Aachen - Der 3-D-Sound: Schöne neue Welt aus Bild und Ton

Der 3-D-Sound: Schöne neue Welt aus Bild und Ton

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Die Kollegen im 360-Grad-Video mit 3-D-Ton auf dem Tablet: Ulrike Fröhlich, Violinistin beim Sinfonieorchester Aachen, empfindet die neue Technik und die Zusammenarbeit mit dem IKS als Bereicherung für die eigene Arbeit. Foto: Ines Kubat
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Dem 3-D-Sound auf der Spur: Professor Peter Jax vom RWTH-Institut für Kommunikationssysteme. Foto: A. Schmitter

Aachen. Das Institut für Kommunikationssysteme (IKS) der RWTH Aachen dreht auf in Sachen räumliche Klangaufzeichnung: Mit dem neuen IKS-Lab, einem mit modernster Technik ausgestatteten Raum zum Abhören von Tönen jeglicher Art beschreiten die Forscher der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik neue Wege, was die Aufzeichnung von neuen Tonformaten angeht.

„Surrounded by Sound“, umgeben von Klang, heißt das Motto. Im Prinzip geht es um einen ähnlichen Meilenstein wie das 3-D-Format in der Welt des Sehens: den räumlichen Surround-Sound aus einer Quelle.

Meilenstein der Tontechnik

In der Wissenschaft ist von „immersiven Audiosystemen“ die Rede – ein relativ neuer Begriff, wie Professor Peter Jax erläutert. Jax leitet das Institut seit zwei Jahren und hat seitdem einen besonderen Fokus auf die Erforschung und Erschaffung des allumfassenden Rundum-Klangs und dessen Kopplung an die dazugehörigen Bilder gelegt. Das Institut verfügt über eine VR-Brille, mit der 3-D-Inhalte in Bild und Ton wiedergegeben werden können.

Immersive Audiosysteme eröffnen im Bereich des Klangs ganz neue Hörgefühle, und durch die zusätzliche Verknüpfung mit den filmischen Möglichkeiten von Virtual Reality (VR) ergeben sich geradezu atemberaubend neue, emotionale Bild- und Klangwelten: „Der Zuhörer befindet sich in einer akustisch wahrheitsgetreu erzeugten Tonszene, und zusammen mit der dazugehörigen Filmszene wird er Teil des Geschehen“, sagt Jax.

Hören mit zwei Ohren

Das Ganze funktioniert so: Eine neuartige, aus 32 Mini-Mikrofonkaspeln bestehende, Mikrofonkugel von acht Zentimetern Durchmesser nimmt zum Beispiel die Musik eines Konzerts in Echtzeit auf. Für die spätere Wiedergabe auf Lautsprecher werden die vielen parallelen Tonsignale dann umgerechnet und gleichzeitig auf zwei „Ohren“ übertragen – ohne Schnitt und neue Abmischung, ein binauraler Sound. Gleichzeitig mit der Tonaufnahme wird ein 360-Grad-Video gedreht, die Tonsignale werden in verschiedene räumliche Tonformate weiterverarbeitet. So entsteht für den Zuschauer der Eindruck, als sei er tatsächlich in die Szene abgetaucht.

„Wir schaffen hier absolut neue Hörrealitäten“, sagt Jax und erwähnt die unter Kommunikationswissenschaftler sprichwörtliche Cocktailpartysituation: „Wenn Sie sich dort ein Ohr zuhalten, können Sie nicht mehr zuordnen, wer was sagt. Um einen Ton einer Situation zuordnen zu können, brauchen Sie immer zwei Ohren.“ Die neue Technik der räumlichen Klangaufzeichnung ist deshalb nicht nur für Audio- und Videoproduzenten ein Quantensprung, sondern auch für die Hörgerätetechnik. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert – als Kooperation zwischen Universität und Mittelstand.

Für Musik- und Konzertliebhaber wird mit der neuen Wiedergabetechnik in Bild und Ton ein Traum wahr. Was sich da für neue Hör- und Sehmöglichkeiten eröffnen, zeigt ein mittlerweile mehrmonatiges Experiment des IKS- Lab mit dem Sinfonieorchester Aachen. Christiane Antweiler, Direktorin des IKS, hatte die Idee, die neue Technik gewissermaßen am lebenden Objekt zu testen.

Das Orchester sagte begeistert zu und gestattete die Aufzeichnung von drei Konzerten – Johannes Brahms' „Deutsches Requiem“, das Kazem Abdullah im Mai im Aachener Dom dirigierte, Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie“ zum Abschied von Abdullah im Juli und Mahlers Sinfonie Nr. 2c-Moll unter Justus Thorau von September – beide Konzerte fanden im Eurogress statt.

Von allen Konzerten gibt es jetzt 360-Grad-Videos mit 3-D-Sound auf Youtube. Außerdem gibt es dort eine Orchesterprobe mit Justus Thorau aus dem Probenraum zu Arturo Marquez' Danzón Nr. 2 für Kopfhörer. Insgesamt schon eine sehr ansehnliche Liste, die zeigt, was möglich ist. Alle Inhalte können auf mobilen Endgeräten interaktiv abgespielt werden.

Der Blick folgt dabei immer dem Ton und findet so den Einsatz des jeweiligen Instruments. Auch der Dirigent ist in diesen Videos einmal von vorne zu sehen – ein selten schönes Schauspiel von Mimik und Gestik. Wer über eine VR-Brille verfügt, kommt zudem in den außerordentlichen Genuss des Gefühls, selbst mitten im Orchester umgeben von Musikern zu sitzen.

Die Veröffentlichung der Liste steht in Zusammenhang mit einem neuen Konzertformat des Aachener Sinfonieorchesters: „Orchester hautnah“ hat am 1. Dezember Premiere im Eurogress. Dort soll dann die virtuelle Realität tatsächlich Realität werden. Die Musiker werden sich unter das Publikum mischen, die Zuhörer mitten im Orchester sitzen. Auch das – ganz real – ein erstaunliches Experiment.

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