Der fünfmillionste Wagen läuft vom Band

Von: Heiner Hautermans
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Hier laufen seit 1967 Autos vom Band, und so soll es auch weitergehen: Im niederländischen Born sind unterschiedliche Modelle gebaut worden, unter anderem das Kultmodell DAF. Foto: Bram Saeys/VDL Nedcar Born, imago/sebastian geisler
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Der DAF 44, Baujahr 1966. Foto: Bram Saeys/VDL Nedcar Born, imago/sebastian geisler

Sittard-Geleen. Im niederländischen Born ist jetzt der fünfmillionste Pkw vom Band gelaufen – ein leuchtend roter Mini Countryman, hergestellt aus 5000 Einzelteilen. Ein Meilenstein in der wechselhaften Geschichte dieses nur wenige Kilometer jenseits der Grenze zu Deutschland liegenden Automobilwerks, das in der Gemeinde Sittard-Geleen liegt.

Es war im Jahr 1967 vom damals einzigen niederländischen Automobilkonzern DAF gegründet worden, weil dessen Produktionskapazitäten zu klein wurden. Fast zeitgleich wurde auch das 50-jährige Bestehen des 150 mal 180 Meter großen Automobilwerks gefeiert.

Vorwärts wie rückwärts

Im Juni 1967 waren dort die ersten Wagen vom Band gelaufen. Gefertigt wurde zunächst der unvergessene DAF 44, der wegen seiner genialen Kraftübertragung (theoretisch) rückwärts genauso schnell wie vorwärts fahren konnte.

Die niederländische Regierung förderte die Ansiedlung in Limburg als Kompensation für das angekündigte Ende der Kohleproduktion, Hunderte Bergleute fanden dort nach dem Zeichensterben eine neue Anstellung. Gestartet wurde mit 560 Arbeitnehmern, 1972 waren es schon 3000. Insgesamt 670.000 der leicht zu fahrenden und deshalb erfolgreichen DAF rollten am Ende vom Band.

1972 beteiligte sich der schwedische Autohersteller Volvo, der DAF66 erhielt das schwedische Logo, die Nachfolger 340 und 480 wurden noch von DAF entwickelt, aber als Volvo verkauft.

Anfang der 1990er Jahre wurde das Werk unrentabel und die stark aufstrebenden Japaner kamen ins Boot. Mitsubishi sorgte für die fällige Modernisierung und schloss im Jahr 2002 ein Abkommen mit DaimlerChrysler, somit wurde nun auch der Smart Forfour in Born gefertigt. Mitsubishi, das in diesem Werk zum Beispiel den Typ Carisma fertigen ließ, zog sich 2012 zurück und wieder wurden Hunderte an Arbeitnehmern entlassen.

Die Wende kam 2012, als der niederländische Industriekonzern, Busproduzent und Anlagenbauer VDL in Born das Zepter übernahm. VDL Nedcar, das einzige große Serienautomobilwerk der Niederlande, wurde erneut umfassend renoviert. 2017 gibt es mehr als 6000 Angestellte in der Fabrik, ein Vielfaches der ursprünglichen Mitarbeiterzahlen.

Damit ist Nedcar auch der größte Betrieb des VDL-Konzerns und einer der größten Arbeitgeber in der Provinz Limburg. Unter den Beschäftigten sind auch Hunderte von Langzeitarbeitslosen, die für ihre neue Tätigkeit speziell ausgebildet wurden. Hergestellt wurden seit 1967 neben den DAFs 2,8 Millionen Volvos, 1,1 Millionen Mitsubishis und 133.000 Smarts.

Die heutige Fabrik erstreckt sich über eine Fläche von einer Million Quadratmetern, die Produktionslinie ist zwei Kilometer lang. Hier wird auch die Hybrid-Version des erfolgreichen Mini Countryman gefertigt, außerdem wird bald mit der Produktion des Erfolgsmodells X1 begonnen.

Dazu wurde mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft eigens ein Abkommen geschlossen, das die Arbeitszeit auf bis zu 9,5 Stunden in einer Schicht (bei einer Vier-Tage-Woche) und die Produktion auch an Samstagen ermöglicht. Dafür erhalten die Mitarbeiter Ausgleich in freien Tagen. Zudem sind Leiharbeitsstellen in feste Arbeitsverhältnisse umgewandelt worden und es sollen noch einmal 380 Mitarbeiter eingestellt werden.

Ursprünglich hatte BMW angekündigt, in Born auch den elektrischen Mini fertigen zu wollen. Doch nun wird der im BMW-Werk in der englischen Universitätsstadt Oxford hergestellt, wie die niederländische Zeitung „De Limburger“ meldet. Die Entscheidung für England wird unter anderem mit großen Investitionen in Oxford begründet, außerdem stamme der Mini ja ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich. Überdies dürfte die aktuelle Entscheidung der englischen Regierung eine Rolle gespielt haben, ab 2040 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zuzulassen.

Ganz aus dem Rennen könnte Born aber dennoch nicht sein: Sollten durch den Brexit große Probleme entstehen, stünden die Limburger für eine Verlagerung bereit. Mit 1200 Fertigungscomputern können in Born pro Jahr 200.000 Automobile hergestellt werden.

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