Der Fan, die Weltmeisterschuhe und Horst Eckel

Von: Markus Bienwald
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Das ist Marc Hellenbrand aus Geilenkirchen. Er hat sich die Schuhe nachbauen lassen, in denen die deutsche Nationalmannschaft 1954 Weltmeister wurde. Foto: Bienwald
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Signiert wurden sie von Horst Eckel, einem von zwei noch lebenden 54er-Weltmeistern. Foto: privat

Geilenkirchen. Marc Hellenbrand hat Horst Eckel als ganz normalen Menschen kennengelernt, locker, herzlich und sehr freundlich. Eckel ist einer der beiden noch lebenden Helden von Bern, die 1954 Deutschland zum Fußballweltmeister machten, der zweite noch lebende Spieler ist Hans Schäfer aus Köln.

 Welchen Anteil am überraschenden Titelgewinn die eigens für die Spieler angefertigten und nie in Serie gegangenen Schuhe hatten, ist aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber für Marc Hellenbrand haben die Schuhe eine Bedeutung. Wäre das anders, hätte er Horst Eckel nie kennengelernt.

Angestoßen durch einen Film über die zerstrittenen Brüder Dassler, die später die Weltfirmen Adidas und Puma gründeten, kam Hellenbrand (27), der in Geilenkirchen-Beeck lebt, im Frühjahr auf die Idee, sich die Weltmeisterschuhe neu anfertigen zu lassen. Mit Manfred Maaßen, Schuhmachermeister aus Geilenkirchen-Leiffarth, hat er den idealen Partner gefunden; denn Maaßen war es, der die Schuhe für den Film „Das Wunder von Bern“ anfertigte. Maaßen hatte noch etwas Leder übrig und die originalen Schnittvorlagen für die 54er-Schuhe in der Schublade. So ließ sich Hellenbrand zunächst ein Paar der den Originalen fast zu 100 Prozent entsprechenden Schuhe als Sonderanfertigung nachbauen. Allerdings mit Straßensohle, ohne Stollen, sagte Hellenbrand.

Doch kurze Zeit später reichte ihm das nicht mehr, Hellenbrand ging wieder zu Schuhmachermeister Maaßen. Er wollte den originalen Fußballschuh von damals. Als Fußballfan und Mitglied von Borussia Mönchengladbach ist Hellenbrand dem Sport sowieso eng verbunden. Und als er dann etwas recherchierte, baute ihm Maaßen auch den Fußballschuh nach. „Mit Ledersohle und Schraubstollen“, sagt Hellenbrand. Allerdings waren früher die Stollen aus Kunststoff, beim Nachbau sind sie aus Aluminium. „Das war aber zusammen mit dem etwas dickeren Leder der einzige Punkt, bei dem Horst Eckel meinte, der Schuh weiche vom Original ab“, sagt Hellenbrand.

Eckel ist 84 Jahre alt und immer noch treuer Fan seines Lieblingsclubs und ehemaligen Arbeitgebers 1. FC Kaiserslautern. Marc Hellenbrand fasste sich ein Herz, schrieb Eckel an und schilderte ihm in seinem Brief seine Fußballleidenschaft und sein Anliegen. „Ich wollte eigentlich nur ein Autogramm auf meinen nachgebauten Schuhen von einem der noch lebenden Helden von damals“, sagt Hellenbrand. Mit einer Antwort rechnete er aber eigentlich nicht.

Doch zwei Tage später, mitten in den Vorbereitungen zur Kirmes der Junggesellen in Geilenkirchen-Beeck, klingelte bei Hellenbrand das Telefon. „Ich bin ja Vorsitzender des Junggesellenvereins und hatte den Kopf eigentlich nur voll Kirmes“, sagt er. Doch nachdem klar wurde, dass am anderen Ende der Leitung tatsächlich Horst Eckel sprach und ihn zu sich nach Hause einlud, wurde sofort ein Termin vereinbart.

Ein ohnehin in seinem Kalender eingeplantes Rennwochenende in Hockenheim erwies sich als idealer Zeitpunkt, Ende Juli reiste Hellenbrand mit seiner Freundin Nienke Kukla zur Fußballlegende Eckel in die Pfalz. Und dann blieb ihm eine gute Halbzeit lang Zeit, um mit Horst Eckel zu sprechen. „Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war gerade Bastian Schweinsteiger aus der Nationalelf zurückgetreten, darüber haben wir natürlich auch gesprochen“, sagt Hellenbrand.

Die ersehnten Unterschriften gab es auch: auf der Innensohle des Fußballschuhs, auf das Turnschuh-Exemplar und schließlich noch auf das 2006 neu aufgelegte Trikot von 1954. Und jetzt hat Marc Hellenbrand nicht nur zwei Paar wirklich exklusive Schuhe zu Hause, sondern auch eine bleibende Erinnerung und signierte Einzelstücke, wie es sie so kein zweites Mal gibt.

Getragen werden die guten Stücke nicht, sie sind eigentlich nur als Ausstellungsstücke gedacht. „Meines Wissens nach gibt es nur noch in einer Ausstellung in Dortmund ein Paar von Helmut Rahns signierten Originalschuhen von damals“, sagt Hellenbrand. Rahn schoss damals aus dem Hintergrund das entscheidende 3:2 im Endspiel gegen Ungarn.

Was die angefertigten Exemplare gekostet haben, will Hellenbrand zwar nicht verraten, doch für einen schiefen Haussegen, sagt er, habe die Anschaffung nicht gesorgt. Doch was nicht ist, kann ja noch werden: Seine Freundin ist nicht wirklich begeistert davon, dass Hellenbrand die Schuhe und das ebenfalls signierte Trikot in einer Vitrine im Wohnzimmer ausstellen will.

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