Hürtgenwald - Der Biber ist wieder heimisch geworden

Der Biber ist wieder heimisch geworden

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
Biber
Vor 35 Jahren wurde der Biber mit den ersten Paaren wieder angesiedelt. Foto: dpa

Hürtgenwald. Die Spuren in diesem Wald sind unverkennbar: Hier lebt der Biber – und zwar nicht schlecht. Bäume im Weberbachtal bei Hürtgenwald-Großhau tragen die eindeutigen Nagespuren kurz über dem Boden, der ein oder andere ist schon abgeknickt.

Nicht weit davon entfernt liegen Äste mit frisch abgeschälter Rinde auf einem Biberdamm. Lutz Dahlbeck von der Biologischen Station im Kreis Düren schaut sich prüfend um. Am Biberdamm bleibt sein Blick hängen: „Wahrscheinlich sickerte an dieser Stelle Wasser durch, dann befestigen die Tiere ihre Bauwerke und bessern schadhafte Stellen aus.“

Dahlbeck ist Biberexperte. In einem Sonderdruck der „Zeitschrift des Kölner Zoos“ (Heft 4, 2012) fächert Lutz Dahlbeck die Historie der Tiere auf. Und er ist einer von denen, die dafür gesorgt haben, dass der Biber inzwischen in unserer Region wieder Fuß fassen kann und sich wie Waschbär und Dachs bei uns zu Hause fühlt.

Den Garaus machte der Mensch dem Biber auch wegen des fetthaltigen Sekrets, mit dem er sein Fell pflegt und wasserabweisend macht. Diesem sogenannten Bibergeil schrieben die Menschen vor einigen Jahrhunderten eine besondere Heilkraft zu. Eine ideale Beute für den Menschen war der Biber auch wegen seines Fells und als Fleischlieferant. So wurde er am Ende nahezu komplett ausgerottet.

Dieter Fink, 69 Jahre alt und ehemaliger Förster für den Bereich des Weberbachtals, erinnert sich noch gut daran, wie die ersten Tiere vor 35 Jahren im Weberbachtal ausgesetzt wurden, um sie wieder dauerhaft anzusiedeln. Fink: „Damals waren es fünf Pärchen.“

Und Familie Biber hat trotz aller Widrigkeiten inzwischen offensichtlich in der gesamten Region wieder ein dauerhaftes Zuhause gefunden. Denn so wie im Weberbachtal wurden in der Region an einigen Stellen Biberpaare ausgesetzt und sind auch dort geblieben. Inzwischen leben an den Wasserläufen wie Rur, Wurm oder Inde einige hundert Exemplare.

Im Weberbachtal beobachten die Experten, wie standorttreu die Tiere sind: Zwar wanderten die knapp 100 Zentimeter langen und im Schnitt 20 Kilogramm schweren Nagetiere immer mal wieder im Tal ein wenig rauf und ein wenig runter, aber grundsätzlich blieben sie bisher dem Standort treu. Auch eine Biberrutsche ist dort zu sehen. An dieser Stelle wechseln die Tiere vom höher gelegenen Uferbereich in das Wasser. Sie rutschen – auf ihrem breiten, flachen Schwanz sitzend – in Windeseile hinab in ihren Teich.

Und Biber sind liebevolle Eltern. Sowohl der jüngste Nachwuchs – meist kommen Zwillinge zur Welt – als auch der Wurf vom Jahr zuvor wird von den Eltern betreut. Die Familienbande sind stark. So kann beobachtet werden, dass sich auch die Geschwister untereinander helfen und erziehen. Gehen die Biberkinder ins dritte Lebensjahr, dann verlassen sie ihren elterlichen Bau, um ein eigenes Revier zu gründen. In Gefangenschaft wurden Biber schon 20 Jahre alt, in freier Wildbahn überleben sie zehn bis zwölf Jahre.

Konflikte am Rand von Siedlungen

Mit ihren großen, starken Schneidezähnen sorgen die Tiere dafür, dass die Uferbereiche wieder licht werden und die Artenvielfalt damit zunimmt. Dahlbeck: „Die Biber fällen die manchmal meterdicken Bäume in den Uferbereichen, nur die Schwarzerle beispielsweise, die bleibt stehen, die mögen sie nicht.“

Aufgrund der starken Nageaktivität der Tiere kommt es allerdings auch immer mal wieder zum Konflikt mit dem Menschen und ihrem Lebensraum. Denn die Nager richteten in der Vergangenheit auch schon mal wuchtige Bäume in der Nähe von Siedlungen so her, dass sie auf Häuser- und Garagendächer zu fallen drohten. Dahlbeck: „Unter anderem aus diesem Grund gibt es in den Biologischen Stationen Bibermanager.“ An diese sollten sich Betroffene wenden, wenn es Probleme gibt. Die Bibermanager, wie Lutz Dahlbeck einer ist, versuchen dann für beide Seiten die beste Lösung zu finden und entsprechende Hilfe einzuschalten.

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