Der erfundene Sturm auf den Tagebau Hambach

Von: Marlon Gego
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Merzenich/Aachen. Seit es den Dauerkonflikt zwischen Umweltaktivisten und dem Tagebaubetreiber RWE im Hambacher Forst gibt, so lange gibt es gegenseitige Schuldzuweisungen. Die Umweltaktivisten werfen RWE-Sicherheitspersonal regelmäßig vor, sich provokativ und übergriffig zu verhalten, was RWE ebenso regelmäßig dementiert.

Und RWE wirft den Umweltaktivisten regelmäßig vor, Straftaten im Hambacher Forst zu begehen, was wiederum die Umweltaktivisten abstreiten. Der Polizei ist es hinterher nur in den seltensten Fällen möglich, die vorgeworfenen Sachverhalte zu klären.

Vergangenen Sonntag jedoch sind Hunderte Menschen Zeugen einer falschen Bezichtigung von RWE geworden. Der Aachener Waldpädagoge Michael Zobel war mit 337 Menschen auf seiner monatlichen Führung durch den Hambacher Forst unterwegs, als die Polizei die Meldung des RWE-Sicherheitsdienstes erreichte, dass etwa 50 Vermummte dabei seien, in den Tagebau Hambach einzudringen. Allerdings waren neben den 337 Waldspaziergängern auch einige Polizisten vor Ort, die den Aachener Kollegen melden konnten, dass niemand vermummt sei und auch niemand versuche, in den Tagebau Hambach einzudringen.

Die Aachener Polizei hat auch einige Tage später keine wirkliche Erklärung dafür, wie es zu dem Fehlalarm kommen konnte. Allenfalls sei es möglich, dass an einer Wegbiegung einige der 337 Waldspaziergänger falsch in Richtung Tagebau abgebogen seien, was RWE dann als versuchten Sturm auf den Tagebau interpretiert haben könnte. Doch ob dies wirklich eine schlüssige Erklärung für den Fehlalarm ist, bezweifelt auch die Polizei.

RWE gibt vor, bislang gar keine Kenntnis darüber zu besitzen, dass besagte Meldung am Sonntag an die Polizei gegangen sei – obwohl die Aachener Polizei die Existenz der Meldung ausdrücklich bestätigt hat. Dennoch erklärte RWE-Sprecher Guido Steffen auf Anfrage unserer Zeitung: „Wenn jetzt von ,RWE-Lüge‘, ‚Erfindungen‘ und ‚Meldungen aus Kalkül‘ gesprochen wird und uns eine Masche in die Schuhe geschoben werden soll, kann ich das nicht nachvollziehen und es nur in aller Schärfe zurückweisen.“ Allerdings räumt er ein, dass „die Sachverhaltsaufklärung noch nicht abgeschlossen“ sei.

Für die Umweltaktivisten und ihre Sympathisanten ist die Bewertung des Vorfalls eindeutig. Er belege nämlich, sagt der im Braunkohlewiderstand aktive Waldpädagoge Zobel, dass RWE zumindest diese eine Falschmeldung bewusst gestreut hat, um die Aktivisten zu diskreditieren. Allerdings fragt er auch: „Was ist eigentlich an den vermeldeten Vorfällen, Gewaltakten, vermeintlichen Anschlägen aus den letzten Monaten dran?“ Zobel möchte RWE nicht unterstellen, gewohnheitsmäßig Falschmeldungen an die Polizei zu geben, doch bedenklich findet er das Verhalten schon.

Nicht so bedenklich allerdings wie den vergangenen Dienstagmorgen, als etwa 30 Vermummte nahe der alten A 4-Trasse bei Kerpen-Manheim Barrikaden in Brand setzten, Polizeiautos beschädigten und Steine auf Polizisten warfen. Zobel verurteilt diese Form des Protests. Dennoch gebe es auf beiden Seiten, unter RWE-Mitarbeitern wie unter den Aktivisten, „einzelne, die gar keinen Frieden haben wollen. Denen spielen Vorfälle wie der am Dienstag in die Hände“, sagt Zobel.

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