Der Goldhase als Jobmaschine: Lindt will 1000 neue Stellen schaffen

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Lindt & Sprüngli (weiße Linie) will in Aachen stark expandieren und bis zu 1000 neue Jobs schaffen, hat aber keine Flächen mehr. Deshalb will man der Stadt den Bendplatz (schraffierte Flächen) in mehreren Etappen abkaufen. Für den „Öcher Bend“ muss ein neuer Standort gefunden werden.

Aachen. Bei den „Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli“ in Aachen klingelt die Kasse in noch helleren Tönen als die Glöckchen, die an den Hälsen der berühmten Goldhasen baumeln. Genau diese – und viele weitere süße Produkte – werden in Aachen zig Millionen Mal im Jahr produziert.

Das Unternehmen fährt auf einem goldenen Expansionskurs. Und das nicht nur bei den Umsätzen. In Aachen wird nach mehreren Großinvestitionen und Erweiterungen in den vergangenen Jahren deswegen jetzt der Platz knapp. Es muss weiter deutlich ausgebaut werden.

Diese Information unserer Zeitung bestätigt der Aachener Lindt & Sprüngli-Geschäftsführer Adalbert Lechner auf Anfrage: „Wir haben die Absicht, weiter zu wachsen, sind aber jetzt weitestgehend am Limit, was das bestehende Gelände angeht“, sagt er. „Deshalb war der Zeitpunkt erreicht, bei der Stadt unseren Bedarf anzumelden.“ Den Blick hat man dabei auf den benachbarten 40.000 Quadratmeter großen Bendplatz geworfen, auf dem zwei Mal jährlich das große Volksfest „Öcher Bend“ stattfindet. Dort will Lindt der Stadt Flächen abkaufen – und zwar im Zuge der Ausbauten der nächsten Jahre Stück für Stück.

Zuletzt hatte Lindt unter anderem 2006 und 2011 neue Produktions- und Logistikhallen gebaut und dabei über 50 Millionen Euro investiert. Laut Lechner könnte der in den nächsten Jahren anstehende Ausbau ungefähr zwei- bis dreimal so groß wie die jüngste Erweiterung werden. Je nach Geschäftsentwicklung könnte langfristig sogar der ganze Platz vonnöten sein – zumindest wären entsprechende Reserveflächen wohl im Sinne des Unternehmens. Denn Lechner sagt auch, dass man „ja nicht in zehn Jahren wieder vor der gleichen Frage stehen“ wolle.

Während der Lindt-Chef zur Zahl der möglichen neuen Arbeitsplätze keine konkreten Aussagen macht, geht Aachens OB Marcel Philipp nach Gesprächen mit Lindt davon aus, dass bis zu 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Laut Lechner hat sich die Zahl der Mitarbeiter in Aachen in den vergangenen 20 Jahren von 1200 auf 2300 nahezu verdoppelt. Und für Philipp ist die „Jobmaschine“ Lindt für Aachen auch deshalb extrem wichtig, weil es dort viele Jobs für geringer qualifizierte Arbeitskräfte gibt.

Allerdings steckt die Stadt in einer Zwickmühle. Wenn Lindt erweitert, muss der Bend nach 90 Jahren an diesem Standort weichen. In der Stadtverwaltung ist man dringend auf der Suche nach Alternativen, von denen es in Aachen aber kaum welche gibt. In Frage kommt das Gelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) in der Soers. Man sei in „intensiven Gesprächen“, so Philipp. Diese gestalteten sich allerdings schwierig. Der ALRV steht der Idee skeptisch gegenüber.

Bei der schwierigen Suche herrscht außerdem Zeitdruck. Bis Ende des Jahres müsse eine Lösung auf dem Tisch liegen, sagt der OB. Denn falls die Stadt dem Unternehmen am Standort keine weiteren Flächen anbietet, droht die Abwanderung eines der größten Arbeitgeber der Stadt und damit der Verlust von tausenden Arbeitsplätzen. „Dann müsste sich die Lindt-Gruppe nach Alternativen umschauen“, sagt Lechner jedenfalls unmissverständlich und fügt hinzu, dass das für Aachen möglicherweise auf „eine vergebene Chance“ hinauslaufe.

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