Der Ausbruch des psychisch bedrängten Ralf S.

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Im Mordprozess vor dem Aachener Schwurgericht gegen den Kfz-Meister Ralf S. (45) aus Kall hat am Montag die psychiatrische Sachverständige Konstanze Jankowski (Köln) das Wort gehabt.

Die forensische Gutachterin kam zu dem Ergebnis, dass S. von keiner Bewusstseinsstörung geleitet worden ist, als er im Januar zwei tödliche Schüsse auf seinen Freund und Geschäftspartner Johann P. abfeuerte. Eine solche Feststellung wäre beispielsweise ein Grund für das Gericht, eine verminderte oder gar eine aufgehobene Schuldfähigkeit eines Angeklagten anzunehmen.

S. hatte am 17. Januar im Autohaus in Kall-Sötenich, das ihm und seiner Schwester gehört, Johann P. erschossen. Die Leiche lag tagelang im Keller, wurde dann auf einem Hänger an verschiedenen Orten in der Eifel abgestellt und schließlich auf der Mülldeponie Hürth-Knappsack entsorgt, wo sie auch entdeckt wurde.

Die Kölner Sachverständige zeichnete von den beiden Männern ein Bild gegenseitiger Abhängigkeit. Das Opfer - der meist hilfsbereite, impulsive, aber mitunter völlig unberechenbare Johann P. - habe mit seiner offensiven Art den eher zurückhaltenden S. psychisch bedrängt. Der 45-jährige S. sei von Johann P. in der Tat in die Ecke getrieben worden mit Geldforderungen, die er nicht erfüllen konnte, aber gleichermaßen mit der Idee, einen Juwelier überfallen zu wollen.

Das Opfer habe eine stattliche kriminelle Vergangenheit und sei ein Lebemann gewesen, der gerne „Geld verspielte und verhurte”, wie die Gutachterin ausführte. Die Freundschaft von S. sei so weit gegangen, dass er vor Bordellen wartete, bis sein Kumpel „die Sache verrichtet hatte”.

„Emotionale Verstrickung”

In dieser emotionalen Verstrickung habe S. dann im Keller die Waffe abgefeuert. Ausschlaggebend dafür sei nach Angaben des Täters jedoch zunächst die Absicht von Johann P. gewesen, dem Vater von S. auf den Leib zu rücken und von diesem das Geld zu erpressen.

Es bleibe dabei, so die Sachverständige, dass der Angeklagte von normaler Intelligenz und seelisch nicht krank sei. Zwei Anwälte der Nebenklage stellten Anträge auf Schmerzensgeld für die Witwe und die Schwester des Opfers. Das erst kürzlich geborene Kind und die Witwe sollen zusätzlich Unterhaltszahlungen vom Täter bekommen.

Ob das Gericht die zivilrechtliche Klage im laufenden Prozess gleich mitverhandelt, soll in der heutigen Sitzung entschieden werden.
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