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Der etwas andere Pilz ist nicht zum Essen

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
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Klaus Herda sammelt die Standorte von Wetterpilzen. Bisher hat er in der Region 19 gefunden. Foto: Wolfsperger

Eschweiler. Die meisten sind einem Wetterpilz schon einmal begegnet. Die wenigsten haben darüber weiter nachgedacht, aber einer hat ihn sich zur Aufgabe gemacht: der Chemiker Klaus Herda. Der Mann ist auf der Suche nach Wetterpilzen. Schräges Hobby? „Ja“, sagt Herda und lacht.

Klaus Herda ist 48 und arbeitet in Köln im EDV-Bereich. Ein ganz normaler Typ. Aber die Pilze, die man nicht essen kann, faszinieren ihn. Da sei er ganz Chemiker, sagt Herda. Die Einfachheit, der volle Nutzen – simpel und symmetrisch, das sei für ihn Ästhetik.

„Und sie erzählen Geschichten!“ In Städten seien sie oft Ausdrucksfläche von Schmierereien oder Beschimpfungen. „Ich finde aber immer wieder schöne Sprüche und alte Weisheiten.“ In Bayreuth gebe es einen Pilz, heute in Privatbesitz, „da sind Liebesbekenntnisse von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg eingeschnitzt.“

Natürlich sei da auch der Nutzen. Als Unterstand bei Regen, als Schattenspender, oder als Rettungspunkt mit Notrufnummern – so wie der Wetterpilz am Blausteinsee in Eschweiler. Was Herda jedoch viel interessanter findet: Ist der Pilz aus Beton, Holz oder Stahl? Was ist seine spezifische Besonderheit?

In Köln seien die meisten Pilze aus Beton. Zeugnisse der engen Verbindung der Stadt mit Rheinbraun. Der Pilz am Blau-steinsee ist aus Holz, aber in einen Betonmantel eingelassen. „Habe ich noch nie gesehen“, sagt Herda. Und während er den Pilz genau beäugt, da beäugen die Spaziergänger am Blausteinsee den Mann, der sich für den Pilz interessiert.

„Es gibt ein paar richtig schöne Pilze“, sagt Herda. Für ihn seien die Wetterpilze „ein bizarres architektonisches Kunstwerk“, das der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. „Ein moderner Ansatz!“ Der passe genau ins Heute: „Die Grünflächen vor der eigenen Haustür werden immer häufiger in Eigen­initiative bepflanzt und liebevoll gepflegt – das Resultat mit allen geteilt! Kostenfrei und einsehbar.“

Angefangen hat alles am „Pilzberg“ in Köln. Da ist Herda aufgewachsen. Der „Pilzberg“ heißt eigentlich Hausberg und steht im Beethovenpark. Den Spitznamen hat der Berg durch einen Wetterpilz. 2011 hat Herda am Silvestermarathon in Köln teilgenommen. Bei dem Lauf ist er an mehreren Pilzen vorbeigekommen. „Bis dahin dachte ich, dass es nur den einen gibt.“

Seit dem Marathon ist Herda auf der Suche nach den Pilzen. Zu Fuß in Köln. Mit Hochgeschwindigkeit im Internet. Dann auch immer wieder auf Wanderwegen. Heute betreibt er eine eigene Webseite, auf der Pilzfunde geteilt werden können: Weltweit 523 Funde sind derzeit aufgeführt.

Man sehe den Pilzen die Kulturunterschiede an, sagt Herda. Und: „Die meisten Pilze habe ich in Mitteleuropa gefunden.“ Zumindest seine Welt-Pilz-Karte lässt die Vermutung zu, dass es beim Wetterpilzbestand einen europäischen und sogar einen deutschen Schwerpunkt gibt.

Diese Pilze der anderen Art gibt es auch in Aachen und der Region. Einen am Blausteinsee – kein Geheimnis für die Seegäste. 19 sind Herda in der Region bekannt. „Es könnten noch viel mehr sein, gerade in Waldgebieten gibt es viele von den praktischen und ästhetischen Unterständen“, sagt Herda „das kann man allein gar nicht alles ablaufen.“ Deshalb freue er sich besonders über Hinweise zu Pilzstandorten.

Herdas Traum: „Eines Tages finde ich einen Handwerker, der mit mir einen Wetterpilz baut, ein Kunstwerk und ein Geschenk an die Allgemeinheit“, sagt er. Weitere Infos zu den Wetterpilzen und Klaus Herdas Suche im Internet unter www.wetterpilz.de.

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