Der größte Wurf des Mannes mit den 178 Patenten: „Tante Ju”

Von: Karl Morgenstern, dpa
Letzte Aktualisierung:
tanteju
Das Traditionsflugzeug „Tante Ju” (offiziell Junkers 52) ist wohl das berühmteste Flugzeug Deutschlands. Foto: dpa

Aachen/Rheydt. 178 Erfindungen ließ er sich patentieren, er wurde zum Vater der modernen Gasbadeöfen und erfand beispielsweise das Kalorimeter zur Messung des Heizwertes.

Sein größter Wurf aber wurde die noch heute fliegende dreimotorige Ju 52: Vor 150 Jahren - am 3. Februar 1859 - wurde im nordrhein-westfälischen Rheydt Hugo Junkers geboren.

Unter Federführung von Ernst Zindel entwickelte Junkers 1929 und 1930 die anfangs noch einmotorige Ju 52. Sie wurde nicht nur zum Standardflugzeug der Lufthansa, sondern gilt als das erfolgreichste Verkehrsflugzeug der 30er Jahre überhaupt. Einschließlich aller Lizenzfertigungen in Spanien, Ungarn und Frankreich wurden weit mehr als 4000 Maschinen des Typs gebaut.

Als seinen genialsten Entwurf sehen Experten jedoch sicherlich die mit vier 750 PS starken Junkers- Jumo-204-Dieselmotoren ausgerüstete G 38. Sie hob am 6. November 1929 zum Jungfernflug ab. Mit 44 Metern Spannweite und 23,20 Metern Länge war die G 38 seinerzeit das größte und bequemste Verkehrsflugzeug der Welt und für 34 Passagiere konzipiert. Erstmals sprach man von einem „fliegenden Riesen”.

Berühmt wurde auch der schon 1919 gebaute freitragende Tiefdecker F 13. Das aus Duraluminium gebaute Ganzmetallflugzeug entstand unter der Regie des Junkers-Konstrukteurs Otto Reuter. Es gilt bis heute als Vorfahre aller Verkehrsflugzeuge.

Wellblech wurde zum Markenzeichen des Konstrukteurs Junkers - in der Fachwelt galt der Slogan: „Der Mann, der Wellblech fliegen ließ.” Zeitweilig wurden 70 Prozent des Luftverkehrs der frühen 20er Jahre in Europa mit der F 13 für zwei Piloten und vier Passagiere bewältigt - dabei saßen die Piloten noch im Freien.

Junkers war mehr als „nur” ein Flugzeugbauer. 1897 wurde der Sohn eines rheinischen Textilfabrikanten Professor für Wärmetechnik an der Technischen Hochschule Aachen. 1913 gründete er in Magdeburg eine eigene Motorenfabrik, die in späteren Jahren die halbe Welt belieferte.

Die Metallbauweise für Flugzeuge wandte Junkers auch für Häuser und Möbel an. 1921 rief er die Firma „Junkers Lamellenbau” ins Leben. Er war Philanthrop, Kunst- und Theaterfreund. Viele Liberale der Weimarer Republik zählten zu seinen Freunden. Enge Verbindungen hatte er zu Bauhaus-Gründer Walter Gropius. 1925 war das Bauhaus von Weimar nach Dessau umgezogen. Viele dort entworfene Stahlmöbel wurden damals bei Junkers gebaut.

1932 wurde die Firma Junkers & Co in die Robert Bosch GmbH eingegliedert. Aber noch heute prangt der Name auf Thermen, Heizungen und Wärmepumpen.

Noch kurz vor seinem Tode an seinem 76. Geburtstag am 3. Februar 1935 wurde Junkers von den Nazis enteignet. Er war ihnen immer zu liberal und pazifistisch gewesen. Seine Ju 52 wurde von den Machthabern mit Hilfe der „Legion Condor” im Spanischen Bürgerkrieg und später auch in den 40er Jahren als Kriegsinstrument missbraucht. Dabei waren Junkers und seine Mitarbeiter ausschließlich von einer Verwendung im zivilen Luftverkehr ausgegangen. „Wir hatten bei Junkers bei der Entwicklung der Ju 52 ja auch keinen Augenblick an eine militärische Verwendung gedacht”, schrieb sein Freund und Konstrukteur Zindel damals.

Verbittert, drangsaliert, enteignet und abgeschieden hatte Junkers seinen Lebensabend verbringen müssen. Dennoch würdigten die Nationalsozialisten ihn noch mit einem Staatsbegräbnis - ein Zugeständnis an seine ungebrochene Popularität in Deutschland. Die heuchlerische Zeremonie am 9. Februar 1935 auf dem Münchner Waldfriedhof entlarvte ein junger Mann aus Dessau, der Stadt der größten Erfolge Hugo Junkers. Im Namen der Arbeitslosen legte er einen Kranz nieder: Es war ein Dornenkranz mit drei Rosen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert