Der erschütternde Angriff auf eine junge Polizistin

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Prozess Knöllchen
Der Knöllchenstreit wurde schnell zum Politikum in Düren. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Das Handyvideo wurde aus einem Fenster heraus in jener Straße im Dürener Grüngürtel gemacht, in der am 12. November 2016 eine wahre Gewaltorgie gegenüber der dort eingesetzten Polizei losbrach, die als Massenschlägerei mit zahlreichen Verletzten aufseiten der Polizei endete. Rund 20 Beamte waren an jenem Samstagmittag letztendlich vor Ort, weil ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Polizeikräfte angefordert hatte.

Er war massiv vom ältesten Angeklagten, dem Vater der vier oder fünf Söhne, die sich dann auf die Polizei stürzten, beleidigt und bedroht worden.

Dieses Video, das Dienstag vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht abgespielt wurde, zeigt eine im gesamten Ablauf eher nebensächliche Szene, eine Szene aber, die Aufschluss über die giftige und gewalttätige Situation gibt. Man sieht eine Reihe Streifenwagen, die in zweiter Reihe am Straßenrand abgestellt sind. Eine junge Polizistin, Kommissaranwärterin, schaut über den Streifenwagen hinüber zum eigentlichen Geschehen etwas weiter weg.

Dann plötzlich kommt über den Bürgersteig ein korpulenter junger Mann in hellem T-Shirt gelaufen. Auf Höhe der Polizistin, die ihm den Rücken zukehrt, stößt er einen Schrei aus, greift oder schlägt ihr urplötzlich im Vorüberlaufen von hinten in den Nacken, versucht sie dann, an den Haaren wegzuzerren. Plötzlich lässt er wieder los und rennt in einen Hausflur, ist verschwunden.

Bis heute krankgeschrieben

Ob das jene Polizistin ist, die am Dienstag ernst und blass im Zeugenstand saß, ist bei der Inaugenscheinnahme des Videos nicht zu erkennen, sie soll es aber wohl sein. Die Erinnerungen an diesen 12. November sind für Julia N. (22) eine große Belastung, einige Kolleginnen, die an diesem Einsatz beteiligt waren, sind nach wie vor krankgeschrieben.

Polizeianwärterin N. beschrieb der Vorsitzenden Richterin Regina Böhme, wie das an jenem Tag für sie war, als eine komplette Familie ausrastete und die Mitglieder sich auf die nacheinander eintreffenden Einsatzkräfte warfen, dabei einen Polizisten mit einer Eisenstange schwer am Kopf verletzten. „Ich bin mit dem dritten Wagen gekommen“, sagte N., sie war Beifahrerin, stieg aus und blieb in der Nähe des Wagen stehen. Dort hätten zwei ältere Frauen lamentiert, von denen eine ausstieß: „Was machen die mit meinen Söhnen!“ Sie verbot den Frauen, ebenfalls in das Getümmel einzugreifen, sie blieben auf dem Bürgersteig.

Eindeutig aber, so bestätigte sie, habe sie gesehen, wie einer der Angreifer auf ihren Kollegen zurannte und ihm trotz Pfeffersprayeinsatzes einen eiserne Stange über den Kopf zog. Auch sie selbst sei geschlagen worden, bestätigte N. am Dienstag.

Der Prozess wird am Montag, 12. Juni, ab 12 Uhr fortgesetzt.

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