellt. Die Bombe explodierte nicht. Drei weitere islamistische Terroristen werden in dem Prozess wegen Beteiligung an einem Mordkomplott gegen einen rechtsradikalen Politiker zu Haftstrafen zwischen neuneinhalb und zwölf Jahren verurteilt.

11. April: Auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wird ein Bombenanschlag verübt. Das Team ist gerade auf dem Weg zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco im Dortmunder Stadion, als drei Sprengsätze explodieren. Abwehrspieler Marc Bartra wird an der Hand verletzt und muss operiert werden. Der mutmaßliche Täter soll auf einen sinkenden Kurs der BVB-Aktie gewettet haben. Er muss sich demnächst vor dem Dortmunder Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Sergej W. unter anderem versuchten Mord aus Habgier und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Der Prozess soll am 21. Dezember beginnen.

Mai

3. Mai: Das Landgericht Bonn spricht den Beschuldigten im Fall des zu Tode geprügelten Schülers Niklas frei. Dem Angeklagten sei nicht nachzuweisen, dass er den 17-Jährigen geschlagen und getreten habe. Dagegen verurteilt die Kammer den 21-Jährigen im Zusammenhang mit einer ganz anderen Schlägerei wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Jugendstrafe. Da er jedoch fast ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen hatte, kann der Angeklagte das Gericht als freier Mann verlassen.

14. Mai: Machtwechsel in Nordrhein-Westfalen: Mit einem historisch schlechten Ergebnis verliert die SPD die Wahl in ihrem Stammland. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft legt wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale alle ihre Parteiämter nieder. Die seit 2010 regierende rot-grüne Koalition wird von einem schwarz-gelben Bündnis abgelöst. Den Sprung in den Landtag schafft die AfD.

28. Mai: Borussia Dortmund gewinnt nach drei verlorenen Cup-Endspielen in Serie endlich den DFB-Pokal. Im Berliner Olympiastadion besiegt der BVB Eintracht Frankfurt mit 2:1 und sichert sich damit den insgesamt vierten Pokalerfolg. Am Tag darauf bereiten bis zu 250.000 Menschen den Pokalsiegern einen rauschenden Empfang in Dortmund.

Juni

10. Juni: Die NRW-SPD wählt den bisherigen Bauminister Michael Groschek zu ihrem neuen Landesvorsitzenden und damit zum Nachfolger von Hannelore Kraft. Auf einem außerordentlichen Landesparteitag in Duisburg erhält er rund 86 Prozent der Stimmen. „Mehr wäre auch gelogen gewesen“, kommentiert Groschek sein Ergebnis. „Vielen Dank für so viel Ehrlichkeit.“

27. Juni: Armin Laschet ist neuer Regierungschef von Nordrhein-Westfalen. Mit allen 100 Stimmen von CDU und FDP wird er im Landtag zum elften Ministerpräsidenten des Landes gewählt. „Ich gehe das voller Zuversicht an“, sagt der 56-jährige Aachener nach seiner Wahl. Der CDU-Politiker führt die derzeit einzige schwarz-gelbe Regierung in Deutschland.

Juli

1. Juli: Düsseldorf ganz in Gelb - die Tour de France startet in der Landeshauptstadt. Das Wetter spielt aber nicht mit und den erhofften deutschen Sieg beim Einzelzeitfahren durch Tony Martin gibt es auch nicht. Für die Stadt wird das Spektakel teurer als kalkuliert. Mit 7,8 Millionen Euro muss sie knapp drei Millionen mehr aufbringen als geplant. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) streitet sich noch Monate später über die Begleichung der Mehrkosten.

5. Juli: Der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner stirbt im Alter von 83 Jahren bei einem Urlaub in Bayern. Er stand von 1989 bis 2014 an der Spitze des größten deutschen Bistums. Während seiner Kölner Zeit galt der gebürtige Breslauer als einflussreichster Vertreter des konservativen Flügels unter den deutschen Bischöfen.

12. Juli: Heimlich gemachte Videoaufnahmen aus dem Schweinestall des Betriebs ihrer Familie setzen die neue NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) unter Druck. Die Bilder zeigen zum Teil stark verletzte Tiere mit entzündeten Schwänzen oder geschwollenen Gelenken. Die Staatsanwaltschaft Münster stellt aber ihre Ermittlungen gegen den Ehemann der Ministerin und andere Mitarbeiter des Hofes ein. Es sei nicht ansatzweise erkennbar, dass sie die Verletzungen vorsätzlich herbeigeführt oder nicht sachgerecht reagiert hätten. Gegen die Ministerin war nicht ermittelt worden.

16. Juli: Für sechs Wochen wird Wuppertal komplett vom Bahnnetz abgekoppelt. Während der gesamten Sommerferien hält kein ICE, kein Regionalzug und auch keine S-Bahn am Hauptbahnhof der siebtgrößten Stadt in NRW. Der Grund: Ein elektronisches Stellwerk wird eingerichtet. Zehntausende Menschen müssen zur Arbeit einen zeitraubenden Weg mit Ersatzbussen in Kauf nehmen. Der Ersatzverkehr läuft aber besser als bei einer ersten Sperrung in den Osterferien.

26. Juli: Islamistenführer Sven Lau wird als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht spricht ihn der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig. Lau gehört gemeinsam mit Pierre Vogel zu den bekanntesten Gesichtern des radikalen Islams in Deutschland. Er gilt auch als Initiator der „Scharia-Polizei“, die 2014 durch Wuppertal zog und bundesweit für Empörung sorgte. Das Urteil wird noch vom Bundesgerichtshof überprüft.

30. Juli: Schock für mehr als 70 Fahrgäste bei einer Seilbahnfahrt in luftiger Höhe über dem Rhein in Köln. Bei bestem Ausflugswetter verkeilt sich eine der 32 Kabinen. Dadurch bleibt ein Großteil der Gondeln über dem Fluss hängen. Zahlreiche Fahrgäste müssen aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere werden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus der beängstigenden Lage gerettet.

August

2. August: Zwei Monate nach ihrer Abschiebung nach Nepal kehrt die Duisburger Schülerin Bivsi in ihre deutsche Heimat zurück. Die damals 14-Jährige war Ende Mai abgeschoben worden, nachdem der Asylantrag der Familie in allen Instanzen gescheitert war. Für Empörung sorgte, dass die Stadt Duisburg das Mädchen während des Unterrichts aus ihrer Schule holen ließ. Ihre Mitschüler sammeln Unterschriften und Geld und organisieren politische Unterstützung für die Rückkehr. Die Eltern dürfen Bivsi aus humanitären Gründen für die Dauer der Ausbildung begleiten.

31. August: Der nordrhein-westfälische Medien- und Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) gibt die Zuständigkeit für die Medienpolitik in der Landesregierung ab. Holthoff-Pförtner, der Gesellschafter der Funke-Mediengruppe ist, wolle damit jeden Anschein vermeiden, „er könne nicht mit der notwendigen Unvoreingenommenheit Entscheidungen als Medienminister fällen“, begründete Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Entscheidung. Er bleibt Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales.

31. August: Mehr als acht Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten rückt die juristische Aufarbeitung näher: Das Kölner Landgericht lässt die Anklage gegen sechs Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung in vollem Umfang zu. Die Angeklagten - Beschäftigte der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und von Baufirmen - waren an Bauarbeiten für eine neue U-Bahn beteiligt. Der Prozess soll nach dem Jahreswechsel beginnen. Die Fertigstellung der U-Bahn verzögert sich unterdessen voraussichtlich bis 2026. Der Grund: Die Beweissicherung an der Unglücksstelle zieht sich weiter hin.

September

1. September: Die neue Direktorin der Kunstsammlung NRW, Susanne Gaensheimer, verordnet der renommierten Landesgalerie einen Modernisierungsschub. Mit internationaler Frauenpower, Performance und multidisziplinärer Kunst setzt sie gleich zu ihrem Amtsantritt neue Akzente. Die vom Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt gewechselte Gaensheimer will das Haupthaus K20 am Grabbeplatz künftig für die Avantgarde des 20. Jahrhunderts reservieren und im Ständehaus K21 ausschließlich aktuelle zeitgenössische Kunst zeigen.

15. September: In Düsseldorf, Köln, Dortmund und Gelsenkirchen jubeln die Fußballfans, in Mönchengladbach ist die Enttäuschung groß. Als einziger der fünf Bewerber aus Nordrhein-Westfalen wird der Borussia-Park vom DFB nicht als einer der zehn möglichen Spielorte für die EURO 2024 benannt.

20. September: Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen. In beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden. Die Beschäftigten laufen Sturm gegen die Pläne, sie befürchten einen höheren Arbeitsplatzabbau.

21. September: Nach der Aufdeckung von Brandschutzmängeln lässt die Stadt Dortmund den Wohnkomplex Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld räumen. Die Anlage ist mit mehr als 750 Mietern Dortmunds größtes Wohnhaus. Die Bewohner kommen in anderen Unterkünften oder bei Freunden und Verwandten unter. Der Eigentümer muss die Mängel beseitigen. Wann die Mieter zurück in ihre Wohnungen können, ist unklar.

26. September: Der Landes- und Fraktionschef der AfD in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, kündigt seinen Austritt aus Partei und Fraktion an. Pretzell folgt damit seiner Ehefrau Frauke Petry, die im Streit über den Kurs die Partei verlässt. Sein Mandat im Düsseldorfer Landtag behält Pretzell als fraktionsloser Abgeordneter.

Oktober

1. Oktober: Nach mehr als sechs Jahrzehnten wird der normale Betrieb des Braunkohlekraftwerks Frimmersdorf im rheinischen Grevenbroich eingestellt. Die zwei verbliebenen 300-Megawatt-Blöcke gehen in eine „Sicherheitsbereitschaft“. Vier Jahre lang sollen die 1966 und 1970 in Betrieb genommenen Kraftwerksblöcke noch als Kapazitätsreserve für Stromengpässe bereitstehen. 2021 sollen sie dann endgültig vom Netz genommen werden.

5. Oktober: Für den früheren Geheimagenten Werner Mauss geht der Steuerstrafprozess um große Vermögenswerte im Ausland glimpflich aus. Das Bochumer Landgericht verurteilt ihn wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte über sechs Jahre Haft gefordert. Die Richter berücksichtigen in ihrer Entscheidung ausdrücklich die Verdienste des Angeklagten, der Leben gerettet habe. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben Revision eingelegt.

10. Oktober: Einer der beiden Geiselgangster von Gladbeck, Dieter Degowski, soll nach fast 30 Jahren Haft freikommen. Der 61-jährige werde in den nächsten Monaten aus dem Gefängnis entlassen, teilt das Landgericht Arnsberg mit. Das Gladbecker Geiseldrama ging als eines der spektakulärsten Schwerverbrechen in die deutsche Kriminalgeschichte ein. Im August 1988 waren Degowski und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner nach einem missglückten Bankraub in Gladbeck mit Geiseln quer durch Deutschland gefahren. Drei Menschen starben. Die beiden Täter wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

11. Oktober: Die vielbefahrene und marode Leverkusener Rheinbrücke kann ohne Verzögerungen durch einen Neubau ersetzt werden. Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für das schätzungsweise 740 Millionen Euro teure Projekt. Das Gericht weist Klagen eines Umweltvereins und eines Bürgers gegen das Großvorhaben zurück. Die Behörden hätten keine Fehler gemacht, die zur Aufhebung der Baupläne hätten führen können.

November

7. November: Die schwarz-gelbe Landesregierung will ab 2018 dauerhaft ohne neue Schulden auskommen. Das Kabinett von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) beschließt einen Haushaltsentwurf für 2018 in Höhe von 74,5 Milliarden Euro, der eine schwarze Null vorsieht. „Das ist der erste Landesetat seit 1973, der gänzlich ohne neue Schulden auskommt“, sagt Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU). Die rot-grüne Vorgängerregierung war 2016 bereits ohne neue Kredite ausgekommen, das hatte sich aber erst im Laufe des Jahres durch hohe Steuereinnahmen ergeben.

7. November: Fu ßball-Deutschland und der 1. FC Köln trauern um einen der „Helden von Bern“: Hans Schäfer stirbt nur knapp drei Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Schäfer gehörte zur legendären deutschen Mannschaft, die 1954 mit dem 3:2-Finalsieg gegen Ungarn Weltmeister wurde. Der „Kölsche Jung“, seinerzeit einer der besten Linksaußen der Welt, spielte in seiner Karriere nur für den 1. FC Köln, mit dem er 1962 und 1964 deutscher Meister wurde.

9. November: Ein angeblich millionenschweres Gemälde des russischen Konstruktivisten Kasimir Malewitsch in der Kunstsammlung NRW entpuppt sich als Fälschung. Das 2014 als Schenkung in das Museum gelangte Ölbild „Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat“ wird von Fachleuten als nicht echt beurteilt. Sie stützen sich auf naturwissenschaftliche Materialuntersuchungen von zwei Expertenteams.

13. November: Vor dem Landgericht Essen beginnt der Prozess um einen der spektakulärsten Medizin-Skandale der vergangenen Jahre. Angeklagt ist ein Apotheker aus Bottrop, der massenhaft Krebsmedikamente gepanscht haben soll. Zwischen 2012 und 2016 soll er fast 62.000 Mal Krebsmedikamente mit zu wenig Wirkstoff versehen haben, mehr als tausend Patienten sollen betroffen sein. Allein den gesetzlichen Krankenkassen soll laut Anklage ein Schaden von 56 Millionen Euro entstanden sein.

16. November: Der wegen Untreue zulasten des ehemaligen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilte frühere Topmanager Thomas Middelhoff wird nach Verbüßung von knapp zwei Dritteln seiner Strafe aus der Haft entlassen. Begründet wird die Strafaussetzung mit der guten Sozialprognose des 64-Jährigen. In einem Buch über seine Hafterfahrungen äußert er scharfe Kritik am Strafvollzug.

23. November: Die Landesregierung kündigt an, sich aus der Finanzierung des Sozialtickets im Nahverkehr zurückziehen - und erntet dafür massive Kritik. Sozialverbände, Obdachloseninitiativen und die Opposition werfen der Regierung vor, einseitig auf Kosten der Armen zu sparen. Einige Tage später macht Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) einen Rückzieher und sagt: „Das Sozialticket bleibt.“

28. November: Der für sein Engagement für Flüchtlinge bekannte Bürgermeister von Altena im Sauerland, Andreas Hollstein, wird Opfer einer Messerattacke. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Angreifer ein fremdenfeindliches Motiv hatte. Bundesweit entbrennt eine Diskussion über einen besseren Schutz von Lokalpolitikern auch vor Hetze.

Dezember

4. Dezember: In Bochum wird die zentrale Landeserstaufname für Flüchtlinge eröffnet. Dort müssen sich alle neu ankommenden Flüchtlinge als Asylbewerber registrieren lassen. Die Anlaufstelle ist rund um die Uhr geöffnet.

6. Dezember: In Meerbusch bei Neuss fährt ein Regionalzug des privaten Bahnbetreibers National Express auf einen Güterzug auf. Mehr als 50 Menschen werden verletzt, die meisten von ihnen leicht. Nach ersten Ermittlungen der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen hatte der Lokführer der Regionalbahn einen Fahrauftrag erhalten, obwohl die Strecke noch nicht frei war. Warum das geschehen ist, ist noch unklar.

8. Dezember: Mehr als sieben Jahre nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg beginnt der Strafprozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Ihnen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Bei dem Unglück am 24. Juli 2010 waren im dichten Gedränge am einzigen Zu- und Abgang 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden. Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe.

10. Dezember: Nach acht Bundesligaspielen in Serie ohne Sieg trennt sich Borussia Dortmund von Trainer Peter Bosz. Unter dem 54-jährigen Niederländer hatte der BVB zunächst den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte geschafft, war dann aber in die Krise geraten. Zu seinem Nachfolger machen die Dortmunder den Österreicher Peter Stöger, der erst wenige Tage zuvor beim 1. FC Köln entlassen worden war. Gleich im ersten Spiel als BVB-Trainer schafft Stöger einen Sieg.

12. Dezember: 26 Jahre nach dem Mord an einer Frau in Bonn verurteilt das Bonner Schwurgericht den Angeklagten zu lebenslanger Haft. Im November 1991 hatte der damalige Germanistikstudent die Mutter einer zwölfjährigen Tochter in ihrem Haus überfallen, gefesselt und mit 74 Messerstichen getötet. Der heute 52 Jahre alte Mann hatte die Tat Anfang des Jahres überraschend und aus freien Stücken bei der Polizei gestanden, nachdem er wegen Trunkenheit am Steuer erwischt worden war. Ohne sein Geständnis wäre der Fall wohl nie aufgeklärt worden.

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